Forschungsarchiv
Eine Übersicht aller abgeschlossenen Forschungsprojekte am Department Kunstwissenschaften.
Eine Übersicht aller abgeschlossenen Forschungsprojekte am Department Kunstwissenschaften.
Theatermusik (DFG-Projekt)
Theatermusik gilt heute als Oberbegriff für alle Formen von Musik, die im Rahmen von Sprechtheater-Aufführungen erklingen. Dabei werden jedoch, gerade in aktuellen Formen von Theatermusik, zwei Grenzziehungen immer wieder in Frage gestellt: Zum einen ist die traditionelle Trennung zwischen Musik und Geräuscheffekt im Theater häufig nicht klar zu ziehen, zum anderen sind die Unterscheidungen von Gattungen bzw. Sparten wie Sprech-, Tanz- und Musiktheater nicht immer aufrechtzuerhalten.
Das zentrale Ziel des Projekts war es, die komplexen Wechselwirkungen zwischen diesen Formen szenischer Musik – zwischen digitalem Sound Design und leibhaftiger Bühnenpräsenz – und der Entwicklung neuer Dramaturgien und Spielformen zu analysieren. Digitalisierung und Theatralisierung werden dabei nicht als Gegensatzpaar konstruiert, sondern stellen zwei besonders augen- und ohrenfällige Tendenzen in der Praxis der Theatermusik dar, die sich in immer wieder neuen Konstellationen auf die Spielarten des Theaters insgesamt auswirken. Das Projekt soll daher einen Beitrag zur Schließung einer signifikanten Forschungslücke an der Schnittstelle von Theater- und Musikwissenschaft leisten: Es stellt eine erste eingehende Analyse zeitgenössischer theatermusikalischer Praxis im digitalen Zeitalter dar.
Kontakt
theatermusik@lrz.uni-muenchen.de
Projektleitung:
Prof. Dr. David Roesner
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Tamara Yasmin Quick
Projektblog
https://theatermus.hypotheses.org
Laufzeit
3 Jahre, ab 1. Mai 2018
Energien des Spektakels. Zur Theatralität der Elektrizität und der Elektrifizierung des Theaters, 1870-1930
Die Elektrifizierung des Theaters um 1900 ist mehr als nur die Anwendung des Scheinwerfers auf die Szene. Mit dem Einzug der Ströme und Strahlen in Bühnenhaus und Zuschauerraum verändert sich grundlegend, wie Theater gemacht und gedacht wird. Von den alltäglichen Praktiken der Theaterarbeit bis hin zu den Diskursen der Theateravantgarden wird die industriell erzeugte und ingenieursmäßig kontrollierte Elektrizität wirksam. Der künstlerische Umbruch ist daher eng mit der kulturellen Durchsetzung des Elektrokonsums verbunden und steht im Kontext der Ausweitung des Nachtlebens in den Metropolen und des Arbeitsmarktes in den Peripherien. Sein Gegenüber hat er in den spektakulären Inszenierungen von Elektroingenieuren wie Tesla und Edison, die aus einer bis zur Aufklärung und Romantik zurückreichenden Tradition elektrischer Vorführungen hervorgehen. Ästhetik und Technik verhelfen sich in den Spektakeln des fin de siècle so gegenseitig zum Erfolg und konvergieren in einer Wiederverzauberung der Welt, die die Wirklichkeit der Produktion im Zeitalter fossiler Energien aufzuheben oder zumindest zu verschleiern verspricht.
Zentraler Forschungsgegenstand ist die Untersuchung einer Verknüpfung von Elektrifizierung und Theatralkultur mit der damit einhergehenden Leitfrage nach dem Verhältnis von Technik und Ästhetik im Kontext industrieller Kultur.
Gefördert von: Volkswagen-Stiftung
Projektleitung:
Prof Dr. Ulf Otto
Mitarbeit: Miriam Höller M.A.
Kontakt: medien.twm@lrz.uni-muenchen.de
Laufzeit:
Phase 1: 01.05.2012 – 30.11.2017 (Stiftung Universität Hildesheim)
Phase 2: 01.12.2017 – 31.05.2020
Publikationen im Projekt:
Geschichte der Bayerischen Staatsoper 1933-1963
WIE MAN WIRD, WAS MAN IST –
REKONSTRUKTION EINER INSTITUTIONEN- UND INSZENIERUNGSGESCHICHTE
Im November 1963 wurde das im Krieg zerstörte und in den historischen Formen und Ausstattungen wiederaufgebaute Nationaltheater wiedereröffnet. Dieser Termin liefert den Anlass, über Kontinuitäten und Brüche der Münchner Operngeschichte, soweit sie im Nationaltheater stattfand, nachzudenken. In einem auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekt soll der Übergang von der Zeit des Dritten Reichs in die neue politische Staatsform der Bundesrepublik Deutschland respektive des Freistaats Bayern auf Kontinuitäten oder Brüche in der historischen Entwicklung hin untersucht werden.
Die Forschungen sollen auf zwei Schwerpunktthemen konzentriert werden:
Kontakt
LMU München
Institut für Theaterwissenschaft
Forschungsprojekt Nationaltheater
Dr. Rasmus Cromme / Dr. Dominik Frank / Katrin Frühinsfeld Mag. M.A.
Georgenstraße 11
80799 München
Forschungsteam: Dr. Rasmus Cromme, Dr. Dominik Frank, Prof. Dr. Christopher Balme, Prof. Dr. Jürgen Schläder
Szenographie: Episteme und ästhetische Produktivität in den Künsten der Gegenwart (DFG-Projekt)
Szenographie tritt – als Raum-Inszenierung und Raum-Produktion – im zeitgenössischen Theater sowie darüberhinaus in anderen Künsten und auch Alltagskontexten vielgestaltig auf: Das Spektrum reicht heute von Bühnenbild bzw. Theaterszenographie, Performance Design und ›Environmental Scenography‹ über Museums- und Ausstellungsszenographie sowie Film- und Medienszenographie bis hin zu ›Urban Scenography‹, Spatial Design und zu Szenographien kommerziell orientierter Events. Zeitgenössische Szenographie, so die Ausgangsthese des Projekts, ist insofern in den Blick zu nehmen, als ein Interart-Phänomen, das seine generativen Formen, Parameter und Gestaltungen auf verschiedenen Feldern entfaltet; nicht zuletzt im Zuge der sich abzeichnenden Mediatisierung fast aller Lebensbereiche sind ihre Spielarten inzwischen weitreichend und haben eine kulturelle Relevanz gewonnen, die der wissenschaftlichen Diskussion und Analyse bedarf.
Das Projekt nimmt ›Bühnenbild‹ und ›Szenographie‹ als Kunstpraxis in den Blick und fragt nach ihrem Stellenwert, ihren Erscheinungsformen und nach Ansätzen, die Bühnenbild und Szenographie als tendenziell autonome Kunstform verstehen: dies sowohl innerhalb der kollaborativen Kunstform Theater (vgl. das beispielsweise von Bert Neumann mehrfach geäußerte Postulat, auch am Theater nicht wie ein der Regie subordinierter ›Ausstatter‹, sondern vielmehr wie ein ›bildender Künstler‹ zu arbeiten). Mit diesen Neubetrachtungen des Szenographischen soll nach zu beobachtenden Ästhetiken gefragt werden sowie darüber hinaus insbesondere auch nach dem, was, mit Patrice Pavis, als ›szenographisches Wissen‹ bezeichnet werden kann.
Konzept / Projektleitung: Dr. Birgit Wiens
Wiss. Hilfskraft: Lisa Haselbauer, M.A.
Stud. Hilfskraft: Johannes Hebsacker
Intermediale Szenographie (DFG-Projekt)
Zielsetzung des Projekts ist eine Revision der theaterwissenschaftlichen Kategorie »Raum«. Im Theater sind seit einigen Jahren Raumbildungsmodelle zu beobachten, die dessen Bestimmung als Kunstform des ›Hier und Jetzt‹ überschreiten. Zu Teilen schließen sie an kritische Raum-Diskurse des 20. Jahrhunderts an, die, in Folge seiner modernen Dynamisierung sowie postmodernen ›Spatialisierung‹, essentialistische Raumauffassungen zum Bersten brachten. Hinzu kommen mediale ›Verschaltungen‹ (Wehrli, Kondek, Kaegi u.a.), die nun Raumqualitäten eines medial vermittelten ›Anderswo‹ in der Situation des ›Hier und Jetzt‹ als ästhetisches, aber auch sozial, ökonomisch und politisch relevantes Phänomen thematisieren.
Bis dato wird »Raum« in der Theaterwissenschaft als Zusammenspiel zwischen theatralem Raum (Theatergebäude), ortsspezifischem Raum (lokalem Kontext), szenischem und dramatischem Raum analysiert; nicht erfasst sind damit Phänomene von Fernräumlichkeit bzw. »Fern-Anwesenheit« (Fassler). In anderen Disziplinen hingegen (Medienwissenschaft, Soziologie, Architekturtheorie u.a.) werden ihre kulturellen Implikationen als Symptome eines »Spatial Turn« (Crang/Thrift) diskutiert; die Studie intendiert daher interdisziplinäre Anschlüsse an diesen Diskurs.
Für die Analyse intermedialer Szenographien und mediatisierter Umgebungen soll ein Modell entwickelt werden (theaterwissenschaftliche Kommunikationsraumanalyse), in Revision vorliegender semiotischer und phänomenologischer Ansätze; Hauptproblemfelder sind: Konnektivität, Wechselspiele zwischen Präsenz, Telepräsenz und Abwesenheit, Perzeption und Teleperzeption.
Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.
Konzept / Projektleitung:
Dr. Birgit Wiens
Wiss. Hilfskraft: Nora Niethammer, M.A.
Global Theatre Histories (DFG-Koselleck-Projekt)
Modernization, public spheres and transnational theatrical networks 1860-1960
The aim of this project is to investigate the emergence of theatre as a global phenomenon against the background of imperial expansion and modernization in the late 19th and 20th centuries. The project will link two previously separate scholarly debates: ›global or world history‹ and recent discussions on the emergence of a ›transnational public sphere‹. The project aims to provide a major corrective to existing theatre historiographical principles and research agendas by linking theatrical modernism (as an artistic practice) and modernization in its political, economical and institutional manifestations. The temporal coordinates of the project parallel the acceleration of colonialism and imperialism leading ultimately to political decolonization in the early 1960s and finally the end of the East-West division in 1990. The main focus will be on hitherto under-researched phenomena: theatrical trade routes facilitating the movement of theatre artists and productions; the creation of new public spheres in situations of cross-cultural contact in multiethnic metropolitan centres and the dynamics of theatrical modernization in non-Western countries.
Research project (Reinhart Koselleck Project), sponsored by the German Research Foundation DFG
Principle Investigator
Prof. Dr. Christopher Balme
Duration
60 months, April 2010 - December 2015
Sound and Movement – Interdisziplinäres Forschungszentrum für Gegenwartstheater und Neue Medien
Durch die Realität des gegenwärtigen Musiktheaters gerät die traditionelle Vorstellung von Geschichte in eine fundamentale Krise. Das Musiktheater der Gegenwart beginnt somit gerade dort, wo die traditionellen Formen, wo die unterschiedlichen Gattungsmuster ihre Grenzen erreichen.
Gegenwärtig ist weder der Klang noch die Bewegung; gegenwärtig ist vielmehr die Faszination jenes Augenblicks, in dem Klang und Bewegung, Sound and Movement verschmelzen.
Jeder Moment der Bewegung muss letztlich als ein Experiment begriffen werden, als Chance, die Möglichkeiten unseres Denkens immer wieder neu zu ergründen.
Realität ist kein Fixum; Realität ist das augenblickliche Bewusstsein, das sich im Hier und Jetzt zuallererst konstituiert.
Das Experiment
Während nach dem traditionellen Theaterverständnis Musik, Tanz, Sprechtext und Performance als klar voneinander unterscheidbare Kategorien theatraler Darstellung gelten, wird durch die experimentellen Ansätze im Neuesten Musiktheater mit einem Mal deutlich, dass die augenscheinlich differenten szenischen Ausdrucksformen sich gegenwärtig nicht länger als unterschiedliche Dimensionen des theatralen Ereignisses begreifen lassen. Vielmehr erweisen sie sich als differentielle Ausprägungen eines komplexen Phänomens, das gerade keine Hierarchisierung unterschiedlicher Darstellungsebenen zulässt, sondern im Changieren zwischen bekannten Mustern in jedem Augenblick immer wieder neue Formen annimmt.
Sound and Movement
Das im wahrsten Sinne des Wortes wesentliche Kennzeichen dieses experimentellen Musiktheaters liegt dabei in der unmittelbaren Verschränkung von Sound und Movement, mithin der unmittelbaren Überlagerung klanglicher Strukturen einerseits, die vom unspezifischen Geräusch bis zur konkreten, tonalen Komposition reichen, mit individuellen Bewegungsmustern andererseits, die sowohl in der jeweiligen Positionierung des Zuschauers als auch in der szenischen Performance den Raum im Laufe der Zeit beständig neu konfigurieren. Dementsprechend lässt sich die Einheit von Sound and Movement gerade nicht als bloße körpersprachliche Umsetzung musikalischer Formen verstehen oder aber auf eine durch die Bewegung der Körper im Raum geprägte Klangwirkung reduzieren. Vielmehr sind Klang und Bewegung hier in einer unauflöslichen Einheit verschmolzen, die in ihrer je spezifischen Form sämtliche Momente des jeweiligen theatralen Ereignisses – die Szene, den Raum, die konkrete Geschichte, die zeitliche Abfolge von Augenblicken – determiniert.
Die "zentrale" Idee
Da die klassischen Kategorien der Beschreibung mit Blick auf die experimentellen Formen des Neuesten Musiktheaters notwendig versagen, gilt es zur Erhellung seiner eigen-artigen Strukturen über die Fächergrenzen hinweg nach neuen methodischen Zugriffsmöglichkeiten zu suchen. Die Forschungsansätze innerhalb der twm einerseits, die sämtliche Bereiche der theaterwissenschaftlichen Forschung in sich vereint, und die Münchner Theaterszene andererseits, die nicht nur in den Schauspiel- und Opernhäusern, sondern auch in zahlreichen, international renommierten Festivals mit einem ungeheuer breiten Spektrum an innovativen theatralen Impulsen aufwartet, bieten hierbei freilich eine Fülle äußerst spannender Ansätze und Herausforderungen.
Ziel des Forschungszentrums ist es nun, in der neuartigen Vernetzung und spezifischen Fortschreibung aktueller wissenschaftlicher Diskurse aus dem In- und Ausland neue Ansätze für die Auseinandersetzung mit den experimentellen Formen des Neuesten Musiktheaters zu entwickeln. Zudem aber gilt es, durch jährliche internationale Symposien sowie durch individuelle Theoriediskussionen ein Netzwerk aus der gemeinsamen Arbeit und Erfahrung verschiedenster WissenschaftlerInnen zu schaffen, das aus den Kompetenzen unterschiedlichster Disziplinen und Sparten einen äußerst differenzierten Blick auf die ästhetischen Gegenstände entstehen lässt: Im Zentrum stehen somit keineswegs nur die Experimente des gegenwärtigen Theaters selbst, im Zentrum steht vielmehr auch das Experimentelle des wissenschaftlichen Zugangs sowie der mit Blick auf die ästhetischen Objekte formulierten innovativen Fragestellungen an sich.
Absolut gegenwärtig
Dem entsprechend versteht sich das Forschungszentrum weder als bloßes, praxisbegleitendes Anhängsel der aktuellen Theaterszene noch als ein Archiv moderner Theatergeschichte. In der Auseinandersetzung mit den ästhetischen und theoretischen Grundlagen neuester Kunstwerke sucht es stattdessen die Grenzen des Denkbaren durch immer neue Fragestellungen immer wieder auszuloten und sich dabei selbst immer wieder neu zu verorten: Es gilt, sich der Gegenwärtigkeit jedes Augenblicks bewusst zu werden – und das Experiment jeden Augenblick neu zu wagen!
Forschungsteam:
Bühne als Brücke
Theaterwissenschaft München/Lehrstuhl für Drama und Theater Łódź/Lehrstuhl für Germanistik Łódź
Ziel des interdisziplinären Projekts ist die Erforschung von Einflüssen politisch-gesellschaftlicher Verhältnisse auf die deutsch-polnischen Beziehungen im Bereich des Dramas und Theaters nach der politischen Wende im Jahre 1989. Ausgangsannahme des interdisziplinären Forschungsteams aus Theaterwissenschaftlern, Germanisten, Historikern, Politologen und Kulturwissenschaftlern ist die These, dass sich politisch-gesellschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern direkt und indirekt auf die künstlerisch-kulturelle Sphäre übertragen und buchstäblich am spektakulärsten im Theaterbereich sichtbar werden.
Der Schlüsselbegriff der BRÜCKE lässt sich daher auf verschiedene Ebenen des Forschungsprojekts beziehen:
Das Theater und das Drama als Brücke zwischen der gesellschaftlichen und politischen Ebene sowie breiten Rezipientenkreisen
Das polnische wie auch deutsche Theater der Gegenwart behauptet sich zwischen radikalem Regietheater und dem Autor verpflichteten Inszenierungen, Postdramatik bzw. Performance und traditioneller Form, als „moralische Anstalt“ (Friedrich Schiller), die öffentliche Themen aufgreift und kritische Bilder gegen Zustände setzt, seinen Weg und seine gesellschaftspolitische Relevanz in einer globalisierten Medienwelt. Als transitorisches Medium scheint das Theater im Vergleich zu den Massenmedien erst recht gesucht zu werden, da es sich mittels seiner medialen Spezifizitäten der Präsenz, Ereignishaftigkeit, Korporalität und Materialität gegen die Virtualität der medialen Bildwelten behauptet. Trotz starker Einflüsse der Performance auf die heutige Bühnenästhetik ist zudem der dramatische Text weiterhin der Ausgangspunkt der überwiegenden Mehrzahl der Inszenierungen. Insofern vermitteln das Theater und das Drama in ihrer eigenen medialen Spezifizität zwischen den Mentalitäten und der Öffentlichkeit als gesellschaftspolitischem Raum und den privaten Räumen, Vorstellungen und mentalen Stereotypen der Zuschauer.
Das Theater und Drama als Brücke im Rahmen des polnisch-deutschen Kulturtransfers
Die bisherige Forschung bestätigt, dass der Umbruch in den politischen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland eine grundlegende Bedeutung für die kulturelle Annäherung hatte. Dies ist besonders am Beispiel des Theaters und des Dramas sichtbar. Die nach 1945 sehr beschränkten und von den sogenannten politischen Interessen abhängigen Kulturkontakte zwischen den beiden Ländern verursachten eine weitgehende Unkenntnis und somit distanzierte Einstellung zu den künstlerischen Leistungen des jeweiligen Nachbarn, wenn man von kulturellen, weltweit einflussreichen Theaterästhetiken etwa eines Tadeusz Kantor oder Jerzy Grotowski auf der einen und der eines Bert Brecht oder Peter Stein auf der anderen Seite absieht. Hingegen konnte nach 1989 Theater und Drama als nun unzensierte Medien zum potenziellen Vermittler des interkulturellen Dialogs zwischen Polen und Deutschland werden, wiewohl es aber auch weiterhin einige Vorurteile und Stereotype evoziert und weiterträgt. Die Aufgabe des Forschungsprojektes ist es, diese ambivalente Situation zwischen neuer Verständigung, aber auch neuen Missverständnissen zu erkunden, zu reflektieren und zu diskutieren. Dabei liegt der Schwerpunkt der Forschung auf der Zeit nach 1989, wobei die Einflüsse aus der Zeit vor 1989 nicht außer Acht gelassen werden sollen.
Das Theater und Drama als Brücke im interdisziplinären Forschungsprojekt
Traditionell sind das Theater und das Drama Forschungsgegenstände der Theaterwissenschaft und Germanistik, zunehmend sind sie Teil der Kultur- und Medienwissenschaften. Über den Begriff der Theatralität und Inszenierung berühren sie jedoch auch die sozialwissenschaftlichen Disziplinen wie Soziologie und Politologie sowie die Geschichtswissenschaften. Das Forschungsprojekt greift daher einen aktuellen Trend auf und ermöglicht die Begegnung und Zusammenarbeit von Forschern unterschiedlicher Disziplinen.
Das Theater und Drama als Brücke in einem Projekt, an dem verschiedene Generationen beteiligt sind
Das Forschungsprogramm wurde als Vorhaben geplant, an dem drei Generationen beteiligt sind. Das Projekt bietet eine gemeinsame Aufgabe für Forscher mit nicht nur unterschiedlichen Forschungs-, sondern auch Generationserfahrungen und somit auch jeweils neuen Perspektiven und Fragestellungen.
Zeitraum: 12/2010 - 12/2012
Projektleitung:
Mitarbeiter:
Förderung: Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung
KONTAKT
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Theaterwissenschaft
PD Dr. Andreas Englhart
Georgenstraße 11
80799 München
Tel.. +49 89 / 2180 - 5685
E-Mail: englhart@lmu.de
Uniwersytet Łódzki
Wydział Filologiczny
Katedra Dramatu i Teatru
Prof. Dr. Małgorzata Leyko
ul. Franciszkańska 1/5
PL - 91-431 Łódź
Kultur-Macht-Identität. Eine vergleichende Untersuchung der Machtstrukturen in der Kultur am Beispiel des deutsch-und des kroatischsprachigen Theaters in Kroatien im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert genoss das Theater den Stellenwert des leitenden Massenmediums. Die internationale Verbreitung des Theaters und die Gründung unzähliger neuer Spielstätten, die in dieser Zeit erfolgten, waren mit der wirtschaftlichen Liberalisierung sowie mit dem Kolonialismus und den Migrationen aufs Engste verbunden. Die genannten Prozesse förderten transnationale Arbeitsmigrationen der Theaterkünstler:innen, die bis zu dieser Zeit in solchem Ausmaß unbekannt waren.
Dieses DFG-Forschungsprojekt untersucht das Wirken des deutschsprachigen Theaters in der Habsburger Monarchie im 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt des Interesses steht Kroatien. Das Projekt behandelt die sozio-politischen und kulturellen Hintergründe, die ein jahrhundertlanges Wirken des deutschsprachigen Theaters in Kroatien möglich machten. Am Fallbeispiel von drei kroatischen Städten – Osijek, Zagreb und Varaždin – werden einerseits die Dominanzverhältnisse sowie Wechselbeziehungen zwischen dem deutsch- und kroatischsprachigen Theater ausgelotet und andererseits der Einfluss des Theaters auf die kulturelle Identitätsstiftung behandelt.
Veröffentlichung:
https://epub.ub.uni-muenchen.de/115796/1/Weber-Kapusta_Theater_und_Identitaet.pdf
Forschungsblog
https://kmi.hypotheses.org/
Projektleitung
Dr. Danijela Weber-Kapusta
Laufzeit: 2016 - 2023
Krisengefüge der Künste (DFG-Projekt)
Die ortsverteilte DFG-Forschungsgruppe Krisengefüge der Künste untersucht die existentielle Bedrohung der öffentlich geförderten Kultureinrichtungen Deutschlands. Diese 'Krise' setzt sich aus einem Bündel unterschiedlicher Faktoren zusammen, die institutionelle Veränderungen auslösen. Um der komplexen Struktur dieses Gefüges gerecht zu werden, erprobt die Forschungsgruppe eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften. Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen verbinden ihre fachspezifischen Perspektiven auf den Forschungsgegenstand. Diese sind:
Die These ist, dass Krisendiskurse nicht nur eine destabilisierende, sondern vielmehr eine aktivierende und transformierende Funktion haben. Sind Krisendiskurse und ihre Ursachen nicht nur Symptom, sondern auch Motor der Veränderung institutioneller Blockaden und Stillstände?
Leitung der Forschungsgruppe
Prof. Dr. Christopher Balme
Projektkoordination/ Kontakt:
Dr. Rasmus Cromme und Antje Otto
Laufzeit: 2018 - 2024
Reformulierung der Antike (Bayern excellent)
Das Projekt zielt auf die Untersuchung neuer Konzepte für die Aufführung griechischer Dramen, wie sie sich im Kontext der Ausdifferenzierung einer nicht mehr allein textzentrierten Altertumswissenschaft im 19. Jh. ergeben. Im Fokus steht dabei neben der Konstruktion der Antike als »Ursprungszeit des Theaters« (Girshausen 1999) auch das Selbstverständnis der ›Konstrukteure‹, die über die Behauptung eines Neuanfangs in der Antike-Rezeption einen kulturellen Neuanfang für ihre Gegenwart proklamieren. Vor dem Hintergrund dieser Konstellation soll die diskursive und kulturhistorische Funktion des deutschen Theaters in der Mitte des 19. Jh. neu beleuchtet werden. So kann der Topos von dessen epigonalen Selbstverständnis hinterfragt werden, insbesondere die Relation von Figuren des Anfangs bzw. Anfangens und der Größe ›Tradition‹, von Kontinuität und Innovation. Die Antike-Rezeption ist auch ein Paradigma der Korrelation ästhetischer und politischer Anfangserzählungen bzw. -diskurse im 19. und beginnenden 20. Jh.: Im Konstrukt der attischen Polis, in der sich die utopische Einheit von Ästhetik, Ethik und Politik ›ursprünglich‹ verwirklicht habe, überlagert sich die moderne Faszination an kulturellen mit der an politischen Ursprungserzählungen. Folgerichtig lassen sich dann auch erstens das Antike-Bild der Jahrhundertwende in Theatertheorie und theatraler Praxis, zweitens seine Rolle für theaterästhetische und -reformerische Programme um / ab 1900 und darauf aufbauend dann auch die kulturhistorische Funktion seiner expliziten Abgrenzung bei impliziter Abhängigkeit von den Anfangskonstellationen des 19. Jahrhunderts neu beschreiben.
Leitung
Prof. Dr. Christopher Balme
Teilprojektleitung
Dr. Julia Stenzel
Wiss. Mitarbeit
Dr. Julia Stenzel
Stud. Hilfskraft
Lisa Skwirblies
Projektbezogene Publikationen
Kulturelle Inszenierung von Fremdheit im 19. Jahrhundert (DFG-Projekt)
Exotik wurde in den europäischen Großstädten des 19. Jahrhunderts Bestandteil einer populären Kultur, die der Unterhaltung und dem Vergnügen eines Massenpublikums diente. Spezielle Darstellungs- und Wahrnehmungsmuster prägten die Inszenierung des Fremden. Seit Herbst 2000 erforscht eine interdisziplinäre Forschergruppe an der Ludwig-Maximilians-Universität München Orte, Medien und Praktiken der Inszenierung von Fremdheit im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Theaterwissenschaftler, Historiker, Literaturwissenschaftler, Kunsthistoriker und Volkskundler arbeiten in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojekt zusammen. Gemeinsamer Bezugspunkt ist der Begriff der Inszenierung, der mehr meint als nur theatrale Präsentation auf der Bühne. Inszenierung wird als eine spezielle, wirkungsorientierte Repräsentationsform von kulturellen Prozessen und Einstellungen verstanden. In diesem Sinn sind auch Museen, Weltausstellungen, Theater, Tanz und Kunst Gegenstände der Untersuchungen der Forschergruppe. Das gemeinsame Arbeitsfeld ist Grundlage der Kooperation von Wissenschaftlern unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen. Durch die fächerübergreifende Zusammenarbeit soll das facettenreiche Thema der Inszenierung von Fremdheit anschlussfähig werden für eine interdisziplinäre Kulturgeschichte.
Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.
Der Topos Nacht in der Musik der Moderne / Postmoderne
Das Forschungsprojekt widmet sich dem in der Musikwissenschaft bisher kaum beachteten Topos der Nacht. Seit der Antike ist der Topos Nacht Gegenstand zahlreicher künstlerischer und philosophischer Auseinandersetzungen. An der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert rückt er jedoch ins Zentrum des künstlerisch-ästhetischen Diskurses. In der Folge entstehen zahlreiche Nacht-Werke, die neue künstlerisch-ästhetische Positionen formulieren; eine Entwicklung, die sich bis in die Gegenwart hinein verfolgen lässt. Bezeichnend ist, dass der Musik hierbei eine besondere Rolle zukommt; es ist kein Zufall, dass Friedrich Nietzsche die Musik die „Kunst der Nacht und Halbnacht“ bezeichnete. Überblickt man das Repertoire der Nacht-Kompositionen, die das 20. und 21. Jahrhundert hervorgebracht hat, so fällt nicht nur die Vielzahl der Hervorbringungen, sondern v.a. die große „Sprachen“- und Formenvielfalt auf.
Anliegen des Forschungsprojekts ist es, den Topos der Nacht in der aktuellen Musikforschung zu verankern. Erstmals soll eine repräsentative Auswahl von Nacht-Kompositionen in den Blick genommen und der Einfluss des Topos Nacht auf diese Werke untersucht werden. Ziel ist, über isolierte Einzelbetrachtungen hinauszugelangen und mit dieser erweiterten Perspektive Aussagen über das Spezifische der Nacht-Werke zu treffen. Der Fokus der analytischen Studien soll auf den kompositorischen Strategien liegen, mit denen Komponistinnen und Komponisten in andere Dimensionen der „Sprachlichkeit“ vordringen, um den Topos Nacht im künstlerischen Werk zu verankern und neue künstlerische „Aussagen“ zu formulieren. Es soll gezeigt werden, ob und in welcher Weise die Musik der Moderne / Postmoderne an die in der Romantik etablierten Gedanken- und Ideenkomplexe (1. Nacht als göttlicher/kosmischer Erfahrungsraum, 2. Nacht als Seelenraum, als Raum verborgener Geheimnisse, 3. Nacht als Quelle zum Unbewussten, zu den Träumen, 4. Nacht als Verheißung eines kommenden Zeitalters, 5. Nacht als Metapher dichterischen Sprechens, 6. Nacht als Daseinszustand, 7. Nacht als Schauplatz geisterhafter Wesen) anknüpft, wie sie ihnen neue musikalische Lesarten zuführt und sie für die Gegenwart aktualisiert. Ziel der Studie ist also, die diskursiven Kontinuitäten und Diskontinuitäten des Topos Nacht in der Musik der Moderne / Postmoderne zu beschreiben und auch eine Antwort auf die Frage zu geben, warum es gerade der Musik als der begrifffernsten aller Künste gelingt, den Ausdrucksbereich des Nächtlichen in der Moderne / Postmoderne nochmals zu erweitern.
Eine zentrale Frage, die die Analyse der Werke begleiten wird, ist die nach dem Status der der Rolle des (lyrischen) Textes. Denn wir haben es in der Mehrzahl mit Werken der Musikalischen Lyrik zu tun, bei denen der Text in der Regel nicht mehr im konventionellen Sinn vertont wird, sondern auf andere aus ausdeutende Weise in die musikalische Textur Eingang findet.
Projektleitung: Dr. phil. Ellen Freyberg
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft
Publikation: https://data.ub.uni-muenchen.de/298/
Die musikalisierten Licht-Räume der deutschen Nachkriegsavantgarde. Karlheinz Stockhausen und die Künstlergruppe ZERO
Hinter der Metapher des "musikalisierten Licht-Raums" standen für Karlheinz Stockhausen wie für die Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO konkrete künstlerische Darstellungsgrößen. Während der Komponist Stockhausen sein Musikverständnis verstärkt auf die Parameter der Räumlichkeit und Lichthaftigkeit stützte, entwarfen Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker mit ihren um die spatiale Entfaltung des Lichts kreisenden bildnerischen Kompositionen Settings, die spezifisch musikalische Strukturen unter den Vorzeichen einer transposition d'art bespiegeln. Die Tendenz zur Musikalisierung von Licht-Räumen zeigt sich im Werk Stockhausens bis hin zum Opernzyklus "LICHT" (2003) und prägt auch die nach der Auflösung der Gruppe ZERO (1958-1966) entstandenen Arbeiten Macks, Pienes und Ueckers.Diese für die deutsche Kulturgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg signifikante intertextuelle Konstellation zwischen Musik und Bildender Kunst wurde von der Forschung bislang nicht thematisiert. Das vorliegende musikwissenschaftliche Projekt behebt dieses Desiderat und nimmt erstmals eine Gegenüberstellung der Werke von Stockhausen und ZERO unter musikalischen und musikphilosophischen Gesichtspunkten vor. Sein Ziel ist einerseits die Darstellung der wechselseitigen Bezüge auf künstlerische Strukturen. So werden Serialiät, Rhythmizität und Spektralität der ZERO-Kunst in ihrer Prägung durch kompositionstechnische Codes der Musik Stockhausens untersucht und, umgekehrt, die strukturellen Verweise von Stockhausens Werken auf die "Kompositionen" von ZERO identifiziert. Neben der Analyse von musikalischen Strukturparallelen leistet das Projekt andererseits die Erforschung des für Stockhausen und ZERO charakteristischen Raumverständnisses. Die intermodalen (d.h. um die Verknüpfung von auditiven und visuellen Strukturen zirkulierenden) und immersiven Komponenten der ästhetischen Räume werden ergründet und schließlich in ihrem kunstreligiösen Gehalt historisch-kulturell in der Entstehungszeit verortet. Im Arbeitsprogramm ist zunächst eine umfangreiche Archiv- und Quellenforschung in der Stockhausen-Stiftung und der ZERO foundation vorgesehen, die die strukturelle und ästhetische Vergleichsanalyse der musikalisierten Licht-Räume von Stockhausen und ZERO vorbereitet. Um dabei die Korrespondenzen zwischen Musik und Bildender Kunst herauszuarbeiten, wird Intertextualität als Methode für eine intermediale Fragestellung fruchtbar gemacht. Als wissenschaftlicher Kooperationspartner fungiert die ZERO foundation, die im September 2017 eine kunsthistorische Forschungsinitiative zum Begriff der Struktur bei Mack, Piene und Uecker startet. Von diesem kunsthistorischen Vorhaben profitiert das kulturgeschichtlich relevante Projekt "Die musikalisierten Licht-Räume der deutschen Nachkriegsavantgarde", das die Rolle der Musik in der von den Umwälzungen des spatial und des luminous turn geprägten deutschen Nachkriegsavantgarde definiert.
Projektleitung: Dr. Magdalena Zorn
Förderung: DFG
Materialität der Musikinstrumente. Neue Ansätze einer Kulturgeschichte der Organologie
Die Forschergruppe "Die Materialität der Musikinstrumente. Neue Ansätze einer Kulturgeschichte der Organologie" um Dr. Rebecca Wolf, angesiedelt am Deutschen Museum und finanziert von der Leibniz-Gemeinschaft, startete im Mai 2016 und forscht noch bis Oktober 2020.
Das Forschungsprojekt verknüpft Musikwissenschaft, Musikinstrumentenkunde und Akustikgeschichte mit Konzepten der Material Culture Studies. Die klanglichen Dimensionen des Materials eröffnen zahlreiche Fragen und stellen dabei Anforderungen an Instrumentenbauer_innen wie Musiker_innen. Die Rolle des Materials im Prozess von Erfindungen ist ebenso Thema wie überlieferte sinnliche Erfahrungen. Ästhetische Kontexte und wissenschaftshistorische Entwicklungen seit dem späten 18. Jahrhundert bilden den theoretischen Rahmen.
Die Forschergruppe entwickelt eine kulturhistorisch ausgerichtete Organologie als verbindende Methode. Damit gehen die Neuausrichtung und Stärkung der Organologie für das Fach Musikwissenschaft in Verbindung mit ihren Nachbardisziplinen Wissenschafts- und Akustikgeschichte unter den Vorzeichen der Studien zur materiellen Kultur einher. Das sammlungsbezogene Forschungsprofil des Deutschen Museums ist ein idealer Ausgangspunkt dafür.
Kooperationspartner sind neben dem musikwissenschaftlichen Institut der LMU das Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien, das Centrum für Baustoffe und Materialprüfung der TU München und die Forschergruppe "Epistemes of Modern Acoustics" am MPI für Wissenschaftsgeschichte Berlin.
Projektleitung: Dr. Rebecca Wolf
Mitarbeiter: Leon Chisholm, Katharina Preller, Stephanie Probst, Julin Lee, Martin Rempe, Walter Chinaglia, Claudio Albrecht, Charlotte Holzer, William Bennett und Niko Plath
Laufzeit: Mai 2016 bis Oktober 2020
August Wilhelm Ambros im musikästhetischen Diskurs um 1850
Das musikästhetische Œuvre von August Wilhelm Ambros (1816–1876) stellt einen wichtigen, bislang kaum erschlossenen Beitrag zum europäischen musikästhetischen Diskurs um 1850 dar. Das vorliegende Projektvorhaben setzt sich mit Ambros’ musikästhetischen Schriften aus den 1840er und 50er Jahren, einschließlich der 1856 veröffentlichten Abhandlung Die Gränzen der Musik und Poesie. Eine Studie zur Aesthetik der Tonkunst, auseinander. Der zugrundegelegte Textkorpus umfasst überwiegend auf Deutsch verfasste Musikessays, -feuilletons und -kritiken, die Ambros nicht nur an seinem Wirkungsort Prag, sondern von dort aus auch in vielen ausländischen Periodika veröffentlichte.
Ambros’ Musikästhetik ist weniger ein in sich geschlossenes System als vielmehr ein komplexer, auf verschiedenen stilistischen Ebenen formulierter Kommentar zu den musikästhetischen Debatten seiner Zeit. Ausgehend von einer intensiven Rezeption der deutschen romantischen Musikästhetik, vor allem E. T. A. Hoffmanns, Jean Pauls und Robert Schumanns, und der romantischen Musik Mendelssohns und Schumanns befasst sich Ambros mit den neuen Erscheinungen der Musikszene seiner Zeit – Berlioz, Liszt und Wagner – und reflektiert auch die beiden ästhetischen Strömungen der Neudeutschen Schule und des Musikformalismus. Ambros musikästhetische Schriften bieten dabei die Möglichkeit einer vielschichtigen Kontextualisierung, nicht zuletzt auch hinsichtlich des umfangreichen Werkschaffens der um Ambros versammelten Prager „Davidsbündler“, vor allem Eduard Hanslicks und Franz Balthasar Ulms. In diesem Zusammenhang wird im vorliegenden Projekt die bisher zu einseitig gesehene Stellung Ambros’ als bloßem Anhänger der Inhaltsästhetik und als Antipode Hanslicks kritisch hinterfragt. Insbesondere sollen in der Diskussion von Ambros’ musikästhetischen Schriften bis 1856 allgemeine Merkmale der musikhistorischen und ästhetischen „Übergangsperiode“ vor der Eröffnung der Prager Wagner-Polemiken herausgearbeitet werden.
Projektleitung: Prof. Dr. Hartmut Schick
Mitarbeiterin: Dr. Markéta Stedronská
Laufzeit: 1. Februar 2011 bis 31. Januar 2013
Förderung: Fritz-Thyssen-Stiftung
Tschaikowsky und Frankreich
Bikulturalität auf dem Prüfstand
Laufzeit: März 2010 bis Februar 2012
Das Projekt wurde mit folgenden Publikationen abgeschlossen:
Aufsätze:
Hören, Staunen, Aneignen
Rezeption und Imagination von Musikinstrumenten aus der islamischen Welt im Westen (12.-15. Jahrhundert)
Während des gesamten Mittelalters, insbesondere im hohen und späten Mittelalter, wurde das europäische Instrumentarium um Saiten-, Blas- und Perkussionsinstrumente aus der islamischen Welt ergänzt. Diesem Prozess der Aneignung ging oft ein Staunen über die fremden und neuartigen Klänge voraus, das im Falle von kriegerischen Auseinandersetzungen auch mit Furcht und Schrecken verbunden war. Durch die Erschließung und Interpretation von Bildzeugnissen und Instrumentenkatalogen sowie die Dokumentation von Hörerfahrungen in Chroniken oder Reiseberichten soll diese Entwicklung nachvollzogen werden.
Das Forschungsprojekt „Hören, Staunen, Aneignen – Rezeption und Imagination von Musikinstrumenten aus der islamischen Welt im Westen (12.-15. Jahrhundert)“ ist ein Teilprojekt im Rahmen der interdisziplinären Nachwuchsforschergruppe „Kulturelle und religiöse Diversität in Mittelalter und Renaissance“ (Koordination Prof. Dr. Claudia Märtl, Fak. 09, und Prof. Dr. Bernhard Teuber, Fak. 13) des Zentrums für Mittelalter- und Renaissancestudien, gefördert aus Mitteln der Exzellenzinitiative (Investitionsfonds LMUexcellent).
Projektleitung: Prof. Dr. Dr. Lorenz Welker
Mitarbeiterin: Veronica Steiger M.A.
Laufzeit: 2009 bis 2011
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Humanistische Theorie der Musik im Wissenssystem ihrer Zeit: Pluralisierung eines Kunstdiskurses
Das Teilprojekt befaßt sich mit Veränderungen im Musikschrifttum des 16. Jahrhunderts, die wesentlich auf humanistische und konfessionelle Impulse zurückgehen. Die einschlägigen Texte sollen vor dem Hintergrund ihrer disziplinübergreifenden Verknüpfungen mit dem Gesamtschaffen ihrer Autoren und ihrer Einbettung in den zeitgenössischen wissenschaftlichen Diskurs untersucht werden. Gerade die konfessionsspezifisch divergente Rezeption zentraler Inhalte der Musiklehre bietet eine exemplarische Aufsicht auf Elemente der Hybridisierung im interkonfessionellen Diskurs.
Projektleitung: Dr. Inga Mai Groote
Mitarbeiter: Bernhard Kölbl M.A.
Laufzeit: 2008 bis 2011
Musik und Rätselkultur in der Renaissance
Neues Forschungsprojekt im Programm LMUexcellent, gefördert von der DFG
Das Forschungsprojekt widmet sich dem Phänomen des Rätsels in der Musik der Renaissance, vor dem Hintergrund des ästhetisch-rhetorischen Diskurses der Zeit. Es geht vor allem um Rätselkanons, deren verkürzt notierte Musik mit einer − häufig literarischen Quellen entnommenen − „rätselhaften“ Devise versehen ist und teilweise auch mit Bildern, die den Symbolgehalt verstärken. Musik, Wort und Bild müssen in einem solchen, dem Prinzip der Emblemata ähnlichen „Gesamtkunstwerk“ gemeinsam analysiert werden, um das Rätsel auslegen und lösen zu können. Auch die zeitgenössische Musiktheorie, die dem Phänomen große Aufmerksamkeit gewidmet hat, ist dabei einzubeziehen.
Ziel des Projekts ist es, die Funktionen der Rätselkanons im Oeuvre der einzelnen Komponisten, die Anforderungen, die sie an Musiker stellen, und ihre Bedeutung für ein rezipierendes Publikum herauszuarbeiten. Die Forschungen sollen in eine englischsprachige Monographie zur Theorie, Praxis und Ästhetik des Rätselkanons in der Renaissance münden und durch die Veranstaltung eines interdisziplinäres Symposium zur Rätselkultur in der Renaissance ergänzt werden.
Projektleitung: Prof. Dr. Hartmut Schick
Mitarbeiterin: Dr. Katelijne Schiltz
Laufzeit: 1. Juli 2008 bis 22. Oktober 2010
Förderung: DFG
Ein anderer Ton. Das Hofer Modell
Studie zur Untersuchung mentaler, emotionaler und sozialer Kompetenz im Zusammenhang mit musikalischer Ausbildung
Eine musikalische Ausbildung ist für Kinder der ideale Start in ein erfülltes Leben. Diese Erkenntnis ist das Fazit einer wissenschaftlichen Studie, die der international renommierte Hirnforscher Professor Dr. Ernst Pöppel mit dem Musikwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Lorenz Welker und seinem Team soeben an der Ludwig-Maximilians-Universität München abgeschlossen hat. In der Untersuchung konnte erstmals nachgewiesen werden, dass das Erlernen eines Instruments und gemeinsames Musizieren beste Voraussetzungen schaffen, damit junge Leute zu geistig und emotional ausgereiften Menschen heranwachsen. Die Studie hat auch gezeigt, dass sich bei Musikschülern das Sozialverhalten deutlich besser entwickelt als bei nicht musizierenden Altersgenossen. Aus den Ergebnissen der Untersuchung lassen sich bislang kaum beachtete Transfer-Effekte ableiten, die nicht nur dem Schul- und Erziehungssystem neue Impulse geben werden, sondern darüber hinaus auch innovative Lösungen für viele gesellschaftliche Probleme anbieten.
Initiator der Studie war das »Kulturunternehmen Hofer Symphoniker«, das in einem bundesweit einmaligen Modell - dem sogenannten Hofer Modell - seit nunmehr 30 Jahren sein professionelles Orchester mit den angeschlossenen Einrichtungen einer Musikschule, Kunstschule und Suzuki-Akademie verknüpft hat. Die Erfahrungen in diesem musikalischen Biotop, in dem über 1.000 Schüler und Erwachsene von ca. 100 Orchestermusikern und Pädagogen betreut werden, sind außerordentlich positiv. Die Früchte dieser Arbeit zeigen sich aber nicht nur in der erstklassigen musischen Ausbildung der einzelnen Teilnehmer, die selbst bei internationalen Wettbewerben Spitzenplätze belegen, sondern auch in ihren schulischen bzw. beruflichen Leistungen.
Das Forscherteam vom Humanwissenschaftlichen Zentrum der LMU setzte sich 18 Monate lang mit den Folgen der intensiven Musikausbildung auf die mentale, emotionale und soziale Kompetenz der Hofer Schüler auseinander. Dabei kamen psychologische Tests und standardisierte Messmethoden ebenso zum Einsatz wie – als bildgebendes Verfahren – die Kernspintomografie, die – bei jeweils unterschiedlichen emotionalen Musik- und Sprachreizen – neue Einblicke in das Gehirn lieferte. Aufgrund der dabei erzielten Ergebnisse ist es zum ersten Mal möglich, wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Wirkung einer intensiven Musikausbildung auf die Leistungs- und Persönlichkeitsmerkmale Heranwachsender (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Intelligenz, Leistungsmotivation, soziale Integration usw.) zu machen.
Projektleitung: Dr. Ernst Pöppel und Prof. Dr. Dr. Lorenz Welker
Links:
Laufzeit: 2007 - 2009
Fagott
Von klanglicher Vielfalt zu Uniformität. Entwicklung und Standardisierung der Holzblasinstrumente seit 1800 am Beispiel des Fagotts
Im 19. Jh. wurden alle Instrumente – und besonders die Holzblasinstrumente – tief greifend verändert: Mit einer Vielzahl technischer Lösungen reagierten Instrumentenbauer auf Forderungen der Praxis wie denen nach größerem Klangvolumen, chromatischer Spielbarkeit oder klanglicher Ausgewogenheit, und es entstanden zahlreiche lokale Traditionen wie die eines spezifischen Wiener Instrumentariums. Im späten 19. Jahrhundert setzte dann jedoch eine allmähliche Standardisierung der Holzbläser ein, in deren Verlauf das Instrumentarium sich immer mehr auf Boehm-Flöte, Boehm-Klarinette, französische Oboe mit Conservatoire-System und „Heckel-Fagott“ verengte. Eine Gegenbewegung zur „world uniformity“ im Orchesterklang (Anthony Baines) setzte erst in den letzten Jahrzehnten durch die Historische Aufführungspraxis ein, die durch Musiker ausgelöst wurde, die die Unangemessenheit dieses Instrumentariums für viele Werke der Musikgeschichte erkannten. Inzwischen wird auch Musik des mittleren und späten 19. Jh. mit zeitgenössischen Instrumenten aufgeführt, ohne dass – insbesondere im Falle des Fagotts – bisher wissenschaftlich untermauert wurde, welches konkrete Instrumentarium in dieser Zeit überhaupt zur Verfügung stand. Das Projekt, das dezidiert den Austausch mit der Musikpraxis sucht, will hierzu einen Beitrag liefern.
Um zu klären, welche Faktoren die Standardisierung der Holzblasinstrumente beeinflusst haben, muss die bisher noch lückenhafte Geschichte des Fagotts seit 1800 aufgearbeitet werden, um die Vielfalt an Bauformen, ihre jeweilige Verbreitung sowie die Möglichkeiten und Grenzen überhaupt erstmals zu erfassen. Hierzu wird eine größere Zahl an Instrumenten untersucht und dokumentiert, wobei nicht nur auf Musikinstrumentenmuseen, sondern auch auf umfangreiche Privatsammlungen zurückgegriffen werden kann, welche den Vorteil bieten, dass die Instrumente sich oft in spielbaren Zustand befinden und auch tatsächlich erprobt werden können. Die von den Instrumentenbauern erdachten Detaillösungen sollen dabei nicht bloß dokumentiert, sondern auch daraufhin untersucht werden, welche Probleme der Musikpraxis sie lösen sollten. Um die jeweiligen spieltechnischen Möglichkeiten und Besonderheiten zu rekonstruieren, müssen ergänzend geeignete Quellen aus den zahlreichen verfügbaren Schulen, Traktaten und Grifftabellen hinzugezogen werden.
Da sich der Prozess der Standardisierung durch die Untersuchung der technischen Aspekte allein noch nicht hinreichend erklären lässt, wird ein Ansatz gewählt, der Fragen des Instrumentenbaus, der Musikästhetik, der Kompositionsgeschichte und der Sozialgeschichte vereint. Überraschenderweise zeigt sich nämlich, dass die Verbreitung der verschiedenen Modelle nicht immer unmittelbar an ihre technische Entwicklung gekoppelt ist. Zu klären ist daher auch, welche Rolle einzelne Komponisten und ausführende Künstler bei der Durchsetzung bzw. Verdrängung bestimmter Instrumententypen gespielt haben. Erkenntnisziel des Projekts ist letztlich die Vertiefung der Zusammenhänge von Instrumentarium, Aufführungspraxis und Komposition.
Projektleitung: Dr. Sebastian Werr
Betreuung: Prof. Dr. Hartmut Schick
Laufzeit: September 2007 bis August 2009
Ausdruck und Ordnung – zur ästhetischen Konzeption von François Couperins Pièces de clavecin
2006 - 2008 wurde von der Thyssen-Stiftung ein Forschungsprojekt gefördert, das François Couperins vier Livres de pièces de clavecin (1713-1730) zum Gegenstand hatte. Die Studie wurde Ende 2008 abgeschlossen. Unter Einbeziehung aktueller Forschungen wurde in einer Monographie der kompositionsgeschichtliche Standort des Couperinschen Cembaloœuvres neu ausgelotet. Das musikästhetische Umfeld dient dabei als Folie für eine genaue Analyse der kompositorischen Innovationen, die Couperins Stücke auszeichnen. Einen wesentlichen Fluchtpunkt der Überlegungen bildet die Konzeption des ’ordre’: gegenüber der herrschenden These von der Auflösung der Suitenform in eine lose Folge einzelner ’Charakterstücke’ kann Couperins Streben nach einer satzübergreifenden Ordnung nachgezeichnet werden.
Projektleitung: Prof. Dr. Hartmut Schick
Mitarbeiterin: Dr. phil. Lucinde Braun
Laufzeit: 2006 - 2008
Förderung: Thyssen-Stiftung
Der Topos Nacht in der Musik der Moderne / Postmoderne
Das Forschungsprojekt widmet sich dem in der Musikwissenschaft bisher kaum beachteten Topos der Nacht. Seit der Antike ist der Topos Nacht Gegenstand zahlreicher künstlerischer und philosophischer Auseinandersetzungen. An der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert rückt er jedoch ins Zentrum des künstlerisch-ästhetischen Diskurses. In der Folge entstehen zahlreiche Nacht-Werke, die neue künstlerisch-ästhetische Positionen formulieren; eine Entwicklung, die sich bis in die Gegenwart hinein verfolgen lässt. Bezeichnend ist, dass der Musik hierbei eine besondere Rolle zukommt; es ist kein Zufall, dass Friedrich Nietzsche die Musik die „Kunst der Nacht und Halbnacht“ bezeichnete. Überblickt man das Repertoire der Nacht-Kompositionen, die das 20. und 21. Jahrhundert hervorgebracht hat, so fällt nicht nur die Vielzahl der Hervorbringungen, sondern v.a. die große „Sprachen“- und Formenvielfalt auf.
Anliegen des Forschungsprojekts ist es, den Topos der Nacht in der aktuellen Musikforschung zu verankern. Erstmals soll eine repräsentative Auswahl von Nacht-Kompositionen in den Blick genommen und der Einfluss des Topos Nacht auf diese Werke untersucht werden. Ziel ist, über isolierte Einzelbetrachtungen hinauszugelangen und mit dieser erweiterten Perspektive Aussagen über das Spezifische der Nacht-Werke zu treffen. Der Fokus der analytischen Studien soll auf den kompositorischen Strategien liegen, mit denen Komponistinnen und Komponisten in andere Dimensionen der „Sprachlichkeit“ vordringen, um den Topos Nacht im künstlerischen Werk zu verankern und neue künstlerische „Aussagen“ zu formulieren. Es soll gezeigt werden, ob und in welcher Weise die Musik der Moderne / Postmoderne an die in der Romantik etablierten Gedanken- und Ideenkomplexe (1. Nacht als göttlicher/kosmischer Erfahrungsraum, 2. Nacht als Seelenraum, als Raum verborgener Geheimnisse, 3. Nacht als Quelle zum Unbewussten, zu den Träumen, 4. Nacht als Verheißung eines kommenden Zeitalters, 5. Nacht als Metapher dichterischen Sprechens, 6. Nacht als Daseinszustand, 7. Nacht als Schauplatz geisterhafter Wesen) anknüpft, wie sie ihnen neue musikalische Lesarten zuführt und sie für die Gegenwart aktualisiert. Ziel der Studie ist also, die diskursiven Kontinuitäten und Diskontinuitäten des Topos Nacht in der Musik der Moderne / Postmoderne zu beschreiben und auch eine Antwort auf die Frage zu geben, warum es gerade der Musik als der begrifffernsten aller Künste gelingt, den Ausdrucksbereich des Nächtlichen in der Moderne / Postmoderne nochmals zu erweitern.
Eine zentrale Frage, die die Analyse der Werke begleiten wird, ist die nach dem Status der der Rolle des (lyrischen) Textes. Denn wir haben es in der Mehrzahl mit Werken der Musikalischen Lyrik zu tun, bei denen der Text in der Regel nicht mehr im konventionellen Sinn vertont wird, sondern auf andere aus ausdeutende Weise in die musikalische Textur Eingang findet.
Projektleitung: Dr. phil. Ellen Freyberg
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft
Publikation: https://data.ub.uni-muenchen.de/298/
DFG-Forschergruppe "Anfänge (in) der Moderne"
Ziel der interdisziplinären Forschergruppe ist es, Prozesse der Moderne über die Denkfigur des Anfangs neu in den Blick zu nehmen. Ihr Gegenstand sind Anfangskonstruktionen auf der Ebene von kulturellen Diskursen, Genres und Texten in den letzten drei Jahrhunderten (mit exemplarischen Ausgriffen in die Vormoderne und die Antike). Zum einen soll untersucht werden, über welche Konzepte, Semantiken und Verfahren diese Anfänge modelliert werden und welche Funktionen ihnen zukommen. Zum anderen gilt es zu klären, welche Rolle Anfangskonstruktionen im Rahmen von Selbstbeschreibungen der Moderne spielen. Die Grundlage der Kooperation zwischen den Teilprojekten der Forschergruppe bilden fünf übergreifende Problemstellungen, die Anfänge nicht nur als Verdichtungspunkte kultureller und textueller Symbolisierungen erkennbar werden lassen, sondern auch jene Spannungen sichtbar machen, an denen alle eindimensionalen Modernisierungserzählungen scheitern.
Projektleitung: Prof. Dr. Ulrich Pfisterer
Mitarbeiter: Dr. Matthias Krüger
Subversiver Frühling?
Das Projekt befasst sich mit der Vorgeschichte, den jüngsten Entwicklungen des nicht-fiktionalen arabischen Filmschaffens, bzw. des Experimental- und Dokumentarfilms vor und nach der digitalen Wende, ebenso wie mit den möglichen Wechselwirkungen zwischen alternativem, innovativem Kunstschaffen und dem momentanen gesellschaftspolitischen Wandel in der arabischen Welt. Etwas allgemeiner formuliert, geht es um die Frage nach den Möglichkeiten und Herausforderungen politischer Dissidenz in der Region und deren Verhältnis zum Begriff künstlerischer Subversion. Dabei müssen umfassendere Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und audio-visueller Kunst, sowie – etwas konkreter – künstlerische Formen, in denen sich revolutionäre und umstürzlerische Ideen in audiovisuellen Praktiken und deren Rezeption niederschlagen, ermittelt werden.
Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Pinther
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Kunstgeschichte
Zentnerstr. 31, Zi. 412
D - 80798 München
Raum: 412
Telefon: + 49 (0) 89 / 2180 - 2340
E-Mail: kerstin.pinther@lmu.de
Nachwuchsforschergruppe "Kulturelle und religiöse Diversität in Mittelalter und Renaissance"
Zentrum für Mittelalter- und Renaissancestudien (ZMR)
Seit einer Reihe von Jahren gilt das gemeinsame Forschungsinteresse der im ZMR vertretenen Fächer dem Jahrtausend von etwa 600 bis 1600, weil und insofern es in einem komplex verlaufenden Prozess der longue durée durch die Transformation der antiken Welt jene Vielfalt in politischer, religiöser und kultureller Hinsicht schuf, die nach heutiger Anschauung grundlegend für die Emergenz und Entwicklung des modernen Europa wurde. Die Vorstellung vom einheitlich "Christlichen Abendland" als der bestimmenden Formation vormoderner europäischer Kultur ist mittlerweile ad acta gelegt; an ihre Stelle ist die Erforschung von Phänomenen der Koexistenz und des Konflikts, der Integration und Desintegration, des Kulturtransfers und der Rezeption getreten. In diesem Forschungsfeld setzt der für das Verbundprojekt "Kulturelle und religiöse Diversität in Mittelalter und Renaissance" gewählte Zentralbegriff einen neuen Akzent, indem politische, sprachliche sowie kulturelle und religiöse "Diversität" nicht nur als Charakteristikum, sondern als Grundbedingung und Ferment der Entwicklung zwischen 600 und 1600 verstanden wird. Diversität im Sinne einer für die kulturelle und religiöse Dynamik dieses Zeitraums notwendigen Konstituente wird von den Mitgliedern der mit Mitteln der Exzellenzinitiative geförderten Nachwuchsforschergruppe unter verschiedenen Aspekten und mit explizit interdisziplinärer Ausrichtung untersucht.
Projektleitung: Prof. Dr. Ulrich Pfisterer
Mitarbeiterin: Pia Rudolph M.A.
Fashion & Styles in African Cities. Case Studies from Douala and Lagos
Historically "fashion" and "city" have been regarded as marginal phenomena within the African context. Only too often, the dominant view has been of Africa as a place characterized by provincialism and static artistic and textile traditions (Rovine 2009). This impression of Africa is especially bewildering, given that it has experienced a rapid development in fashion design since the 1990s, most significantly within the last decade. Today Africa is considered "fashion’s new frontier" (Jennings 2011:8). Not only are more and more designers and fashion labels successful internationally, but within Africa locally produced fashion - ranging from haute couture to prêt-à- porter to street style - is also on the rise. In addition to established fashion centers like Dakar, Abidjan, Lagos and Johannesburg, this urban trend has most recently been observed in smaller cities like Douala. With a "creative autonomy" previously unknown (Udé in Jennings 2011:7), Africa's contemporary fashion designers have oriented to Western fashion centers and have also networked within Africa and along a South-South axis. These developments represent an enduring change to the cartography of fashion and question the dominance of Western fashion centers hitherto neglected. The aim of the project is to uncover the interrelationships between fashion and urbanity using the examples of Douala and Lagos. The importance of urbanity has long been recognized in terms of the development of fashion in the Euro-American context. However, no scholarship has empirically and theoretically demonstrated the interwoven relationships between fashion worlds and urban cultures in Africa. Fashion is understood as an interface between significant spheres of contemporary culture. This starting point generates questions regarding the aesthetic and symbolic aspects of fashion and its contextualization as well as medial presentations. In keeping with a spatial turn we inquire into the specific places of fashion, its aesthetic and its site-specific forms of presentation (Oberhofer, Ndjio, Weigand). Further research speaks to the medial representation of fashion in magazines and photographs (Ugiomoh, Pinther). The goal of the project is not only to identify the historical connections of fashion centers in Cameroon and Nigeria, but also to arrive at theoretical conclusions regarding the role of Africa in the system of fashion's world cities.
Dr. Kerstin Pinther, LMU Munich in cooperation with Prof. Dr. Frank Ugiomoh (University of Port Harcourt, Nigeria) and Basile Ndjio PhD (University of Douala, Cameroon)
Senior Researcher / Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Alexandra Weigand, Dipl. Des./M.A. and Kristin Kastner, Dr.
Student Assistant: Susanna Baumgartner
Flow of Forms/ Forms of Flow
Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt Flow of Forms/ Forms of Flow fokussiert Designgeschichten zwischen Afrika und Europa. Es befasst sich mit den bislang in der Forschung vernachlässigten Auseinandersetzungen mit Designobjekten aus Afrika, ihren Techniken und gestalterischen Grundlagen. Aus einer verflechtungsgeschichtlichen Perspektive werden Formgenese (Forms) und kulturelle Wechselwirkungen (Flows) untersucht. Das Projekt schließt damit an den 'global turn' in den Kunst- und Designwissenschaften an, der die einseitige Ausrichtung der Forschung primär auf europäisches und amerikanisches Design durch eine weitere regionale Auffächerung und vor allem durch eine transkulturelle Perspektivierung korrigieren will.
Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Pinther
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Kunstgeschichte
Zentnerstr. 31
D - 80798 München
Telefon: + 49 (0) 89 / 2180 - 2340
Fax: + 49 (0) 89 / 2180 - 5316
E-Mail: kerstin.pinther@lmu.de
DFG Forschergruppe Natur
Die Forschergruppe untersucht die Darstellung und Funktionalisierung von Naturvorstellungen zur Begründung politischer Ordnungen und ihrer Geltungsansprüche. Das Forschungsprojekt ist über verschiedene Epochen und Kulturräume angelegt und führt Perspektiven aus Philosophie, Theologie, Kunstgeschichte, Geschichte, Rechtsgeschichte und Literaturwissenschaft zusammen. Sein Ziel ist es, Konzeptualisierungen von Natur in ihrer politisch-gesellschaftlichen Dimension als historischen Gegenstand neu zu konturieren.
Mitarbeiter des Instituts: Prof. Dr. Ulrich Pfisterer
Hinterglasmalerei als Technik der Klassischen Moderne 1905-1955
Das Institut für Kunstgeschichte ist beteiligt an der erfolgreichen Einwerbung eines Drittmittelprojekts zur "Hinterglasmalerei als Technik der Klassischen Moderne von 1905 – 1955". Das vom Stadtmuseum Penzberg initiierte Projekt wird ab Herbst 2015 von der VolkswagenStiftung als "Forschung im Museum" finanziert. Ausgangspunkt für das mit dem Doerner Institut und BAM Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung beantragte Vorhaben ist ein Konvolut an Hinterglasbildern Campendonks in der Sammlung des Penzberger Museums.
Die Technik der Hinterglasmalerei, also die rückwärtige Bemalung einer Glastafel, ist zumeist nur aus der Volkskunst bekannt. Durch Gabriele Münter wurde sie 1908/09 in die Gruppe von Künstlern, die später unter dem Namen "Der Blaue Reiter" mit Ausstellung und Almanach berühmt wurden, als Anregung eingebracht. Bereits 1911 hingen in der Münchner Ausstellung drei Hinterglasbilder Kandinskys, Marcs und Campendonks. Von hier aus wurde die Technik weiter verbreitet: August Macke brachte sie aus Bayern bei seiner Rückkehr in die Gruppe der Rheinischen Expressionisten ein; die Berliner Avantgardegalerie "Der Sturm" wurde zu einem weiteren Zentrum und auch am Bauhaus entstanden Hinterglasbilder. Obwohl gerade die Klassische Moderne sehr gut erforscht ist, hat sich die Kunstgeschichte bisher nicht eingehend mit dieser Werkgruppe beschäftigt, die keineswegs nur ein Randphänomen war.
Der grundsätzlich experimentelle Charakter der Hinterglasmalerei der Zeit zwischen 1905 und 1955 schuf als nicht-akademische, dem Kunsthandwerk entlehnte Technik ein Feld für individuelle künstlerische Entwicklungen. Daher eröffnet nun die interdisziplinäre Forschung von Kunsthistorikern, Restauratoren und Naturwissenschaftlern in ihren Untersuchungen der Hinterglasbilder die Chance, einen tiefgehenden Einblick in maltechnische und künstlerische Experimente zu nehmen. Auch die Wirkung neuer Pigmente und Bindemittelsysteme wurden ausprobiert. Die Farbmittelindustrie hatte nach 1900 durch neue Produkte die Palette enorm erweitert. Vor allem Teerfarbstoffe (synthetische organische Farben) mit ihren reinen, leuchtkräftigen Farbtönen, aber auch neue anorganische Pigmente fanden rasch künstlerische Verwendung. Speziell am Werk Heinrich Campendonks kann die gesamte Entwicklung dieser Hinterglasmalerei detailliert studiert werden, da er sie von 1911 bis ins Spätwerk der 50-er Jahre ausübte und sie auch als Lehrer weitergegeben hat.
ERC Project: METROMOD – Relocating Modernism. Global Metropolises, Modern Art and Exile
METROMOD proposes a rewriting of modern art history as a history of global interconnections, spurred by migration movements and rooted in cities. Revising the historiography of modern art, which still continues to be dominated by the hegemonic and normative narratives of (Western) European Modernism and ignores the significance of exile movements, METROMOD conceptualizes art history as a result of interrelations and negotiations in global contact zones, unstable flows, transformations and crises. In its analysis, the project focuses on the first half of the 20th century. During this era the modern movement emerged as a paradigm in art and architecture, and rapid urbanization took place globally; thousands of persecuted European modern artists fled their homes, re-establishing their practices in metropolises across the world. Reflecting both the geographical extent of these exile movements and their local urban impact METROMOD examines 6 key migrant destinations—the global cities of London, New York, Buenos Aires, Istanbul, Shanghai and Bombay (now Mumbai)—following three main objectives: to explore transformations in urban topographies, identifying artistic contact zones and places of transcultural art production; to investigate networks of exiled and local artists as well as collaborative projects and exhibitions; and to analyse art publications and discourse generated in centres of exile. Digital mapping will locate sites of artistic migration in the cities and demonstrate linkages between transforming metropolises and flows of people and objects around the world. The conceptual triangle of modernism, migration and the metropolis forms the foundation of an innovative comparative, interdisciplinary methodology.
Projektleitung: Prof. Dr. Burcu Dogramaci
Mitarbeiterinnen:
Projektdauer: 2017–2022
ERC Projekt: SACRIMA - “The Normativity of Sacred Images in Early Modern Europe”
“SACRIMA will study the normativity and the autonomy of art in particular in the religious field in Early Modern Europe (circa 1450-1650). Bringing together researchers trained in the history of art of different European areas as well as historians of religion, law and cultural transfer, this interdisciplinary project will break ground in two main ways. First, by questioning and developing the notion of ‘visual norm’ in a double sense: institutional norms imposed on images and autonomous visual norms. Second, by adopting a comparative approach at the crossroads of the history of art, the history of religion and law, and cultural geography.
Focusing on a comparison between five major areas that, remaining inside Catholicism, responded differently to the challenge imposed by the Reformation, the project has the following stated objectives: 1) A comparative survey of cases of contested images in the Italian peninsula and islands, France, Iberia, the Low Countries and Southern Germany. 2) An investigation of the notion of ‘visual norm’ (focusing on aspects such as styles, iconographies, reproduction and reframing) and a study of the status, the autonomy and the legal value of images. 3) An exploration of the geography of reactions to art transfer aiming at reconstructing a cross-border cartography of visual norms in Europe and the Mediterranean.”
Projektleitung: Prof. Dr. Chiara Franceschini
Mitarbeiter/Innen:
GeldKunstNetz. Rechnungsbücher der Stettin-Danziger Kaufmannbankiersfamilie Loitz als Quelle für die Wirtschafts- und Kulturgeschichte in Nord- und Ostmitteleuropa des 16. Jahrhunderts
Erstens: als Quelle für die Geschichte des Finanzwesens und Handels im südlichen Ostseeraum. Zweitens: als Datenquelle für die Computer unterstützte Rekonstruktion des sozialen Netzwerks der Loitz, unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkung dieses Netzwerks und der Geldstrategie der Loitz auf ihre Tätigkeit als Kunststifter und -vermittler. Drittens: die in den Quellen vorkommenden Waren, insbesondere Luxusgegenstände und Kunstwerke in Hinblick auf ihre Art, Herkunft, Bestimmung und ihrem Wert zu analysieren. Damit verfolgte das Projekt das Ziel, einen Beitrag zur Geschichte des Luxusgüterkonsums und zur Vorgeschichte des Kunstmarktes im Ostseeraum zu leisten und dabei die Rolle der Artefakte als Akteure in den sozialen Netzwerken zu untersuchen.
Nomadic Camera
Die in der Antragsphase befindliche Forschungsgruppe "Nomadic Camera" geht von der Hypothese aus, dass Fotografie das zentrale Medium zur Visualisierung von grenzübergreifenden Ortswechseln ist. Vor diesem Hintergrund gilt das Forschungsinteresse den komplexen Verflechtungen von Fotografie, Mobilität und Technik. "Nomadic Camera" nimmt in historischer Tiefe und bis in die Gegenwart die technischen Voraussetzungen, institutionellen Beziehungen und ästhetischen Prämissen in den Blick. Seit ihrer Einführung im frühen 19. Jahrhundert und im Zuge der technischen Entwicklungen war die Fotografie ein mobiles Medium. Die angenommene enge Verbindung von Displacements und moderner (Kamera-) Technik führt zur These, dass die Erfahrung von Fremdheit eine condition humaine der Moderne ist.
Die ortsverteilte Forschungsgruppe bündelt die Kompetenzen von Wissenschaftler:innen in Deutschland, die sich in ihren Disziplinen mit außerordentlichen Forschungsbeiträgen zum Thema hervorgetan haben. Die sieben Teilprojekte untersuchen, wie Migration, Exil und Flucht mit den technischen Innovationen dieses mobilen Mediums zusammenhängen und zeitliche, geographische und thematische Grenzen überschreiten: mit Blick auf Migrationsbewegungen im Kontext des Imperialismus und Kolonialismus sowie deren Auswirkungen im Zeitalter der Dekolonisation über die erzwungene Emigration von Fotograf:innen in der Zeit des Nationalsozialismus bis hin zu zeitgenössischen Fluchtbewegungen. Dabei werden die folgenden fotografischen Bedingungen und Praktiken befragt: Wie konturiert die Kameratechnik die Formulierung von Exil-, Migrations- und Fluchterfahrungen? Wie verändern sich ästhetische Überzeugungen, Stil und Arbeitsweise unter dem Eindruck der Ortswechsel?
Das Projekt wird untersuchen, wie sich Displacements in unterschiedlichen Genres ausdrücken und wie die Trennlinie zur Reise-, Amateur-, künstlerischen, aktivistischen, ethnologischen und Wissenschaftsfotografie zu ziehen ist.
Die Verflechtung von Fotografie und Dislozierung wird aus einer Vielzahl von Perspektiven diskutiert. Dabei besteht der methodische, theoretische und inhaltliche Rahmen aus vier miteinander verknüpften Forschungsfeldern: A) "Techniken, Technologien", B) "Körper, Agenten, Performativität", C) "Mediale Narrationen, Narrative" und D) "Zirkulation, Archive, Erinnerung". Die vielfältigen Verbindungen und Schnittstellen der Teilprojekte erlauben eine umfassende und komplexe Analyse mit einer gemeinsamen Zielsetzung: So soll ein interdisziplinäres und analytisches Instrumentarium für die theoretische, methodische und historische Erforschung von Fotografie im Kontext von Mobilität, Migration, Flucht und Exil erarbeitet werden. Damit werden neue Perspektiven auf die Fotografiegeschichte und -theorie entwickelt und zugleich die visuelle Kultur der Migration in ihren unterschiedlichen Ausdrucksformen konturiert.
Projektbeteiligte:
Kooperation:
Workshops:
Skulpturmaschinen. Wettstreit der Reproduktionstechniken 1770-1880
Machines for Reproducing Sculpture. Competition of Reproduction Techniques 1770-1880
The DFG-Project (AL 1777/2-1) takes up the late 18th- and 19th-century technologies for reproduction in the arts with a focus on sculptural objects and materiality. By examining machines developed at the height of early industrialization in Britain, France, and – to some extent – in the USA, the research assesses how the increased mechanization and automation affected the traditional craft working methods of sculptors and engravers. The case of Benjamin Cheverton (1794–1876) shows that artists worked closely together with manufacturers, scientists, and engineers to build machines that made it easier to duplicate and scale-down the size of busts or three-dimensional works of art with high precision: Machine-made small sculptures, coins, reliefs, and busts in different materials became increasingly important regarding seriality, reproduction and the capacity of mass-production in terms of their advantages and usefulness upon art. Bringing together the art object from both the fine and the mechanical arts, aspects of collecting, exhibiting, and displaying ‘replicas’ raise new questions in the context of reproduction. Given the diversity of reproductive technologies that were competitively developed in the first decades of the 19th-century, it is further necessary to add contextual depth to different processes and elaborate on the entanglements. Therefore, the study compares the mechanical process and its reductions ranging from pottery manufacturers to materials such as plaster and ivory or electrotypes with other reproduction techniques by addressing questions of the materiality and the ‘practical turn’ on the one hand, and on the other hand – when negotiating early photography – by considering recent photo-historical discourses, like for example the role of photography in British scientific societies. In addition to the artistic and engineering practices in the context of scientific techniques and the production, distribution and reception of technical knowledge, the example of sculpture machines serves to shed more light on both the migration of objects and concepts of technological expertise as well as the interrelation between artists, scientists, engineers, photographers, markets, and institutions. As a consequence, the ontological approach on the materiality of machines and objects (Simondon 1958/2012; Latour 1996) will be contextualized according to the history and sociology of science concerning the artist/engineer and the notion of machines as active agents. Against this background, it is crucial to negotiate machines for reproducing sculpture as a part of the history/histories of reproduction to position them in the interplay of art, science, and technology in the theoretical context of the discourse about art and its materiality.
Projektleitung: Dr. phil. Buket Altinoba
Nachwuchsforschergruppe "Vormoderne Objekte. Eine Archäologie der Erfahrung"
Der heutige Begriff des Objektes ist erstaunlich jung. Erst seit der 'Moderne' wird darunter etwas Materielles, räumlich Begrenztes, klar Definiertes verstanden. Mit dieser modernen Auffassung verbindet sich auch das wissenschaftliche Leitkonzept der Objektivität, das die Herausbildung der akademischen Disziplinen und ihrer Institutionen im 19. Jahrhundert begleitete. Doch wenn alle vormodernen Objekte unserer Museen erst dort zu solchen gemacht wurden, was waren sie davor?
Die Nachwuchsforschergruppe setzt sich zum Ziel, 'vormoderne' Konzeptionen des Objekthaften sowie Erfahrungen mit Objekten zu rekonstruieren. Zentral sind dabei die Wechselspiele sowohl zwischen Objekten und Bildern (Bebilderung, Abbildung) als auch zwischen Objekten und Wörtern oder Texten (Benennung, Narration). Durch die vergleichende Zusammenschau dieser unterschiedlichen Gattungen können zahllose Objektgruppen und -systeme in ihrer Spezifität und mit ihrer eigenen Geschichte hervortreten.
Projektleitung: Dr. Philippe Cordez
Förderung: Elitenetzwerk Bayern
Das digitale Bild
„Das digitale Bild” will von einem multiperspektivischen Standpunkt aus in der Zusammenführung exemplarischer Projekte die zentrale Rolle thematisieren, die dem Bild im komplexen Prozess der Digitalisierung des Wissens in Theorie und Praxis zukommt. Intendiert ist eine kritische Thematisierung und Reflexion dieser Dimension als eines tiefgreifenden epistemologischen Umbruches. Dies kann nur in einem dezidiert transdisziplinären Austausch und unter besonderer Einbeziehung auch der Informationswissenschaften erfolgen.
Es sollen Projekte aufgenommen werden, die erstens auf den Anteil des Bildes im Prozess der Digitalisierung reflektieren in der Absicht, zu einer Theorie des digitalen Bildes in der Verwendung in Kunst, Wissenschaft, Kultur beizutragen; die sich zweitens beschreibend und interpretierend dem Phänomen, den Erscheinungsformen und Praktiken des Digital Turn in seiner visuellen Dimension zuwenden, wozu z.B. auch die Beschreibung und Interpretation von Formen der bildenden Kunst im digitalen Raum gehören; und die drittens auf die Praxis der Technologien des digitalen Bildes zielen, beispielsweise die Entwicklung innovativer Formen des Einsatzes des digitalen Bildes als Medium der Erkenntnis im Umfeld der Wissenschaft betreiben.
Projektleitung:
Förderung: LMU excellent
DFG-Projekt "Geschichte der Kunstgeschichte im Nationalsozialismus"
Das Projekt Für den Zeitraum von Oktober 2004 bis Oktober 2006 kooperieren die Kunstgeschichtlichen Institute der Universitäten in Berlin (HU), Bonn, Hamburg und München miteinander im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes „Die Geschichte der Kunstgeschichte im Nationalsozialismus. Kontinuitäten und Brüche einer Wissenschaft zwischen der Weimarer Republik und der Gründungsphase beider deutscher Staaten“ unter der Leitung von Prof. Dr. Martin Warnke. Unterstützt wird die wissenschaftliche Forschung von den Mitarbeitern des Instituts für Software und Entwicklung der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Das Projekt hat die Aufgabe, eine netzbasierte Quellenedition zur Geschichte der Kunstgeschichte im Nationalsozialismus innerhalb der bereits bestehenden Digitalen Bibliothek Warburg Elektronic Library (WEL) zu entwickeln.
Erstmals soll eine umfassende und kritische Zusammenstellung der Quellen zur Geschichte des Faches Kunstgeschichte entstehen, die Grundlage für eine eingehendere Erforschung der Wissenschaftsgeschichte im Nationalsozialismus sein wird. Im Zentrum des Projektes steht jeweils die Geschichte der beteiligten Institute. Dabei sind nicht nur die verschiedenen Rollen und Funktionen der einzelnen Kunsthistoriker von Interesse, sondern auch die institutionellen Strukturen und Wissenschaftszusammenhänge, in denen sie sich bewegten.
Das Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München
Der erste kunsthistorische Lehrstuhl wurde in München nach der Jahrhundertwende eingerichtet. Kunsthistorische Interessen haben allerdings schon im 19. Jahrhundert die Geisteswissenschaften an der Münchner Universität mitgestaltet, jenseits institutioneller Bindungen sind die Grundlagen kunstgeschichtlicher Fragestellungen in München mitgelegt worden. Mit Heinrich Wölfflin wurde das Fach bis in die 1920er Jahre von einem Kunsthistoriker vertreten, der der deutschen Kunstwissenschaft bis heute andauerndes internationales Renommee erwirkte.
Drei Professoren aber haben die Münchner Kunstgeschichte für den Zeitraum der Weimarer Republik bis zum Ende der 1950er Jahre geprägt: Mit Wilhelm Pinder kam 1927 ein Hochschullehrer auf den Lehrstuhl, der das Fach eher ebenso sehr aus genialischer Intuition denn wie aus analytischem Scharfsinn heraus betrieb. Als wichtiger Verfasser der "Blauen Bücher" ist er bis heute einer der meist gelesenen Kunsthistorikerpersönlichkeiten überhaupt geblieben. Als Erforscher der deutschen Kunst, besser noch: des Deutschen in der deutschen Kunst, widmete er sich Problemen, die dem Völkischen entgegenkamen. Auch wenn Robert Suckale in einem heftig umstrittenen Beitrag Pinders nationalsozialistische Tendenz relativierte, wird man nicht umhinkönnen, die Tatsache der Berufung Pinders nach Berlin auf einen deutlich dem nationalsozialistischen Zentrum zuarbeitenden Lehrstuhl auch als politisches Bekenntnis zu werten. Die konkrete Einbindung seiner Münchner Lehrtätigkeit in die kulturellen Aktivitäten der "Hauptstadt der Bewegung" liegt aber bis heute im Dunkeln, der starke Zulauf, den seine Vorlesungen und Vorträge erfuhren, lässt seine herausragende Rolle als öffentliche Figur des Kulturlebens jedoch deutlich hervortreten.
Schwieriger zu fassen ist die Verbindung kunstgeschichtlicher Forschung mit dem Zeitgeschehen im Fall des 1935 nach München berufenen Hans Jantzen. Geprägt durch die Phänomenologie Edmund Husserls, ist Jantzen zu einem Mitbegründer der modernen Gotikforschung geworden, sein Begriff des "Diaphanen" ist bis heute Grundbestandteil jeder Architekturanalyse der gotischen Kathedrale geblieben. Versuche, wie derjenige Jutta Helds, seinen Raumbegriff mit dem der nationalsozialistischen Lebensraum-Ideologie in Zusammenhang zu bringen, bedürfen der Präzisierung. Jantzens befürwortende Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime aber ist aktenkundig. Wie dieses sich jedoch in der kunsthistorischen Alltagspraxis ausgewirkt hat, bleibt wie im Falle Pinders zu erforschen.
Noch stärker als an anderen Universitäten stellt sich in München die Frage nach der Kontinuität einer nationalsozialistisch durchdrungenen Kunstgeschichte bis in die fünfziger Jahre hinein. Die Berufung des in seiner vorherigen Wiener Zeit einschlägig notorisch gewordenen Hans Sedlmayr auf den Lehrstuhl im Jahr 1951 ist zu einem Skandalon geworden. Sein beherzter Kampf gegen die Moderne verlagerte - bei aller Scharfsinnigkeit - auf geradezu diabolische Weise die Schuldfrage und hat in München lange Zeit eine unvoreingenommene Rezeption zeitgenössischer künstlerischer Phänomene erschwert, gar verhindert.
Als Sitz der Deutschen Akademie nahm München auch für die gesamtdeutsche wissenschaftliche Kunstgeschichte eine zentrale Stellung ein. Die Ideologisierung der Kunstgeschichte an der Akademie -, Leiter der Abteilung "Deutsche bildende Kunst" war Hans Jantzen -, und ihre geisteswissenschaftlichen Publikations-Kampagnen sind nach wie vor ein kaum bearbeitetes Gebiet. Zudem war München als Standort vieler Kunstverlage ein Zentrum der Kunstpublizistik im Dritten Reich. Unternehmen wie Bruckmann oder der Neue Filser Verlag arbeiteten mit zahlreichen namhaften Kunsthistorikern zusammen, insbesondere die populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen dieser Zeit sind beträchtlich.
Projekt "Die Geschichte der Kunstgeschichte im Nationalsozialismus"
Seminar für Kunstgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin
Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Hamburg
Institut für Software und Entwicklung der Technischen Universität Hamburg-Harburg
Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn
Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Basel
Institut für Kunstgeschichte der Universität München
SFB 573 – Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit (15. bis 17. Jahrhundert)
Der Sonderforschungsbereich 573 beschäftigt sich unter den Leitbegriffen ‚Pluralität' und ‚Autorisierung' mit den Konstitutionsbedingungen der Frühen Neuzeit. Der Zeitraum zwischen 15. und 17. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch tiefgreifende Veränderungen und Neuerungen im Weltbild und im Wissenssystem (‚Pluralisierung'). Dieser Pluralisierung standen vielfältige Normierungsversuche (‚Autorität') gegenüber. In drei übergeordneten Projektbereichen wird der Frage nachgegangen, wie ‚Wissen' innerhalb der Gelehrtenkultur behandelt wurde, wie seine Inhalte strukturiert wurden und wie es pragmatische Durchsetzung fand.
Teilprojekt: Formen und Funktionen des Bildes in der Frühen Neuzeit – novità: Verwandlung des Alten – Hervorbringung des Neuen (DFG)
Im Mittelpunkt des kunsthistorischen Teilprojektes steht die Frage, wie in den Bildkünsten der Frühen Neuzeit das 'Neue' — also: Neuerfindungen auf visueller wie thematischer Ebene, Neuordnungen des Wissens durch Bilder, Neukonfigurierungen von (ästhetischen) Werten und Urteilen — in Absetzung und im Verhältnis zur Tradition entstehen konnte.
Leitung:
Mitarbeiter:
Hilfskräfte:
Teilprojekt: Wahrnehmung der Wirklichkeit - Visualisierung des Wissens. Formen und Funktionen des Bildes in der Frühen Neuzeit
Prof. Dr. Frank Büttner (Projektleiter):
Das perspektivische Bild
Das erste Teilprojekt beschäftigt sich mit der Geschichte der Perspektive vom 15. bis zum 17. Jahrhundert. Im Zentrum steht die Frage, welche Auswirkung die Entdeckung der perspektivischen Darstellung auf den neuzeitlichen Raumbegriff, die Vorstellungen vom ‚Sehen', die bildliche Wirklichkeitswiedergabe und den Bildbegriff hatten.
Dr. Gabriele Wimböck:
Visualisierung von Glaubenstatsachen im konfessionellen Zeitalter
Das zweite Teilprojekt untersucht die Rolle von Bildern als Medien visueller Kommunikation im Konfessionalisierungsprozeß des 16. Jahrhunderts. Es wird gefragt, wie sich die konfessionellen Veränderungen auf die Bilder auswirkten, wie die Bilder zur Vermittlung der alten und neuen Glaubensinhalte dienten und welche bildsprachlichen Mitteln zur Übermittlung eingesetzt wurden.
Dr. Sabine Fastert:
Wahrhaftige Abbildung der Person? Das Porträt in der deutschen und niederländischen Druckgraphik des Humanismus
Das dritte Teilprojekt widmet sich dem graphischen Porträt in der Frühen Neuzeit. Beleuchtet wird die Funktion des graphischen Porträts, das Verhältnis von Individualität und Typisierung, der Einfluß von Physiognomik, Rhetorik und Proportionslehre sowie die Rezeption der druckgraphischen Bildnisse. Geplant ist die Erstellung einer Bilddatenbank, in der sämtliche graphischen Porträts des 16. Jahrhunderts erfasst werden.
KUCO - Kunstpädagogik und Computervisualistik im Forschungsverbund. Die Entwicklung und Evaluation von Software aus kindlicher Perspektive
Institut für Kunstpädagogik In der Ära des Web 2.0 (dem Internet als „Mitmachmedium“) ist die Darstellungs- bzw. Präsentationsfreude und -bereitschaft von Kindern und Jugendlichen deutlich angestiegen. Vor allem die virtuelle Inszenierung des Selbst und die Präsentation von eigenen Bildersammlungen sind wichtige Kommunikationsformen in der aktuellen Medienlandschaft. Zentrales Anliegen des transdisziplinär und explorativ angelegten Projektes ist es, empirische Erkenntnisse zu diesen bildnerisch-ästhetischen Ausdrucksformen auf die Entwicklung und Evaluation von Software zu übertragen. Dadurch soll das medial-ästhetische und kreative (Reflexions-)Vermögen der Kinder gestärkt werden und somit die kindliche Perspektive an Bedeutung gewinnen.
Zunächst werden hermeneutisch-interpretative Methoden der Kunstpädagogik mit informatisch-bildbezogenen Methoden der Computervisualistik verbunden. Um Untersuchungsergebnisse überprüfbar zu machen, sollen erstmalig einzelne Softwaremodule auf der Basis eines Anforderungsprofils exemplarisch entwickelt werden. Diese als Forschungswerkzeuge konfigurierten Module sollen mit Grundschulkindern gemeinsam evaluiert werden, wobei qualitative und quantitative Methoden zur Anwendung kommen. Durch die neuartige Verbindung von Kunstpädagogik und Computervisualistik sollen neue Erkenntnisse zu bildnerischen Kompetenzen und geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen von Mädchen und Jungen am Computer gewonnen werden. Darüber hinaus wird sowohl ein Beitrag zur qualitativen Sozialforschung als auch zur Wirkungs- bzw. Evaluationsforschung innerhalb der beiden genannten Disziplinen angestrebt.
Projektzeitraum: 2010 bis 2013
Projektleitung: Prof. Dr. Anja Mohr
Förderung: Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)