DFG-AHRC-Project DELTA: Digital Exploration of Lute Tablature Agencies
Digitale Erforschung von Lautentabulaturen als agency. Neukonzeptualisierung der Intabulierung des 16. Jahrhunderts zwischen kreativen Akteuren.
Digitale Erforschung von Lautentabulaturen als agency. Neukonzeptualisierung der Intabulierung des 16. Jahrhunderts zwischen kreativen Akteuren.
Das von der DFG und dem AHRC geförderte Projekt Digital Exploration of Lute Tablature Agencies (DELTA) ist am Institut für Musikwissenschaft des Departments Kunstwissenschaften der LMU München und am e-Research-Centre der University of Oxford angesiedelt. Das RISM Digital Center ist Projektpartner. DELTA vereint eine Gruppe interdisziplinärer Experten aus den Bereichen Musikwissenschaft, Digital Science, Musikkodierung und Linked Data. DELTA zielt darauf ab, Lautenintabulierungen von Vokalmusik als Produkte künstlerischer, sozialer, analytischer und pragmatischer Prozesse neu zu interpretieren, die die notierte Musik mit einem breiteren Kontext aus musikalischen Querverweisen, Kultur und Musiktheorie verbinden – etwas, das wir durch neue Ansätze der digitalen Musikwissenschaft erforschen. Somit ist das Projekt sowohl in der Erforschung von Intabulationen von Quellen aus dem 16. Jahrhundert als auch in den Möglichkeiten der digitalen Wissenschaft angesiedelt.
Im 16. und während des größten Teils des 17. Jahrhunderts war die Laute in Westeuropa weit verbreitet. Sie nahm in etwa dieselbe Stellung ein, die später das Klavier im 19. Jahrhundert einnehmen sollte. Sie war das Instrument international bekannter Virtuosen – wie Francesco da Milano oder John Dowland – sowie einer Vielzahl von Amateurmusikern, die meist aus Adelsfamilien stammten, zunehmend aber auch aus der wohlhabenderen Kaufmannschaft. Eine enorme Menge an Lautenmusik ist seit 1480 in Tabulaturnotation erhalten. Etwa die Hälfte des erhaltenen Lautenrepertoires besteht aus Bearbeitungen von Vokalmusik, die heute als Intabulationen bekannt sind. Der Prozess der Intabulation wurde im 16. Jahrhundert ernst genommen, wie eine Reihe von Abhandlungen bezeugen, die größtenteils für Amateurmusiker verfasst wurden. Unter diesen Abhandlungen sticht Adrian Le Roys A briefe and plaine Instruction to set all Musicke of eight diuers tunes in Tableture for the Lute (1574) hervor.
Elf der zwölf Chansons in A briefe and plaine Instruction sind Vokalvorlagen von Orlando di Lasso, dessen Amtszeit am bayerischen Hof in München mit der Entstehung einer weiteren faszinierenden Quelle für den Prozess der Intabulation zusammenfiel – der Privatsammlung des wohlhabenden Kaufmanns und Musikliebhabers Hans Heinrich Herwart. Seine Sammlung, die heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München aufbewahrt wird, zeichnet sich insbesondere durch ihre Quellen zur Intabulation aus. Skizzenmaterial und vollständige Intabulationen derselben Werke in diesen Quellen liefern wichtige Einblicke in die Arbeitsweise eines Musikers bei der Bearbeitung eines Vokalwerks und geben uns zugleich Aufschluss über die Verbreitung eines bestimmten Wissens über die Intabulation durch verschiedene Akteure wie Drucker und Sammler.
Ein Teil des Projekts besteht darin, neue Wege der musikwissenschaftlichen Forschung zu erkunden, indem mithilfe neuer Software umfangreiche digital companions erstellt werden, die speziell auf die Erforschung bestimmter wissenschaftlicher Themenbereiche zugeschnitten sind. Digitale Werkzeuge bieten spannende Möglichkeiten für den Austausch und die Erforschung komplexer, hypertextueller musikalischer Objekte.
Das MELD-Framework (Music Encoding and Linked Data) integriert Kontext und Interaktivität, indem es Wissen als Anmerkungen in eine „musikalisch sinnvolle“ Struktur einbindet. Aufbauend auf Linked Open Data können gemeinsame konzeptionelle Strukturen in MELD über spezifische Studien hinausgehen und so das schrittweise und iterative Verweben eines vernetzten Netzwerks wissenschaftlicher Erkenntnisse ermöglichen. Die Erstellung neuartiger Visualisierungen und interaktiver Ebenen sowie die Möglichkeit, audiovisuelles Material einzubinden, können dazu beitragen, einem Publikum außerhalb der Wissenschaft zugängliche Einführungen in komplexes musikalisches Material zu schaffen. Wir haben nun die Möglichkeit, einzigartige Anwendungen zu entwickeln, die auf die jeweiligen Kontexte ihrer Inhalte und die damit verbundenen musikwissenschaftlichen Fragen eingehen (siehe zum Beispiel Rethinking Wagner's ‚Leitmotifs‘: An introduction to the Lohengrin Time Machine).
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
DELTA: Digital Exploration of Lute Tablature Agencies: Re-reading the creative practitioners of sixteenth-century intabulations.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
DELTA: Digital Exploration of Lute Tablature Agencies: Re-reading the creative practitioners of sixteenth-century intabulations