Abgeschlossene Forschungsprojekte
chronisch fortlaufend
chronisch fortlaufend
© Württembergische Landesbibliothek, Cod.hist.qt.298, fol. 180v
2025
Im Projekt E-LAUTE erstellen wir eine umfassende elektronische Edition von Lautentabulaturen (spezielle Notationen für Lauten) aus dem deutschsprachigen Raum zwischen 1450 und 1550. Auf Grund der heute nicht mehr verwendeten Notation ("Deutsche Lautentabulatur"), der über ganz Mitteleuropa verstreuten Aufbewahrungsorte der Manuskripte und der Mangel an ausgearbeiteten, einheitlichen Forschungsmethoden, wurde das Corpus (2.000 Seiten) in seiner Gesamtheit bisher nicht erschlossen und entschlüsselt und konnte somit nur punktuell ausgewertet werden. Es blieb daher sowohl für Wissenschaft und professionelle Musiker als auch für den weiteren Kreis von Interessierten kaum zugänglich.
Unser Ziel ist es, eine neuartige Form der Musikedition zu entwickeln: Eine "open knowledge platform", in der Musikwissenschaft, Musikpraxis, Musikinformatik und Literaturwissenschaft ineinandergreifen und herkömmliche Editionsmethoden in disziplinärer und interdisziplinärer Forschung vernetzen. Um eine umfassende moderne Gesamtedition zu gestalten, synchronisieren wir Computer-Hochtechnologie (Enkodierung, Verlinkung, Erkennung (OMR) und automatische Transkription) mit manueller Musiktranskription und musikalischer Aufführungspraxis. Als konzeptuellen Bestandteil der Edition betrachten wir Aufnahmen der Lautenmusik. Weiters werden sämtliche Komponenten mit musikhistorischen und aufführungspraktischen Informationen versehen und verlinkt. Die Edition wird dauerhaft von der Österreichischen Nationalbibliothek gehostet und in RISM integriert. Zusätzlich ermöglicht ein eigens entwickeltes Annotationstool unseren Nutzern, Kommentare, Beobachtungen und Interpretationen zu posten und damit die Werke zu co-edieren.
Das Teilprojektteam der LMU München arbeitet dabei am Pilot III -- Tabulaturnotation als Spiegelbild der Kultur des 16. Jahrhunderts. Bei diesem Pilotprojekt handelt es sich um eine musikhistorische Studie mit einem verstärkten theoretischen Ansatz im Bereich der Notation und ihrer historischen Semantik im Kontext der "cultural studies". Es wird untersucht, wie historiographische Methoden des 16. Jahrhunderts die Entstehung der Lautentabulatur und ihr zeitgenössisches Verständnis beeinflusst haben. Diese spezifische Art des Partitur-Schreibens etablierte sich, als die Historiographen begannen, die Geschichte der Menschheit in Form von Tabellen (figurae) intensiv zu erfassen. Die Sammlungen standen somit für eine neue Idee von "komprimiertem Wissen" (Steiner, 2008). Obwohl chronographische Tabellen auf den ersten Blick ganz anders aussehen als Lautentabulaturen, wird ein diskursanalytischer Ansatz zeigen, wie Tabulaturen im Allgemeinen konzipiert waren und wie sie in das "Denken in Diagrammen" der frühneuzeitlichen Kultur integriert wurden.
Exemplarisch wird in dieser Pilotstudie das Tabulaturbuch D-Mbs Ms. 1512 bearbeitet und untersucht. Das Repertoire dieser Tabulatur wird für weitere historische Diskussionen zur Lautennotation und ihrer diagrammatischen Darstellungsform (Krämer, 2016) bereitgestellt. Die Untersuchung der Texte und der Musik, die unsere Edition bietet, ermöglicht außerdem intertextuelle Bezüge zwischen D-Mbs Ms. 1512 und bekannten Quellen wie Sebastian Virdung's Musica getutscht (1511) oder Hans Newsidler's Ein Newgeordent Künstlich Lautenbuch (1536) zu verfolgen.
2022
gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
Dr. Ellen Freyberg
Das Forschungsprojekt widmet sich dem in der Musikwissenschaft bisher kaum beachteten Topos der Nacht. Seit der Antike ist der Topos Nacht Gegenstand zahlreicher künstlerischer und philosophischer Auseinandersetzungen. An der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert rückt er jedoch ins Zentrum des künstlerisch-ästhetischen Diskurses. In der Folge entstehen zahlreiche Nacht-Werke, die neue künstlerisch-ästhetische Positionen formulieren; eine Entwicklung, die sich bis in die Gegenwart hinein verfolgen lässt. Bezeichnend ist, dass der Musik hierbei eine besondere Rolle zukommt; es ist kein Zufall, dass Friedrich Nietzsche die Musik die „Kunst der Nacht und Halbnacht“ bezeichnete. Überblickt man das Repertoire der Nacht-Kompositionen, die das 20. und 21. Jahrhundert hervorgebracht hat, so fällt nicht nur die Vielzahl der Hervorbringungen, sondern v.a. die große „Sprachen“- und Formenvielfalt auf.
Anliegen des Forschungsprojekts ist es, den Topos der Nacht in der aktuellen Musikforschung zu verankern. Erstmals soll eine repräsentative Auswahl von Nacht-Kompositionen in den Blick genommen und der Einfluss des Topos Nacht auf diese Werke untersucht werden. Ziel ist, über isolierte Einzelbetrachtungen hinauszugelangen und mit dieser erweiterten Perspektive Aussagen über das Spezifische der Nacht-Werke zu treffen. Der Fokus der analytischen Studien soll auf den kompositorischen Strategien liegen, mit denen Komponistinnen und Komponisten in andere Dimensionen der „Sprachlichkeit“ vordringen, um den Topos Nacht im künstlerischen Werk zu verankern und neue künstlerische „Aussagen“ zu formulieren. Es soll gezeigt werden, ob und in welcher Weise die Musik der Moderne/Postmoderne an die in der Romantik etablierten Gedanken- und Ideenkomplexe (1. Nacht als göttlicher/kosmischer Erfahrungsraum, 2. Nacht als Seelenraum, als Raum verborgener Geheimnisse, 3. Nacht als Quelle zum Unbewussten, zu den Träumen, 4. Nacht als Verheißung eines kommenden Zeitalters, 5. Nacht als Metapher dichterischen Sprechens, 6. Nacht als Daseinszustand, 7. Nacht als Schauplatz geisterhafter Wesen) anknüpft, wie sie ihnen neue musikalische Lesarten zuführt und sie für die Gegenwart aktualisiert. Ziel der Studie ist also, die diskursiven Kontinuitäten und Diskontinuitäten des Topos Nacht in der Musik der Moderne/Postmoderne zu beschreiben und auch eine Antwort auf die Frage zu geben, warum es gerade der Musik als der begrifffernsten aller Künste gelingt, den Ausdrucksbereich des Nächtlichen in der Moderne/Postmoderne nochmals zu erweitern.
Eine zentrale Frage, die die Analyse der Werke begleiten wird, ist die nach dem Status der der Rolle des (lyrischen) Textes. Denn wir haben es in der Mehrzahl mit Werken der Musikalischen Lyrik zu tun, bei denen der Text in der Regel nicht mehr im konventionellen Sinn vertont wird, sondern auf andere aus ausdeutende Weise in die musikalische Textur Eingang findet.
Kontrabassposaune Ottensteiner, Inv1996-158 | © Deutsches Museum
Mai 2016 - Oktober 2020
Dr. Rebecca Wolf
Leon Chisholm, Katharina Preller, Stephanie Probst, Julin Lee, Martin Rempe, Walter Chinaglia, Claudio Albrecht, Charlotte Holzer, William Bennett und Niko Plath
Die Forschergruppe „Die Materialität der Musikinstrumente. Neue Ansätze einer Kulturgeschichte der Organologie“ um Dr. Rebecca Wolf, angesiedelt am Deutschen Museum und finanziert von der Leibniz-Gemeinschaft, startete im Mai 2016 und forschte bis Oktober 2020.
Das Forschungsprojekt verknüpft Musikwissenschaft, Musikinstrumentenkunde und Akustikgeschichte mit Konzepten der Material Culture Studies. Die klanglichen Dimensionen des Materials eröffnen zahlreiche Fragen und stellen dabei Anforderungen an Instrumentenbauer wie Musiker. Die Rolle des Materials im Prozess von Erfindungen ist ebenso Thema wie überlieferte sinnliche Erfahrungen. Ästhetische Kontexte und wissenschaftshistorische Entwicklungen seit dem späten 18. Jahrhundert bilden den theoretischen Rahmen.
Die Forschergruppe entwickelt eine kulturhistorisch ausgerichtete Organologie als verbindende Methode. Damit gehen die Neuausrichtung und Stärkung der Organologie für das Fach Musikwissenschaft in Verbindung mit ihren Nachbardisziplinen Wissenschafts- und Akustikgeschichte unter den Vorzeichen der Studien zur materiellen Kultur einher. Das sammlungsbezogene Forschungsprofil des Deutschen Museums ist ein idealer Ausgangspunkt dafür.
Kooperationspartner sind neben dem musikwissenschaftlichen Institut der LMU das Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien, das Centrum für Baustoffe und Materialprüfung der TU München und die Forschergruppe „Epistemes of Modern Acoustics“ am MPI für Wissenschaftsgeschichte Berlin.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Deutschen Museums.
© Antiquariat MEINDL & SULZMANN OG
Februar 2011 - Januar 2013
finanziert von der Fritz-Thyssen-Stiftung
Prof. Dr. Hartmut Schick
Dr. Markéta Stedronská
Das musikästhetische Œuvre von August Wilhelm Ambros (1816–1876) stellt einen wichtigen, bislang kaum erschlossenen Beitrag zum europäischen musikästhetischen Diskurs um 1850 dar. Das vorliegende Projektvorhaben setzt sich mit Ambros’ musikästhetischen Schriften aus den 1840er und 50er Jahren, einschließlich der 1856 veröffentlichten Abhandlung Die Gränzen der Musik und Poesie. Eine Studie zur Aesthetik der Tonkunst, auseinander. Der zugrundegelegte Textkorpus umfasst überwiegend auf Deutsch verfasste Musikessays, -feuilletons und -kritiken, die Ambros nicht nur an seinem Wirkungsort Prag, sondern von dort aus auch in vielen ausländischen Periodika veröffentlichte.
Ambros’ Musikästhetik ist weniger ein in sich geschlossenes System als vielmehr ein komplexer, auf verschiedenen stilistischen Ebenen formulierter Kommentar zu den musikästhetischen Debatten seiner Zeit. Ausgehend von einer intensiven Rezeption der deutschen romantischen Musikästhetik, vor allem E. T. A. Hoffmanns, Jean Pauls und Robert Schumanns, und der romantischen Musik Mendelssohns und Schumanns befasst sich Ambros mit den neuen Erscheinungen der Musikszene seiner Zeit – Berlioz, Liszt und Wagner – und reflektiert auch die beiden ästhetischen Strömungen der Neudeutschen Schule und des Musikformalismus. Ambros musikästhetische Schriften bieten dabei die Möglichkeit einer vielschichtigen Kontextualisierung, nicht zuletzt auch hinsichtlich des umfangreichen Werkschaffens der um Ambros versammelten Prager „Davidsbündler“, vor allem Eduard Hanslicks und Franz Balthasar Ulms. In diesem Zusammenhang wird im vorliegenden Projekt die bisher zu einseitig gesehene Stellung Ambros’ als bloßem Anhänger der Inhaltsästhetik und als Antipode Hanslicks kritisch hinterfragt. Insbesondere sollen in der Diskussion von Ambros’ musikästhetischen Schriften bis 1856 allgemeine Merkmale der musikhistorischen und ästhetischen „Übergangsperiode“ vor der Eröffnung der Prager Wagner-Polemiken herausgearbeitet werden.
© fogbird
März 2010 - Februar 2012
2009 - 2011
Prof. Dr. Dr. Lorenz Welker
Veronica Steiger M.A.
Während des gesamten Mittelalters, insbesondere im hohen und späten Mittelalter, wurde das europäische Instrumentarium um Saiten-, Blas- und Perkussionsinstrumente aus der islamischen Welt ergänzt. Diesem Prozess der Aneignung ging oft ein Staunen über die fremden und neuartigen Klänge voraus, das im Falle von kriegerischen Auseinandersetzungen auch mit Furcht und Schrecken verbunden war. Durch die Erschließung und Interpretation von Bildzeugnissen und Instrumentenkatalogen sowie die Dokumentation von Hörerfahrungen in Chroniken oder Reiseberichten soll diese Entwicklung nachvollzogen werden.
Das Forschungsprojekt „Hören, Staunen, Aneignen – Rezeption und Imagination von Musikinstrumenten aus der islamischen Welt im Westen (12.-15. Jahrhundert)“ ist ein Teilprojekt im Rahmen der interdisziplinären Nachwuchsforschergruppe „Kulturelle und religiöse Diversität in Mittelalter und Renaissance“ (Koordination Prof. Dr. Claudia Märtl, Fak. 09, und Prof. Dr. Bernhard Teuber, Fak. 13) des Zentrums für Mittelalter- und Renaissancestudien, gefördert aus Mitteln der Exzellenzinitiative (Investitionsfonds LMUexcellent).
2008 - 2011
Dr. Inga Mai Groote
Bernhard Kölbl M.A.
Das Teilprojekt befaßt sich mit Veränderungen im Musikschrifttum des 16. Jahrhunderts, die wesentlich auf humanistische und konfessionelle Impulse zurückgehen. Die einschlägigen Texte sollen vor dem Hintergrund ihrer disziplinübergreifenden Verknüpfungen mit dem Gesamtschaffen ihrer Autoren und ihrer Einbettung in den zeitgenössischen wissenschaftlichen Diskurs untersucht werden. Gerade die konfessionsspezifisch divergente Rezeption zentraler Inhalte der Musiklehre bietet eine exemplarische Aufsicht auf Elemente der Hybridisierung im interkonfessionellen Diskurs.
Ausführliche Beschreibung auf der Webseite des SFB
© Lebrecht Music Arts / Bridgeman Images
Juni 2008 - Oktober 2010
Neues Forschungsprojekt im Programm LMUexcellent, gefördert von der DFG
Prof. Dr. Hartmut Schick
Dr. Katelijne Schiltz
Das Forschungsprojekt widmet sich dem Phänomen des Rätsels in der Musik der Renaissance, vor dem Hintergrund des ästhetisch-rhetorischen Diskurses der Zeit. Es geht vor allem um Rätselkanons, deren verkürzt notierte Musik mit einer − häufig literarischen Quellen entnommenen − „rätselhaften“ Devise versehen ist und teilweise auch mit Bildern, die den Symbolgehalt verstärken. Musik, Wort und Bild müssen in einem solchen, dem Prinzip der Emblemata ähnlichen „Gesamtkunstwerk“ gemeinsam analysiert werden, um das Rätsel auslegen und lösen zu können. Auch die zeitgenössische Musiktheorie, die dem Phänomen große Aufmerksamkeit gewidmet hat, ist dabei einzubeziehen.
Ziel des Projekts ist es, die Funktionen der Rätselkanons im Oeuvre der einzelnen Komponisten, die Anforderungen, die sie an Musiker stellen, und ihre Bedeutung für ein rezipierendes Publikum herauszuarbeiten. Die Forschungen sollen in eine englischsprachige Monographie zur Theorie, Praxis und Ästhetik des Rätselkanons in der Renaissance münden und durch die Veranstaltung eines interdisziplinäres Symposium zur Rätselkultur in der Renaissance ergänzt werden.
© Sayfar
September 2007 - August 2009
Dr. Sebastian Werr
Prof. Dr. Hartmut Schick
Im 19. Jhdt. wurden alle Instrumente – und besonders die Holzblasinstrumente – tief greifend verändert: Mit einer Vielzahl technischer Lösungen reagierten Instrumentenbauer auf Forderungen der Praxis wie denen nach größerem Klangvolumen, chromatischer Spielbarkeit oder klanglicher Ausgewogenheit, und es entstanden zahlreiche lokale Traditionen wie die eines spezifischen Wiener Instrumentariums. Im späten 19. Jahrhundert setzte dann jedoch eine allmähliche Standardisierung der Holzbläser ein, in deren Verlauf das Instrumentarium sich immer mehr auf Boehm-Flöte, Boehm-Klarinette, französische Oboe mit Conservatoire-System und „Heckel-Fagott“ verengte. Eine Gegenbewegung zur „world uniformity“ im Orchesterklang (Anthony Baines) setzte erst in den letzten Jahrzehnten durch die Historische Aufführungspraxis ein, die durch Musiker ausgelöst wurde, die die Unangemessenheit dieses Instrumentariums für viele Werke der Musikgeschichte erkannten. Inzwischen wird auch Musik des mittleren und späten 19. Jh. mit zeitgenössischen Instrumenten aufgeführt, ohne dass – insbesondere im Falle des Fagotts – bisher wissenschaftlich untermauert wurde, welches konkrete Instrumentarium in dieser Zeit überhaupt zur Verfügung stand. Das Projekt, das dezidiert den Austausch mit der Musikpraxis sucht, will hierzu einen Beitrag liefern.
Um zu klären, welche Faktoren die Standardisierung der Holzblasinstrumente beeinflusst haben, muss die bisher noch lückenhafte Geschichte des Fagotts seit 1800 aufgearbeitet werden, um die Vielfalt an Bauformen, ihre jeweilige Verbreitung sowie die Möglichkeiten und Grenzen überhaupt erstmals zu erfassen. Hierzu wird eine größere Zahl an Instrumenten untersucht und dokumentiert, wobei nicht nur auf Musikinstrumentenmuseen, sondern auch auf umfangreiche Privatsammlungen zurückgegriffen werden kann, welche den Vorteil bieten, dass die Instrumente sich oft in spielbaren Zustand befinden und auch tatsächlich erprobt werden können. Die von den Instrumentenbauern erdachten Detaillösungen sollen dabei nicht bloß dokumentiert, sondern auch daraufhin untersucht werden, welche Probleme der Musikpraxis sie lösen sollten. Um die jeweiligen spieltechnischen Möglichkeiten und Besonderheiten zu rekonstruieren, müssen ergänzend geeignete Quellen aus den zahlreichen verfügbaren Schulen, Traktaten und Grifftabellen hinzugezogen werden.
Da sich der Prozess der Standardisierung durch die Untersuchung der technischen Aspekte allein noch nicht hinreichend erklären lässt, wird ein Ansatz gewählt, der Fragen des Instrumentenbaus, der Musikästhetik, der Kompositionsgeschichte und der Sozialgeschichte vereint. Überraschenderweise zeigt sich nämlich, dass die Verbreitung der verschiedenen Modelle nicht immer unmittelbar an ihre technische Entwicklung gekoppelt ist. Zu klären ist daher auch, welche Rolle einzelne Komponisten und ausführende Künstler bei der Durchsetzung bzw. Verdrängung bestimmter Instrumententypen gespielt haben. Erkenntnisziel des Projekts ist letztlich die Vertiefung der Zusammenhänge von Instrumentarium, Aufführungspraxis und Komposition.
© Nur
2007 - 2009
Dr. Ernst Pöppel und Prof. Dr. Dr. Lorenz Welker
Eine musikalische Ausbildung ist für Kinder der ideale Start in ein erfülltes Leben. Diese Erkenntnis ist das Fazit einer wissenschaftlichen Studie, die der international renommierte Hirnforscher Professor Dr. Ernst Pöppel mit dem Musikwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Lorenz Welker und seinem Team soeben an der Ludwig-Maximilians-Universität München abgeschlossen hat. In der Untersuchung konnte erstmals nachgewiesen werden, dass das Erlernen eines Instruments und gemeinsames Musizieren beste Voraussetzungen schaffen, damit junge Leute zu geistig und emotional ausgereiften Menschen heranwachsen. Die Studie hat auch gezeigt, dass sich bei Musikschülern das Sozialverhalten deutlich besser entwickelt als bei nicht musizierenden Altersgenossen. Aus den Ergebnissen der Untersuchung lassen sich bislang kaum beachtete Transfer-Effekte ableiten, die nicht nur dem Schul- und Erziehungssystem neue Impulse geben werden, sondern darüber hinaus auch innovative Lösungen für viele gesellschaftliche Probleme anbieten.
Initiator der Studie war das „Kulturunternehmen Hofer Symphoniker“, das in einem bundesweit einmaligen Modell - dem sogenannten Hofer Modell - seit nunmehr 30 Jahren sein professionelles Orchester mit den angeschlossenen Einrichtungen einer Musikschule, Kunstschule und Suzuki-Akademie verknüpft hat. Die Erfahrungen in diesem musikalischen Biotop, in dem über 1.000 Schüler und Erwachsene von ca. 100 Orchestermusikern und Pädagogen betreut werden, sind außerordentlich positiv. Die Früchte dieser Arbeit zeigen sich aber nicht nur in der erstklassigen musischen Ausbildung der einzelnen Teilnehmer, die selbst bei internationalen Wettbewerben Spitzenplätze belegen, sondern auch in ihren schulischen bzw. beruflichen Leistungen.
Das Forscherteam vom Humanwissenschaftlichen Zentrum der LMU setzte sich 18 Monate lang mit den Folgen der intensiven Musikausbildung auf die mentale, emotionale und soziale Kompetenz der Hofer Schüler auseinander. Dabei kamen psychologische Tests und standardisierte Messmethoden ebenso zum Einsatz wie – als bildgebendes Verfahren – die Kernspintomografie, die – bei jeweils unterschiedlichen emotionalen Musik- und Sprachreizen – neue Einblicke in das Gehirn lieferte. Aufgrund der dabei erzielten Ergebnisse ist es zum ersten Mal möglich, wissenschaftlich fundierte Aussagen über die Wirkung einer intensiven Musikausbildung auf die Leistungs- und Persönlichkeitsmerkmale Heranwachsender (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Intelligenz, Leistungsmotivation, soziale Integration usw.) zu machen.
Das Münchner Forscherteam fasste die Erkenntnisse aus der Studie in sieben Thesen zusammen. Sieben Thesen Presseinformation (PDF, 917 KB)
2006 - 2008
Prof. Dr. Hartmut Schick
Dr. phil. Lucinde Braun
2006 - 2008 wurde von der Thyssen-Stiftung ein Forschungsprojekt gefördert, das François Couperins vier Livres de pièces de clavecin (1713-1730) zum Gegenstand hatte. Die Studie wurde Ende 2008 abgeschlossen. Unter Einbeziehung aktueller Forschungen wurde in einer Monographie der kompositionsgeschichtliche Standort des Couperinschen Cembaloœuvres neu ausgelotet. Das musikästhetische Umfeld dient dabei als Folie für eine genaue Analyse der kompositorischen Innovationen, die Couperins Stücke auszeichnen. Einen wesentlichen Fluchtpunkt der Überlegungen bildet die Konzeption des ’ordre’: gegenüber der herrschenden These von der Auflösung der Suitenform in eine lose Folge einzelner ’Charakterstücke’ kann Couperins Streben nach einer satzübergreifenden Ordnung nachgezeichnet werden.