Schwierige Themen verschwinden nicht, wenn man ihnen ausweicht. Sie müssen wissenschaftlich bearbeitet werden.
Sechs Abende · Drei Semester
Die strittigen Themen der Gesellschaft – von Antisemitismus und Extremismus über Tierversuche und Dual Use bis zu Kl und Überwachung – kommen als Konflikte auch an der Universität an.
Diese Gesprächsreihe, kuratiert von der Hochschulleitung, wird sich mit der Frage beschäftigen, wie die Universität mit solchen Themen umgeht – wissenschaftlich und akademisch, aber auch im Spannungsfeld der Konflikte selbst.
Damit gibt die LMU auch eine Antwort auf die Frage, welchen Beitrag sie zu einer pluralen und zivilisierten Debatte in einer demokratischen Öffentlichkeit leisten kann.
- Moderation der gesamten Reihe: Dr. Marie Schoeß, Referentin des Vizepräsidenten für die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der LMU
- Ort: Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
Wintersemester 2026/27
Die Frage ist bewusst nicht in der Form gestellt, wie politisch Wissenschaft sein soll oder darf. Das wäre eine epistemologische Frage, die letztlich nur abstrakt beantwortet werden kann. Max Webers sprichwörtliches Werturteilsfreiheitspostulat nimmt deshalb auch nicht nur die wissenschaftstheoretischen Aspekte des Themas auf, sondern zeigt, wie sehr wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung immer schon innerhalb eines gesellschaftlichen Bezugsrahmens stattfindet.
Der Ort, an dem das ausgehandelt wird, ist die academia, also die Universität in ihrer empirischen Gestalt. Die akademische Welt war stets auch politisch, auch wenn von Wissenschaft erwartet wird, allein Wahrheitskriterien zu folgen, die selbst wiederum in einem historischen Kontext stehen. Der Abend wird dies nicht nur abstrakt, sondern konkret aus der Perspektive der LMU diskutieren und die titelgebende Leitfrage am Ende nicht eindeutig beantworten können – was in der Natur der Sache liegt.
Panelteilnehmende
- Prof. Dr. Armin Nassehi, Vizepräsident für Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Stellvertreter des LMU-Präsidenten (Einführung in die Reihe und Impuls des Abends)
- Prof. Dr. Matthias H. Tschöp, Präsident der LMU
- Prof. Dr. Monika Schnitzer, Lehrstuhl für Komparative Wirtschaftsforschung
- Prof. Dr. Sophia Charlotte Volk, Professorin für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Strategische Kommunikation
Es sind nicht nur die militärischen Ereignisse nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israel im Oktober 2023, die Antisemitismus zu einem zentralen Thema der öffentlichen Debatte und der politischen Auseinandersetzung gemacht haben. Vielmehr haben unterschiedliche Antisemitismen eine nachhaltige Konjunktur und kommen an der Universität sowohl als Forschungsgegenstand vor, aber auch als politische und institutionelle Herausforderung, wenn man etwa an Teile bestimmter Protestkulturen denkt. Der Abend wird sich beiden Fragen widmen: dem Antisemitismus selbst und der Frage des Umgangs der Universität mit antisemitisch imprägniertem Protest und aktivistischen Herausforderungen.
Panelteilnehmende:
- Prof. Dr. Karsten Fischer, Lehrstuhl für Politische Theorie und Antisemitismusbeauftragter der LMU (Impuls des Abends)
- Prof. Dr. Armin Nassehi, Vizepräsident für Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Stellvertreter des LMU-Präsidenten
- Prof. Dr. Reinhard Schulze, Professor em. für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie (Universität Bern)
- Prof. Dr. Mirjam Zadoff, Professorin am historischen Seminar der LMU und Direktorin des NSDokumentationszentrums
München
Panelteilnehmende:
- N.N.
Sommersemester 2027
Unter politischem Extremismus werden solche politischen Formen subsummiert, die an den Rändern des politischen Spektrums den Raum legaler oder legitimer politischer Forderungen und Handlungen verlassen haben. Der Übergang war stets fließend, und die Verständigung über sogenannte „rote Linien“ hat sich historisch verändert. Mit politischen Veränderungen in allen vergleichbaren westlichen Ländern rückt die Frage des Extremismus sogar ins Zentrum regierungspolitischen Handelns.
Wie reagiert eine Gesellschaft auf diese Herausforderung? Was lässt sich im Meinungsstreit verhandeln, und wo bedarf es rechtlicher Einschränkungen und politischer Repression? Diese Frage stellt sich im Politischen ebenso wie an der Universität. Der Abend wird hier kontroverse Fragen ausloten und sich vor allem die Frage stellen, wie die LMU sich dazu verhält.
Panelteilnehmende
- N.N.
- Dieser Abend wird sich am Beispiel mehrerer Themen mit forschungsethischen Fragen beschäftigen. Forschungsethik beschäftigt sich einerseits mit ethischen Fragen im Forschungsprozess selbst, andererseits mit den Folgen der Anwendung von Forschungsergebnissen.
- So ist etwa bei Tierversuchen das Tierwohl gegenüber dem Nutzen für den Menschen abzuwägen oder am Beispiel der Genom-Editierung die Frage zu beantworten, welche Folgen manche Technologien für das Selbstverständnis des Menschen haben.
- Medizinische Forschung wäre ohne Experimente am lebenden Menschen nicht denkbar, gerade deshalb stellen sich Fragen der Angemessenheit. Und die Dual-Use-Problematik, also die Frage der militärischen Nutzbarkeit von Forschungsergebnissen hat derzeit sogar eine geopolitische Relevanz und ist ebenso eine Abwägungsfrage für die LMU.
Panelteilnehmende:
- N.N.
Wintersemester 2027/28
- KI ist an der LMU sowohl Forschungsgegenstand als auch Forschungstool und didaktisches Hilfsmittel. Zugleich verändert KI viele gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten, insbesondere im Hinblick darauf, dass mit dieser Technologie die zuvor unproblematische Zurechnung auf die Genese von Wissen zumindest in Frage gestellt wird.
- Daraus ergeben sich erhebliche offene Fragen, die unmittelbar ins Zentrum dessen führen, was eine Universität ausmacht. Denn die universitäre Ausbildung wie auch die Forschungspraxis ist bis heute darauf angewiesen, Wissen Personen zuzurechnen, und zwar eindeutig. Das gilt für Studierende, deren Studienerfolg daran gemessen wird, was sie selbst an Wissen erzeugen bzw. wie sie dieses Wissen anwenden und verarbeiten; das gilt auch für Forschende, deren Karrieren letztlich als eine Art Zurechnungsgeschichte organisiert ist, die sich in Publikationen über die eigene Forschung rekonstruieren lässt.
- Die kulturelle Herausforderung, die in der Anwendung von KI steckt, taucht in der LMU als deutliche Infragestellung universitärer Gewohnheiten auf. Dem gilt es sich proaktiv zu stellen.
Panelteilnehmende
- N.N.
Der letzte Abend der Reihe wird noch einmal die Frage stellen, welche akademische und institutionelle Haltung eine Universität, speziell die LMU braucht, wenn sie mit Themen konfrontiert ist, die wissenschaftlich komplex, gesellschaftlich konfliktbeladen und normativ aufgeladen sind. Damit soll der letzte Abend die Gesprächsreihe auf eine noch reflexivere Ebene heben. Dem Podium gehören die Fach-Vizepräsidenten der LMU an. Die Grundfrage lautet nach wie vor: Wie kann eine Universität heute und in Zukunft ein Ort kontroverser, freier und zugleich verantwortlicher Debatten sein.
Panelteilnehmende:
- Prof. Dr. Francesca Biagini, Vizepräsidentin für Mathematik, Informatik, Statistik sowie Internationales
- Prof. Dr. Benedikt Grothe, Vizepräsident für Natur- und Lebenswissenschaften und Stellvertreter des LMU-Präsidenten
- Prof. Dr. Carola Metzner-Nebelsick, Vizepräsidentin für Geistes- und Kulturwissenschaften
- Prof. Dr. Armin Nassehi, Vizepräsident für Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Stellvertreter des LMU-Präsidenten