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Stiftungsfest der LMU: Wissenschaft mit Verantwortung

26.06.2026

Beim 554. Stiftungsfest der LMU betonte Präsident Matthias Tschöp die Verantwortung der Universität für Demokratie, Freiheit und Zusammenhalt.

Mit dem klaren Bekenntnis zu Meinungsfreiheit und gegen Diskriminierung hat die Ludwig-Maximilians-Universität München am 26. Juni ihr 554. Stiftungsfest gefeiert. Den Ton setzte der Präsident gleich zur Begrüßung, als er die Rolle seiner Universität in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen und globaler Herausforderungen in den Fokus rückte. In seiner Ansprache erinnerte der Präsident an die historische Bedeutung der Großen Aula, den Ort der Feier. Vor fast 80 Jahren wurde hier die Bayerische Verfassung beraten, als Bekenntnis zu Menschenwürde, Freiheit, Frieden und Rechtsstaatlichkeit nach den Erfahrungen von Krieg und Diktatur.

Vor diesem Hintergrund stellte Tschöp die Frage, woran sich die Größe einer Universität bemesse. Zwar könne die Exzellenzuniversität LMU auf herausragende Forschungsleistungen verweisen, aber der Anspruch einer wirklich großen Universität müsse darüber hinausgehen: „Wir wollen zu den weltweit Besten gehören, aber wir wollen auch wirklich freie, herausragende Wissenschaft ermöglichen.“ Wissenschaft dürfe sich nicht im Akademischen erschöpfen, so der Präsident. Ihr Ziel sei Erkenntnis, die Leben rette, Demokratie stärke und zum Verständnis der Welt beitrage. Damit hob Tschöp die gesellschaftliche Bedeutung der LMU hervor: Sie bilde nicht nur Forschende aus, sondern mit Ärztinnen und Ärzten, Lehrkräften, Juristinnen und Juristen sowie Medienschaffenden jährlich tausende von Menschen, die später prägend für eine Gesellschaft seien.

Besonders eindringlich sprach der Präsident über die Herausforderungen der Gegenwart: „Wir leben in einer Zeit, in der die Konflikte der Welt nicht vor den Toren der Universität haltmachen. Sie kommen herein, manchmal als Schmerz, manchmal als Angst, manchmal als Wut, manchmal auch als Hass. Und wir hier an der LMU wissen, dass es zu wenig wäre, darauf nur mit Formeln zu antworten.“

LMU-Präsident Matthias Tschöp

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Rede von LMU-Präsident Matthias Tschöp beim Stiftungsfest der LMU (Foto: LMU/Jan Greune)

5:33 | 26.06.2026

Es gelte, die Werte einer offenen und demokratischen Gesellschaft zu schützen: „Wir dürfen Wissenschafts- und Meinungsfreiheit nicht leichtfertig preisgeben, um es nur ja immer allen recht zu machen. Aber wir dürfen auch Aktivismus und Einflussnahmen jeglicher Couleur keine Freiräume geben, der genau die Werte attackiert, die in dieser Aula vor 80 Jahren durch die Konstituierung unserer Bayerischen Verfassung geschützt werden sollten.“

Die Universität müsse ein Ort bleiben, „an dem das bessere Argument mehr gilt als die laute Parole; an dem Hass, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie, Extremismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit keinen Platz haben; und an dem zugleich die offene Frage geschützt wird, gerade wenn sie unbequem ist. Deswegen hier noch einmal ganz klar: Die LMU, die Hochschulleitung und ich persönlich – wir bekennen uns dazu, alles zu tun, was in unserer Macht steht, um diesem Anspruch immer gerecht zu werden.“

Zugleich gab Tschöp zu bedenken: „Das kann nicht immer gelingen. Größe zeigt sich auch in der Einsicht, nie fehlerfrei zu sein, vor allem aber im Willen zur Selbstkorrektur und zu der Erkenntnis, dass wir die großen Herausforderungen nicht allein lösen können.“ Mit einem Appell schloss er seine Rede: „Wir brauchen mutige Menschen mit klugem Geist und großem Herzen, um gemeinsam diese Werte, die unsere freiheitliche Gesellschaft ausmachen, jeden Tag zu leben und zu schützen. Dazu laden wir ein. Denn gemeinsam mit Ihnen allen kann es uns gelingen, dass wir die Besten werden, ohne zu vergessen, was noch wichtiger ist: dass wir zu den Guten gehören.“

Die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung im Freistaat und ganz konkret in München betonten Dominik Krause, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, und Stephanie Jacobs, Amtschefin des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, bei der Verleihung der Ehrenmedaille mit LMU-Präsident Matthias Tschöp (rechts) und Armin Nassehi, Vizepräsident für Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der LMU | © LMU/Jan Greune

Im feierlichen Rahmen des Stiftungsfests werden traditionell Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der LMU geehrt, diejenigen, die die Gesellschaft mit ihrem Erkenntnisgewinn voranbringen: der Nachwuchs – durch die Promotions- und Habilitationspreise der Münchner Universitätsgesellschaft – und erstmals auch Persönlichkeiten außerhalb der Hochschule, die sich in besonderer Weise um die LMU verdient gemacht haben – durch die Verleihung der Ehrenmedaille des Präsidenten der Ludwig-Maximilians-Universität.

Mit der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch ehrt die LMU ein Jahrhundertleben, in dem die schrecklichsten Seiten der deutschen Geschichte sich mit Hoffnung verbinden, und das die Verpflichtung für die LMU symbolisiert, sich autoritären, antidemokratischen und antisemitischen Herausforderungen zu stellen.

Herzog Franz von Bayern, einer der prominentesten Alumni, als Repräsentant der Wittelsbacher direkter Nachkomme der Universitätsgründer, hat die Anliegen der Universität in herausragender Weise unterstützt und das Ansehen der LMU weit über den akademischen Horizont hinaus gesteigert. Er erhält ebenfalls die Ehrenmedaille.

Dominik Krause, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München

Dominik Krause, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München | © LMU/Jan Greune

Die wissenschaftlichen Beiträge des Stiftungsfests spannten einen Bogen von den Anfängen des Lebens bis zu den großen Fragen des Universums: Professorin Maria Elena Torres-Padilla, Inhaberin des Lehrstuhls für Stammzellbiologie, sprach in ihrem Vortrag „How Life Begins“ über aktuelle Erkenntnisse der Entwicklungs- und Stammzellforschung. Professor Kevin Heng, Lehrstuhl für Theoretische Astrophysik Extrasolarer Planeten, widmete sich in seinem Vortrag „Exoplanets – Are We Alone?“ den Vorgängen außerhalb unseres Sonnensystems.

Auch zum Ende der Veranstaltung hinterfragte sich die LMU noch einmal kritisch: Bei dem von Caro Matzko moderierten Round Table unter dem Titel „Mehr Frauen. Mehr Wissenschaft“, widmeten sich Präsident Matthias Tschöp, die LMU-Vizepräsidentin für Diversity, Dr. Margit Weber, und Professorin Marion Subklewe von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des LMU Klinikums einem Dauerbrennerthema: warum das Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern in Führungspositionen in der Academia – und ja – auch an der LMU immer noch zu groß ist und wie das die neue Hochschulleitung ändern möchte.

Das Stiftungsfest verband damit wissenschaftliche Exzellenz, gesellschaftliche Verantwortung und den Blick auf aktuelle Zukunftsfragen – Themen, die auch die Rede des Präsidenten prägten und die Rolle der LMU als Ort freier Forschung und demokratischer Debatte unterstrichen.

Der Round Table zum Thema „Mehr Frauen. Mehr Wissenschaft“ (v.links): Moderatorin Caro Matzko, Dr. Margit Weber, LMU-Vizepräsidentin für Diversity, LMU-Präsident Matthias Tschöp und Professorin Marion Subklewe

© LMU/Jan Greune

MUG-Preise für Dissertationen und Habilitationen : Die Münchener Universitätsgesellschaft verleiht in diesem Jahr acht Förderpreise an LMU-Nachwuchsforscherinnen und -forscher für ihre herausragenden Promotions- und Habilitationsprojekte.

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