Forschungsinteressen

  • Frühneuzeitliche spanische Monarchie, Krone Aragon und Katalonien
  • Politische Korruption, Antikorruption, Vigilanz und öffentliche Ämter
  • Staatsbildung, Institutionengeschichte und Verwaltungsethik
  • Suppliken, Zusammenfassungen, Epitome, Listen und dokumentarische Ketten in frühneuzeitlicher Regierungspraxis
  • Archivpraktiken, Layout, Erhaltung und Materialität administrativer Texte
  • Digital Humanities und KI-gestützte Analyse frühneuzeitlicher Verwaltungsakten

Zur Person

Ricard Torra-Prat ist Postdoktorand am Exzellenzcluster Cross-Cultural Philology der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er arbeitet im Projekt "Epitomisieren: Verknappung und Entfaltung von Texten" in Research Area B, "Praktiken in Layout, Erhaltung und Archivierung von Texten." Sein aktuelles Teilprojekt, "AIdeologized Subjects? Epitomizing political fidelity in the 17th-Century Spanish Monarchy," untersucht, wie der Consejo de Aragon in Katalonien nach dem Aufstand von 1640-1652 Suppliken, Memoriale, Consultas, Berichte und Kandidatenlisten in regierbare Textformen überführte. Im Mittelpunkt stehen die Jahre 1652 bis 1700 sowie die Frage, wie Verknappung und erneute Entfaltung von Texten politische Klassifikationen, den Zugang zu Ämtern und die Karrieren königlicher Untertanen prägten. Das Projekt verbindet close reading archivalischer Quellen mit Transkription, strukturierter Modellierung, relationalen Datenbanken und Methoden der Digital Humanities und KI.

Torra-Prat wurde 2018 an der Universitat Autònoma de Barcelona in Vergleichender, Politischer und Sozialer Geschichte promoviert. Seine Dissertation "La Visita del General de Catalunya: la institució i el seu encaix en el sistema institucional català d'època moderna (segles XV-XVIII)" wurde mit "Excel·lent Cum Laude" bewertet. Zuvor absolvierte er an derselben Universität ein Studium der Geschichte sowie einen Master in Geschichte Kataloniens. Vor seiner Tätigkeit am Cluster war er FI- und FPU-Promotionsstipendiat an der Universitat Autònoma de Barcelona, Alexander von Humboldt Postdoctoral Fellow an der LMU München, Maria-Zambrano-Postdoktorand an der Universitat Autònoma de Barcelona und Beatriu-de-Pinós-Postdoktorand an der Universitat Autònoma de Barcelona. Zudem wurde ihm eine Marie Skłodowska-Curie Actions Postdoctoral Fellowship (2025 call) für das Projekt "BELOWBLOWERS: Whistleblowers before Whistleblowing: Denouncing Corruption from below in the Seventeenth-Century Spanish Empire" bewilligt.

Seine Forschung gilt der Geschichte von Korruption, Antikorruption, öffentlichen Ämtern, Vigilanz und Staatsbildung vom späten Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit, mit besonderem Schwerpunkt auf Katalonien und der spanischen Monarchie. Er ist Autor von Anticorrupció i pactisme. La Visita del General de Catalunya (1431-1714) (Afers, 2020) und Mitherausgeber von Com sobreviure a una tesi d'Humanitats (Anem Editors, 2021), Corruption, Anti-Corruption, Vigilance, and State Building from Early to Late Modern Times (Routledge, 2024) und Del territorio al Estado. Actores y poderes locales en la construcción de la Monarquía hispánica (siglos XVI-XIX) (Comares, 2024). Seine Aufsätze erschienen unter anderem in "Social History," "Journal of Medieval Iberian Studies," "Studia Historica. Historia Moderna" und "Revista Catalana de Dret Públic." Er lehrte an der Universitat Autònoma de Barcelona und an der LMU München und stellte seine Forschung auf Konferenzen und in eingeladenen Seminaren in Spanien, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Brasilien, Italien, Romänien und Andorra vor.