Die Musik des Mittelalters: Taktgeber einer vergangenen Zeit
10.06.2026
Vieles am heutigen „Mittelaltersound“ ist moderne Fiktion. Musikwissenschaftlerin Irene Holzer zeigt: Musik war damals kein bloßes Hintergrundrauschen.
10.06.2026
Vieles am heutigen „Mittelaltersound“ ist moderne Fiktion. Musikwissenschaftlerin Irene Holzer zeigt: Musik war damals kein bloßes Hintergrundrauschen.
Prof. Dr. Irene Holzer mit Sänger und Lautist Joel Frederiksen im LMU Hauptgebäude. | © LMU / Manu Theobald
Noch bevor der Mittelaltermarkt sichtbar wird, ist er schon zu hören: Raue, tiefe Stimmen erklingen zwischen den Buden, irgendwo schlägt eine Trommel, ein Dudelsack setzt ein. Für einen Moment scheint die Sache klar: So muss es damals gewesen sein. Auch in Historienfilmen und Fantasy-Serien funktioniert Musik wie eine Zeitmaschine.
Doch wie viel von diesem Sound gehört wirklich ins Mittelalter und wie viel ist eine Erfindung der Neuzeit? Irene Holzer, Professorin für Musikwissenschaft an der LMU, geht dieser Frage nach. Sie hört bei typischer „Mittelaltermusik“ nicht zuerst Atmosphäre, sondern Struktur. „Ich höre eigentlich immer analytisch“, sagt sie. Gerade das hilft ihr, die musikalischen Muster aus Film, Popkultur und Mittelaltermarkt von dem zu trennen, was in den Burgen, Kirchen und Dörfern des Mittelalters tatsächlich gespielt wurde.