Mexiko (Tlaxcala)

© State Archive of Tlaxcala (AHET)
Sprache:
Nahuatl (Aztekisch)
Herkunftsort:
Das Dokument wurde von der indigenen Gemeinschaft von Santo Toribio Xicohtzinco in Tlaxcala, Mexiko, angefertigt. Tlaxcala ist heute ein Bundesstaat östlich von Mexiko-Stadt.
Entstehungszeit:
Die Gemeinschaft gibt an, dass das Dokument im Jahr 1560 angefertigt worden sei. Wahrscheinlich entstand es jedoch erst im frühen 18. Jahrhundert, während eines Rechtsstreits mit der angrenzenden hacienda (Landgut).
Transkription: & Übersetzung:
Oben links befindet sich die Bezeichnung astatototl xicotzinco: axcatl („Reiher Xicohtzinco Eigentum“). Der Reiher repräsentiert Tlaxcala und bekräftigt die Zugehörigkeit Xicohtzinco zu diesem Gemeinwesen. Oben rechts sitzt der teu[c]tli („Herr“) Luis Xicotencatl mit einem Obsidianschwert in den Händen. Unterhalb von ihm sitzen drei indigene Adlige, darunter Lady Tecpaxohtzin Maxixcatzin (übersetzt etwa „Feuerstein-Fuß“; siehe das Fuß-Glyphenzeichen zu ihrer Rechten), die der Gemeinschaft Land geschenkt hat. Neben ihr sitzen Tlacpatecsitzin (Übersetzung unklar, möglicherweise „? Muschel“; siehe das entsprechende Glyphenzeichen) Cortés und Tlacochicahuacatzin („starke Salbeipflanze“). Auf der rechten Seite stehen die Worte huey Tlaxcalan pili („große Adlige von Tlaxcala“).
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christoph Rosenmüller
Weiterführende Informationen:

Santo Toribio Xicohtzinco führte zwischen 1680 und 1721 einen Rechtsstreit mit den Besitzern der angrenzenden hacienda (Landgut) um Land und den Zugang zur Gemeinschaft.

Im Jahr 1720 versperrte der versklavte Verwalter der hacienda die Wege zur Gemeinschaft und peitschte zwei indigene Amtsträger aus, weil sie unerlaubt das Gelände betreten hatten. Daraufhin erhob die Gemeinschaft mehrere rechtliche Ansprüche. Sie berief sich auf aus dem römischen Recht stammende Regeln zur servitus (Dienstbarkeit), die den Zugang über das Land einer anderen Person ermöglichten – in diesem Fall die Nutzung der Wege der hacienda zu Fuß.

Die Gemeinschaft legte die Dokumente außerdem vor, um die lange Geschichte des pueblo (Gemeinwesens) zu belegen, die bis in die Zeit unmittelbar nach der Eroberung Mexikos (1519–1521) zurückreicht. Die Darstellung zeigt eine Versammlung bedeutender Adliger aus Tlaxcala im Jahr 1535, die Santo Toribio Xicohtzinco Land überließen. Zu ihnen gehörte Luis Xicotencatl, der Erbe des bedeutenden Herrschers, der während der Eroberung an der Seite der spanischen Konquistadoren gegen die Azteken (Mexica) gekämpft hatte.

Als pueblo gegründet, hatte Santo Toribio Xicohtzinco rechtlich Anspruch auf etwa 420 Meter Gemeinschaftsland in jede der vier Himmelsrichtungen, darunter auch beträchtliche Flächen des hacienda-Besitzes. Dennoch wies der Besitzer der hacienda diese Ansprüche zurück. Er zeigte Belege, denen zufolge Francisca de la Cerda Xicotencatl, die Urenkelin von Luis Xicotencatl, das Land im Jahr 1606 an den Vorgänger des hacendado verkauft hatte. Damit stellte er den Status des pueblo, seiner Amtsträger, des Gemeinschaftslandes und dessen Zugangs infrage.

Der Rechtsstreit war 1721 noch nicht entschieden. Die Gemeinschaft besteht jedoch bis heute fort (unter anderem auf Grundlage von Dos códices del pueblo de Santo Toribio Xicohtzingo, hrsg. von Mercedes Meade de Angulo. Tlaxcala: Instituto Tlaxcalteca de la Cultura, 1985, sowie weiteren Quellen).

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