Nachruf für Klaus A. Schneewind 19.10.1939 - 03.07.2026
08.07.2026
Die Fakultät für Psychologie und Pädagogik gedenkt seiner in Dankbarkeit, Respekt und Anerkennung.
08.07.2026
Die Fakultät für Psychologie und Pädagogik gedenkt seiner in Dankbarkeit, Respekt und Anerkennung.
Prof. Dr. Klaus A. Schneewind, geboren 1939, hat Pionierarbeit im Bereich der Familienpsychologie in Deutschland geleistet. Nach seinem Studium der Psychologie und seiner Promotion zum Dr. phil. an der Universität Erlangen-Nürnberg übernahm er zunächst 1970 die Professur für Psychologie an der Universität Trier. Sieben Jahre später wechselte er an die Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er von 1977 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 den Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie, Psychologische Diagnostik und Familienpsychologie innehatte. Der Fokus auf Familien und enge persönliche Beziehungen zieht sich durch sein Werk, das sowohl bedeutende Beiträge zur Diagnostik von Familienklima, Erziehung und Partnerschaft sowie (Beziehungs-)Persönlichkeit umfasst als auch wegweisende Arbeiten im Bereich der Längsschnittforschung zu familialer Sozialisation, Erziehung im Wandel sowie zur Lebensplanung und Familienbildung junger Paare hinterlassen hat.
Hervorzuheben sind die äußerst produktiven und vielseitigen Arbeiten zu Sozialisation und Erziehung im Kontext der Familie, die Ressourcen wie auch Schattenseiten von Familien beleuchtet haben. In diesem Rahmen ist auch der Zeit- und Generationenvergleich zum Wandel von Erziehung entstanden ist, der Veränderungen in erziehungsrelevanten Einstellungen und Praktiken von Eltern längsschnittlich über 16 Jahre hinweg verfolgt, aber auch den Vergleich zwischen den Eltern und ihren inzwischen erwachsenen Kindern einbezieht. Wegweisend war auch sein interdisziplinäres Verbundprojekt mit der Familiensoziologie an der Universität Bamberg, das die Optionen der Lebensgestaltung junger Ehen und Fragen des Kinderwunsches in den Mittelpunkt rückte. Konsequent dem sozialen Wandel folgend schloss er die Forschung zu nichtehelichen Lebensgemeinschaften an. In besonderer Weise übernahm seine Forschung zu Lebendnierenspenden im Familienkontext eine Vorreiterrolle und baute die Brücke nicht nur zwischen Teildisziplinen der Psychologie, sondern auch zur Medizin.
Die empirische Forschung von Klaus A. Schneewind, aber auch sein Überblickswerk zur Familienpsychologie waren entscheidend für die Entwicklung und Etablierung der Familienpsychologie in Deutschland. In der Lehre ist es ihm und seinem Team gelungen, sowohl die pädagogische als auch die klinische Psychologie und die Diagnostik einzubinden, so dass die Studierenden hoch praxisrelevantes Rüstzeug für ihre spätere Arbeit in Therapie oder Beratung mitnehmen konnten. Besonders praxisrelevant war auch die Entwicklung des Elternprogramms „Freiheit in Grenzen“, mit dem Klaus A. Schneewind das Konzept autoritativer Erziehung in die Praxis der Elternbildung übersetzte und für verschiedene Entwicklungsphasen der Kinder konkretisierte. Nicht zuletzt hat er sich in der Politikberatung engagiert und als langjähriges Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen am damaligen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend viele Gutachten des Beirats mitgeprägt.
Als Begründer der Familienpsychologie in Deutschland wurde Klaus A. Schneewind 2007 mit der Hugo-Münsterberg-Medaille des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen ausgezeichnet. 2013 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.
Die Fakultät für Psychologie und Pädagogik und das Department Psychologie der LMU verlieren mit Klaus A. Schneewind einen renommierten Psychologen, der Pionierarbeit für das Fach geleistet hat und sich bis ins hohe Alter der Wissenschaft gewidmet hat. Die Fakultät gedenkt seiner in Dankbarkeit, Respekt und Anerkennung.