Forschung

Wir forschen zu Bildung, Teilhabe und Technologie im Kontext geistiger Behinderung. Hier finden Sie unsere Projekte, Abschlussarbeiten und Publikationen im Überblick.

Forschungsprojekte am Lehrstuhl

Motivation
International gibt es im tertiären Bildungssektor etablierte, inklusive Standards, welche Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung aktiv einbeziehen. In den USA gibt es zahlreiche inklusive Hochschul-Programme (Grigal et al., 2024). In Europa sind viele Angebote im Netzwerk JoinIN verbunden (EASPD, 2023). Auch Ansätze der partizipativen Forschung mit Co-Forschenden gilt als Standard wissenschaftlicher Qualität (Petropoulou et al., 2025). In Deutschland gibt es dagegen bislang vor allem punktuelle Angebote wie einzelne inklusive Seminare, Zertifikatskurse oder Summerschools (Mischo et al., 2023). Hier zeigt sich eine Lücke an Integration, die strukturell verankert, institutionell abgesichert und mit Forschung verbunden werden muss.

Projektziele
Ziel des Projekts ist es, an der LMU ein bundesweit neuartiges und international anschlussfähiges Modell inklusiver Hochschulbildung, Beschäftigung und Forschung aufzubauen. Dieses Ziel soll für und mit Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung erfolgen. Dazu werden drei Säulen verbunden, die bisher getrennt organisiert sind:

  • ein modulares Bildungsprogramm an der Hochschule,
  • inklusive Lehre unter Mitwirkung von SelbstvertreterInnen,
  • partizipative Forschung zu Künstlicher Intelligenz (KI) und gesellschaftlicher Teilhabe.

Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung gestalten so Lehre, Forschung und universitäre Praxis aktiv mit. Gleichzeitig sollen rechtlich tragfähige Strukturen entstehen, damit das Modell nachhaltig wird.

Vorgehen
Das Projekt läuft in drei Phasen: Struktur- und Konzeptaufbau, Pilotierung und Reallabor sowie Konsolidierung und Transfer. Es umfasst fünf Arbeitspakete:

  1. Ein modulares Bildungsprogramm für die Teilnehmenden mit Kern-, Wahlmodulen und mehreren Praktika sowie eine zugehörige Pilotierung und Evaluation mit der ersten Kohorte.
  2. Entwicklung inklusiver Lehrformate, in denen Studierende und Programmteilnehmende gemeinsam lernen. Hinzu kommen hochschuldidaktische Workshops für Lehrende.
  3. Co-Forschende werden qualifiziert und arbeiten an partizipativen KI-Pilotprojekten in einem Forschungsinstitut mit.
  4. Die LMU bahnt die Anerkennung als anderer Leistungsanbieter (aLa) nach § 60 SGB IX vor und beantragt diese, damit Bildung und Beschäftigung sozialrechtlich abgesichert sind.
  5. Ein Social-Start-up als gemeinnützige GmbH wird vorbereitet und gegründet. Es soll weitere Drittmittel einwerben, technologische Innovationen voranbringen und Ergebnisse in die Praxis übertragen.

Projektzeitraum: 3 Jahre ([10/2026] bis vrstl. [10/2029])
Projektleitung: Prof. Dr. Peter Zentel
Projektmitarbeiter:innen: Bernhard Traulssen, Katharina Demlehner, Alexandra Ametsberger

Das Projekt wird durch die Lieselotte-Birgmeier Stiftung gefördert.

Mittels Eye-Tracking wird untersucht, wie Schüler:innen mit geistiger Behinderung Bilderbücher wahrnehmen, mit Blick auf Förderung, Diagnostik und Didaktik.

Motivation
Die kontinuierlich steigende Zahl von Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf stellt seit Jahren eine zentrale Herausforderung für das deutsche Bildungssystem dar. Besonders im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung zeigt sich ein signifikanter Anstieg der sogenannten Förderrelation: Bundesweit hat sich diese von 0,6 % im Jahr 1994 auf 1,4 % im Jahr 2022 mehr als verdoppelt (Dworschak, 2024; Klauß, 2012; Speck, 2013). In Bayern wurde in den Jahren 2023 und 2024 ein sprunghafter Zuwachs festgestellt, der sich wohl weder durch demografische Entwicklungen noch durch die bislang moderat steigenden Förderrelationen hinreichend erklären lässt.

Projektziele
Ziel des Projekts ist die empirische Analyse des sprunghaften Anstiegs der Schüler:innenzahlen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Bayern sowie möglicher Ursachen. Es wird untersucht, inwiefern veränderte diagnostische Praktiken, institutionelle Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Entwicklungen zu dieser Dynamik beitragen. Mittels quantitativer sowie qualitativer Forschung werden statistische Trends, Kohortenmerkmale sowie personen- und umweltbezogene Aspekte des Feststellungsprozesses analysiert und trianguliert.

Methodisches Vorgehen
In dem Projekt werden quantitative und qualitative Zugänge kombiniert. Es umfasst:

  1. Profunde statistische Analysen zur Entwicklung der Schüler:innenzahlen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Bayern.
  2. Repräsentative Kohortenanalysen auf Basis des SFGE-II-Instruments zur Beschreibung individueller Merkmale und Unterstützungsbedarfe.
  3. Dokumentenanalysen und ergänzende Diagnostik zur Prüfung der personenbezogenen Zuschreibungskriterien.
  4. Interviews mit Fachkräften und weiteren Stakeholdern zur Bedeutung umweltbezogener und systemischer Faktoren.
  5. Triangulation aller Daten zur Ableitung konsistenter Erklärungs- und Handlungsperspektiven.

Projektzeitraum: 09/2025 - 09/2028

Projektverantwortlich: Prof. Dr. Christoph Ratz, Prof. Dr. Wolfgang Dworschak und Prof. Dr. Zentel

Projektmitarbeiter:innen: Henrik Frisch, Waltraud Röscher und Susanne Seddigh

Das Projekt wird durch das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus gefördert.

Im Projekt SynKid erforschen wir mithilfe videobasierter Analysen, wie Eltern und Kinder in standardisierten Spielsituationen nonverbal miteinander interagieren. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen der Qualität dieser Interaktionen, dem familiären Zusammenleben und der Lebensqualität zu verstehen.

Abgeschlossene Forschungsprojekte am Lehrstuhl

Gemeinsam mit Jun.-Prof.in Dr. Laura Avemarie werden exekutive Funktionen von Kindern mit geistiger und/oder Hörbehinderung erforscht.

Was brauchen Jugendliche mit geistiger Beeinträchtigung für eine inklusive Kinder- und Jugendarbeit? Das Projekt (gefördert von der Aktion Mensch) geht dieser Frage praxisnah und subjektorientiert nach.

Im EU-Projekt Insension (Horizon 2020) wurde eine technologiegestützte responsive Umgebung geschaffen, die Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung zu mehr Selbstbestimmung und Selbstständigkeit zu verhelfen.

Der bestehende Leitfaden zur Förderdiagnostik bei Kindern mit schwerer Behinderung (Fröhlich & Haupt, 2004) wurde überarbeitet und an aktuelle Anforderungen angepasst.