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Zwischen Tafel und Leinwand: Biologie-Studentin Tasja Hauk vereint Studium mit Filmbusiness

21.08.2026

Als Kind war Tasja Hauks Traum Schauspielerin zu werden. Heute produziert die LMU-Studentin Filme, läuft über den roten Teppich in Cannes – auch wenn das bedeutet, neben Studium, Werkstudentenjob und Produktionsfirma rund um die Uhr zu arbeiten.

Tasja Hauk studiert an der LMU Biologie - außerdem ist sie Sängerin, Schauspielerin und produziert eigene Filme | © Angela M. Schlabitz

Wenn Tasja Hauk über die Filmfestspiele in Cannes spricht, dann hört sich das an wie Hochleistungssport. Sogar die Schrittanzahl kennt die LMU-Studentin mittlerweile auswendig: 20.000 bis 30.000. Täglich. Um 6:30 Uhr klingelt der Wecker, um 7:00 Uhr startet der Verkauf für die Kinotickets, um 8:00 Uhr das erste Panel, dann ein Meeting nach dem anderen. Abends geht´s kurz zurück ins Hotel, High Heels an, Müdigkeit aus: Red Carpet, Social Media, Partys, Networking, um drei Uhr nachts ins Bett fallen, zehn Tage lang, immer wieder. “Du musst in dieser Industrie 200 Prozent geben”, sagt Hauk dazu.

Die 32-Jährige ist neben ihrem Biologie-Studium als Schauspielerin, Sängerin und Produzentin in München tätig. Dieses Jahr hat sie ihren ersten Animations-Kurzfilm “Breath of Life” mit ihrer Produktionsfirma Wintersgate Entertainment fertiggestellt und dafür nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern auch die Musik komponiert, Regie geführt und im Schnitt gearbeitet. Gerade arbeitet sie an ihrem ersten Feature-Film: Eine Buchverfilmung über einen syrischen Flüchtling, der sich wünscht in Deutschland für seine Musik bekannt zu werden – und nicht für seine Fluchtgeschichte. Nebenbei hat Hauk noch einen Werkstudentenjob, schreibt an ihrer Bachelorarbeit und kümmert sich mit ihrem Mann um zwei Hunde. “Wir sind teilweise schon am Rand des Wahnsinns hier”, sagt sie. “Aber ich bin kein Mensch, der aufgibt.” Die LMU-Studentin will es in der der Film- und Entertainment-Branche schaffen, egal wie viel Arbeit das bedeutet und egal, wie schwer dieser Weg ist. Schließlich geht es hier um ihren Kindheitstraum.

Mit fünf Jahren schreibt Hauk in ein Freundschaftsbuch, dass sie Schauspielerin werden will, mit sieben liest sie zum ersten Mal Shakespeare, mit zehn fängt sie an im Chor der bayerischen Staatsoper zu singen. Dann mit 25 arbeitet sie an ersten Filmproduktionen mit, bei “Sturm der Liebe” und “Aktenzeichen XY”. Später auch bei “Girl You Know It´s True”, dem Film von Simon Verhoeven über das Pop-Duo Milli Vanilli, hat Hauk einen kurzen Auftritt. “Ich habe gemerkt, dass ich die Arbeit einfach liebe.” Also schreibt sie nachts an Pitch-Decks, macht sich tagsüber Gedanken um forensische Anthropologie und bewirbt sich nebenbei um Akkreditierungen bei den Filmfestspielen in Cannes oder der Berlinale.

Das Studium als Inspiration

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“Vieles, was ich an der LMU gelernt habe, kommt auch in meiner Kunst wieder vor”, sagt Hauk. Zum Beispiel arbeitet die 32-Jährige gerade auch an einem Spin-Off ihrer Sci-Fi-Fantasy-Serie „Darkness & Fire“, in dem es darum geht, wie sich unsere Welt im Laufe der Zeit verändert hat, wie der Mensch sie langsam zerstört. Eine Inspiration dahinter: Der Kurs “Historische Umweltforschung” bei LMU Professorin Dr. Gisela Grupe. “Sie hat das so eindrücklich gelehrt, was wir unserer Erde tatsächlich antun und das sollte mehr Menschen bewusst werden”, sagt Hauk. Genau deshalb produziert sie Filme, schreibt Bücher, komponiert Musik: “Ich glaube, dass man mit Kunst wahnsinnig viel verändern kann in dieser Welt”, sagt die LMU-Studentin. Klar gehe das auch auf anderen Wegen. Durch Innovation, Forschung, Politik. Aber Filme und Musik, so Hauk, hätten nochmal einen ganz anderen Zugang. “Sie können Menschen stark verbinden und sie von innen heraus verändern.”

Vor zwei Jahren erlebt Hauk ihre erste Berlinale als Filmschaffende. Sie weiß noch, wie aufregend alles war, wie groß die Freude, als sie ihre Akkreditierung bekommen hat, und wie ernüchternd das Gefühl, dann wirklich vor Ort zu sein. Tagelang hat Hauk sich überlegt, wie sie an den Stand von Netflix oder Amazon Prime gehen würde, wie sie sich vorstellen, was sie wie sagen, wie sie ihre Ideen pitchen würde. “Ich war total naiv”, sagt Hauk heute. “Es gibt keinen Netflix-Stand auf der Berlinale. Die wichtigen Leute laufen ganz normal herum, und du erkennst sie halt nicht. Die Chance mit denen als Neuling in Kontakt zu kommen ist ungefähr null.”

Auch deswegen gründete Hauk im letzten Jahr ihre eigene Produktionsfirma. “Nachdem es wahnsinnig schwierig ist, irgendwas in dieser Industrie zu starten, dachte ich mir: Na gut, dann mache ich das jetzt selbst”, sagt sie. Sie holt Schauspieler und Ko-Produzentinnen an Bord, kümmert sich um die Finanzierung, schreibt Anträge. Klar sorgt eine eigene Produktionsfirma für mehr Glaubwürdigkeit in der Branche, gleichzeitig bedeutet es für Hauk: noch mehr Arbeit, noch mehr Aufopferung, noch weniger Schlaf. Wie hält man das durch? “Die Highs”, sagt Hauk. Zum Beispiel, wenn sie mal wieder in Cannes bei einem Panel steht, beim Networking in einer Gruppe von fremden Menschen und trotz der ganzen Zweifel merkt: “Ich habe mir meinen Platz genauso hart erarbeitet habe wie alle anderen. Ich gehöre hier her.”

Oder die Frauenorganisation “Yes She Cannes”, bei der Hauk mittlerweile als Creative Director fungiert, auch die gibt ihr Kraft. Als sie dort anfing, war sie eine von gerade mal 20 Frauen. Jetzt, in ihrem dritten Jahr, sind es über 100. Und: Über jede von ihnen wurde dieses Jahr ein kleiner Text im Hollywood Reporter, eine der einflussreichsten Fachzeitschriften in der US-amerikanischen Filmbranche, veröffentlicht. “Tasja Cathrin Rosé”, - Hauks Künstlername – steht da, “builds international partnerships across film and music.”

“Davon träumt man”, sagt Hauk über die Erwähnung. Und dafür lohnt es sich dann auch, weiterzumachen. Es gäbe da außerdem noch ein weiteres High, erzählt Hauk jetzt. Jedes Mal, wenn sie auf der Bühne oder vor der Kamera steht, dann spürt sie, wie ihr Herz anfängt schneller zu schlagen, wie es fast schon rast. In diesen Momenten sagt Hauk, fühle es sich an als wäre sie frisch verliebt. Als würde sie genau dort hingehören und nirgendwo anders. “Ich werde solange weitermachen, bis ich da bin, wo ich hinwill”, sagt die LMU-Studentin. Man glaubt es ihr.

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