9 Tipps, wie man sich das Lernen leichter macht

Wie lernt es sich am besten? Mit dieser Frage beschäftigen sich nicht nur Lernende, sondern auch Forschende aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Wir stellen neun Tipps zum Wie, Wo, Wann und mit Wem vor – und entlarven dabei den ein oder anderen Irrtum.

#1 Finde Deine Art zu lernen

Eine junge Person liegt in einer runden Sitzfläche, die in ein Bücherregal eingelassen ist.

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Jeder Mensch tickt ein bisschen anders und das gilt auch fürs Lernen. Deshalb gibt es weder klassische „Lerntypen“ noch die eine effektive Art zu lernen. Zu unterschiedlich sind Faktoren wie Vorwissen, Interesse oder die eigene Konzentrationsfähigkeit. Auch die individuelle Tagesform und der aktuelle Lernstoff spielen eine Rolle. Anstatt irgendwelchen festgefahrenen Lern- und Arbeitsmustern stur zu folgen oder einfach die Strategien eines erfolgreichen Kommilitonen zu kopieren, gilt es deshalb zu lernen, wie man selbst am besten lernt. Und die eigene Taktik immer wieder nachzujustieren.

Expertin Sarah Hofer empfiehlt, dabei genau zu analysieren: Was will oder muss ich am Ende können? Geht es darum, ein Konzept zu verstehen? Das funktioniert beispielsweise gut durch anwenden, visualisieren oder alles nochmal mit eigenen Worten erklären. Oder muss ich etwas einfach auswendig lernen? Dann heißt es vor allem: Wiederholen und die Informationen dabei immer wieder abrufen, um die Gedächtnisspur zu stärken. Gerne auch unterstützt durch die gute alte Eselsbrücke.

»Lernstrategien sollten immer an die Lerninhalte und die aktuelle Situation angepasst sein. Was ist mein Ziel? Wie läuft es gerade beim Lernen? Und, wenn etwas nicht so funktioniert, sollte man immer wieder bereit sein, etwas anderes auszuprobieren – mit der Zeit entwickelt man auch ein Gespür für gute Herangehensweisen.«

Sarah Hofer, Professorin für Lehr-Lernforschung am Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie

#2 Bleib in Bewegung

Laufschuhe, Hanteln und Kopfhörer

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Wenn das Arbeitspensum hoch ist, vergisst man gerne mal die Pausen. Stundenlang über dem Lernstoff zu sitzen ohne aufzustehen, ist aber kontraproduktiv. Forschende konnten belegen, dass aktive Bewegungspausen die geistige Leistungsfähigkeit erhöhen. Das hat vermutlich vor allem zwei Gründe: Zum einen bringt körperliche Aktivität den Kreislauf in Schwung und das macht was mit der Durchblutung und den Stoffwechselprozessen im Oberstübchen. Zum anderen wird während der Pausen die geistig anspruchsvolle Tätigkeit mal unterbrochen, was dem Hirn etwas Zeit zum Ausruhen gibt.

So kann eine belebte Pause helfen, anschließend wieder aufmerksamer und frischer ans Werk zu gehen. Empfehlenswert kann beispielsweise ein kurzer Spaziergang sein, am besten an der frischen Luft. Idealerweise führt er ins Grüne, das entspannt noch zusätzlich. Und wer normalerweise gerne nach Feierabend noch sportelt, sollte das trotz Prüfungsstress nicht völlig streichen und die damit verbundenen positiven Effekte auf Körper, Psyche und Lernmotivation nutzen. Außerdem gehört ausreichend Bewegung einfach dazu zu einem gesunden Lebensstil mit fittem Körper – und Geist.

»Bewegungspausen bieten eine Gelegenheit, sich vorübergehend von anstrengenden Denkaufgaben zu lösen. Dieser Wechsel zwischen konzentrierter geistiger Arbeit und körperlicher Aktivität kann helfen, mentale Ermüdung zu verringern und die Aufmerksamkeit anschließend wieder auf den Lernstoff zu richten.«

Professor Konstantinos Dimitriadis, Leiter der neurologischen Intensivstation und Lehrbeauftragter der Neurologie am LMU Klinikum

#3 Höre die richtige Musik

Ein Retro-Radio

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Musik an und ran an die Prüfungsvorbereitung? Für viele gehören Kopfhörer zum festen Bestandteil der alltäglichen Lernpraxis. Aber könnte das Gehirn in einer möglichst stillen Lernumgebung ohne musikalische Begleitung nicht vielleicht doch viel besser arbeiten? Diese Frage ist wissenschaftlich alles andere als eindeutig geklärt.

Auf der Plus-Seite lässt sich aber wohl sagen: Musik, die man mag, macht gute Laune und Lust aufs Lernen. Sie kann vermutlich außerdem helfen, innere Gedankenschleifen zu beenden und das Gehirn so in einen konzentrierten Zustand versetzen. So wird ein Lernen im Flow leichter. Die andere Seite der Medaille: Musik kann auch ablenkend wirken und das Hirn zusätzlich belasten.

Um das zu vermeiden, empfiehlt Musikpädagoge Andreas Truong, die Playlist fürs Lernen möglichst mit bekannten Liedern zu füllen und besonders beim Lesen von Texten oder sprachlichen Aufgaben eher auf Lyrics zu verzichten. Denn es liegt nahe: Gerade neue Songs mit interessanten Texten verführen einfach zum genaueren Hinhören und ziehen den Fokus weg vom Lernstoff. Alles natürlich im Rahmen des persönlichen Musikgeschmacks, denn der Wohlfühlfaktor ist vermutlich der entscheidende „Wirkstoff“ des Musikhörens beim Lernen.

»Ob und welche Musik beim Lernen hilft, ist sehr individuell und es gibt kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Wichtig ist aber, dass man solche Musik auswählt, mit der man sich wohlfühlt und die nicht ablenkt.«

Andreas Truong, Musikpädagogik, Department Kunstwissenschaften



#4 Organisiere Deine Lerngruppe

Zusammen lernt es sich oft motivierter, man kann sich gegenseitig unterstützen und unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema schaden häufig auch nicht. Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass gemeinsam Lernende im Schnitt besser abschneiden als alleine Lernende. Wie bei Kurs- und Unterrichtsgruppen gilt dabei auch beim selbstständigen Lernen nicht der Grundsatz „je mehr desto besser“, denn Studien zeigen, dass vor allem Lerngruppen bis etwa vier Personen besonders effektiv sind.

Nur auf die Gruppensessions verlassen sollte man sich allerdings nicht: Gemeinsames Lernen bringt nur etwas, wenn man sich vorher gut vorbereitet und aktiv mitmacht. Am besten ist es, wenn sich alle erst einmal für sich mit einem Thema beschäftigen und man sich dann trifft. In Studien schlägt diese Strategie sowohl das ganz alleine als auch das ausschließlich gemeinsame Erarbeiten des Stoffs. Sich für die Termine jeweils gezielt bestimmte Inhalte oder Übungsaufgaben vorzunehmen ist also erfolgversprechender als „sich einfach mal zusammenzusetzen“. Eine solche Agenda hilft auch dabei, den Fokus beizubehalten und sich nicht zu verplaudern.

»Ob Gruppenarbeit effektiv ist, hängt davon ab, wie die Lernenden sie gestalten. Ein sehr guter Lernerfolg wird wahrscheinlicher durch gegenseitiges Feedback zu Aufgabenlösungen, wechselseitiges Erklären, gemeinsames Hinterfragen und durch den Versuch, unterschiedliche Sichtweisen der Teilnehmenden zu vergleichen, statt sie einfach nebeneinander stehen zu lassen.«

Professor Frank Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie

#5 Schlaf Dich schlau

Ein aufgeschlagenes Buch liegt auf einem Kopfkissen.

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Lernen im Schlaf? Das funktioniert nicht wirklich, wenn man es allzu wörtlich nimmt. Das Standardwerk als unbequemes Kopfkissen zu verwenden oder sich nachts mit Vokabeln zu beschallen, ist daher ziemlich zwecklos und steht einem richtig erholsamen Schlaf sogar eher im Weg. Aber genau der ist tatsächlich ziemlich wichtig, wenn sich tagsüber Gelerntes im Gedächtnis verankern soll, denn im Schlaf überträgt das Gehirn Informationen ins Langzeitgedächtnis. Und es wird auch mal der Müll rausgebracht, sprich molekulare Abfälle ausgeschwemmt. Forschende haben festgestellt, dass auch schon ein kürzeres Nickerchen wie etwa ein Mittagsschlaf diese Funktion haben und gerade in Phasen intensiven Lernens oder intensiver geistiger Arbeit helfen kann, danach wieder aufnahmefähiger und konzentrierter zu sein.

Das sollte aber kein Ersatz für möglichst konstant erholsamen Nachtschlaf sein, denn selbst einzelne schlaflose Nächte wirkten sich in Studien später negativ auf die Ergebnisse von Gedächtnistests aus – selbst wenn zwischenzeitlich wieder ordentlich durchgeschlafen wurde. Gerade in Phasen der Prüfungsvorbereitung lohnt es sich also, besonderen Wert auf guten Schlaf zu legen. Durchaus empfehlen kann Experte Nicolas Lutz außerdem die Strategie, kurz vor dem Schlafengehen zu lernen oder bereits gelernte Inhalte nochmal zu wiederholen, das verbessert nämlich nachweislich deren Verfestigung im Gedächtnis.

»Während wir schlafen ist das Gehirn keineswegs inaktiv: Über eine koordinierte rhythmische neuronale Aktivität in verschiedenen Gehirnregionen werden gelernte Inhalte ‚reaktiviert‘. So unterstützt Schlaf den Prozess der Gedächtniskonsolidierung, durch den neu erlernte Inhalte von einem temporären Speicher ins Langzeitgedächtnis übertragen werden statt gleich wieder vergessen zu werden.«

Dr. Nicolas Lutz, Institut für Medizinische Psychologie, AG Besedovsky

#6 Iss Dich schlau

Studentenfutter

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So ein Gehirn will vor allem eines: gut versorgt werden. Neben Sauerstoff und einem ausreichend gedeckten Flüssigkeitsbedarf gehört dazu Energie, und davon ziemlich viel. Während einer körperlich nicht anstrengenden geistigen Betätigung wie dem Lernen entfällt allein auf das Hirn etwa ein Fünftel des Gesamtenergieverbrauchs - beachtlich für ein Organ, das nur etwa zwei Prozent des Körpergewichts ausmacht.

Also während der Prüfungsvorbereitung einfach dreimal am Tag ordentlich sattfuttern? Ernährungsmediziner Berthold Koletzko kann davon nur abraten, ebenso wie von Traubenzucker oder Energiedrinks für die schnelle Energie zwischendurch und der damit verbundenen Achterbahnfahrt des Blutzuckerspiegels. Denn am leistungsfähigsten ist das Gehirn, wenn es möglichst konstant mit Energie versorgt wird.

Das geht am besten mit mehreren leichten Mahlzeiten oder Snacks am Tag und vollwertigen Lebensmitteln. Will man sein Hirn langfristig fit halten, ist außerdem eine dauerhaft gesunde und ausgewogene Ernährung die beste Medizin. Denn wie der restliche Körper möchte auch das Gehirn mit allen wichtigen Nährstoffen ausreichend versorgt werden, um sein Bestes geben zu können.

»Es gibt kein magisches Wundermittel aus dem Supermarktregal, mit dem sich alle Examina leicht bestehen lassen. Aber eine gute körperliche Gesundheit, zu der die Ernährung entscheidend beiträgt, ist eine wichtige Voraussetzung für eine gute Hirngesundheit und eine hohe kognitive Leistungsfähigkeit.«

Professor Berthold Koletzko, Dr. von Hauner Kinderklinik, Abteilung Ernährungsmedizin

#7 Always look on the bright side …

Sonnenblume

© picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB | Patrick Pleul

Weil man meistens eben doch nicht nur „fürs Leben“, sondern nun mal auch für Prüfungen und Abschlüsse lernt, sind gerade bei kniffligen Lerninhalten Sorgen oder sogar Ängste leider recht häufige Begleiter beim Lernen und auch in Prüfungssituationen. Allerdings keine hilfreichen: Viele Studien zeigen, dass Angst das Arbeitsgedächtnis und die Aufmerksamkeit beeinträchtigt und auch vorher schon die kognitiven Prozesse, die Gelerntes ins Gedächtnis überführen. Also all das, was eigentlich gut funktionieren sollte.

Negativer Stress und die Angst zu versagen, inkompetent zu erscheinen oder schlechter als andere zu sein, können also ziemlich kontraproduktiv sein. Aber das muss nicht so bleiben: Um besser mit solchen Gefühlen umzugehen, rät Psychologin Anne Frenzel dazu, die eigene Anspannung bewusst zu nutzen – als Antrieb und Konzentrationsbooster. Und wenn es trotzdem mal schiefgeht? Das bedeutet eigentlich nur, dass das Abgefragte noch nicht zum aktuellen Können passt. Daraus lässt sich zumindest viel darüber lernen, wie es beim nächsten Mal besser klappen könnte.

»Herzklopfen und Anspannung sind erst mal nur körperliche Signale. Wer sie als Zeichen von Versagen liest, gerät unter Druck. Wer sie als Zeichen von Konzentration und Leistungsbereitschaft liest, kann sie nutzen.«

Professorin Anne Frenzel, Fakultät für Psychologie und Pädagogik

#8 Motiviere Dich selbst

Ein Post-it-Zettel, auf dem zur Motivation Prima steht und ein Smiley gemalt ist

© picture alliance / Kai Krüger/Shotshop | Kai Krüger

Ohne Schwung geht gar nichts, auch nicht beim Lernen. Wer bei sich fehlende Motivation feststellt, sollte also unbedingt danach fahnden. Die Quellen können sehr unterschiedlich sein, ob Spaß am Lernen selbst, Interesse am aktuellen Thema, oder der Erwerb wichtiger Grundlagen für den eigenen Traumberuf. Forschende haben herausgefunden, dass so ein intrinsisches Interesse und die persönlich wahrgenommene Bedeutung mit günstigen Lernergebnissen zusammenhängen. Wer weiß, warum er tut, was er tut, hat auch weniger Schwierigkeiten mit dem Dranbleiben.

Und wie findet man nun im stressigen Semesteralltag das Stückchen Motivation, das gerade fehlt? Psychologe Martin Daumiller rät, sich vor dem Lernen klar zu machen, warum die Inhalte wichtig sind und was man anschließend besser verstanden haben möchte. Im oft ungeliebten Fach Statistik beispielsweise, dass man wissenschaftliche Publikationen besser verstehen können möchte oder bei den eigenen Studien- und Abschlussarbeiten selbst statistische Methoden anwenden muss, um Ergebnisse erfolgreich auswerten zu können. Die Forschung zeigt, dass solche Ziele, die auf Verstehen und persönliche Weiterentwicklung gerichtet sind, für mehr Lernfreude und weniger Langeweile sorgen.

»Nicht alles muss Spaß machen, um motiviert zu lernen. Hilfreich ist, sich einen eigenen Zugang zum Stoff zu schaffen: Was möchte ich verstehen – und wofür kann dieses Wissen für mich wichtig sein?«

Martin Daumiller, ehemaliger LMU-Professor für pädagogische Psychologie, forscht jetzt an der Uni Freiburg

#9 Knüpfe Dir ein Wissensnetz

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Das Gehirn liebt Struktur. Einerseits gilt das fürs Lernen an sich – hier helfen To-do-Listen und Zeitmanagement – andererseits aber auch für die Lerninhalte. Beim Lernen und bei der Gedächtnisbildung werden neue Informationen nämlich sehr gerne in bereits Vorhandenes eingebaut und Verbindungen bevorzugt. Das gilt auch für Vokabeln: Wörter bleiben besser hängen, wenn man sie im Kontext von kurzen Sätzen, Redewendungen oder Phrasen lernt.

Sprachexpertin Saskia Kersten empfiehlt Lernenden diese Strategie außerdem auch deswegen, weil es im Sprachgebrauch sogenannte formelhafte Wendungen gibt. Das bedeutet, dass bestimmte Wörter oft in Verbindung mit bestimmten anderen daherkommen. Zum Beispiel heißt es im Deutschen häufig „ein Foto machen“ und im Englischen „to take a photo“. Lernt man nur Einzelbegriffe, dann fehlen solche wichtigen Informationen und es entstehen Fehlerquellen. Wie beim Klassiker „I become a baby“, was eben nicht bedeutet, dass man Nachwuchs bekommt, sondern ziemlich sinnbefreit mit „Ich werde ein Kleinkind“ zu übersetzen ist. Andererseits gilt es oft, sich mehrere unterschiedliche Bedeutungen zu merken, wie beim englischen Wort „date“: Erst der Kontext macht klar, ob gerade von einem Termin, einer Verabredung oder einer Dattel die Rede ist. Wer Wörter im Kontext lernt, hat es daher auch gleich etwas leichter, sie später richtig zu verstehen und zu gebrauchen.

»Je mehr neues mit altem Wissen verknüpft wird, desto wahrscheinlicher ist, dass man es auch langfristig behält. Sprachliches Wissen im Gehirn kann man sich als komplexes Netzwerk vorstellen, Wörter gehen also im sogenannten mentalen Lexikon vielfältige Verbindungen mit anderen Wörtern ein.«

Saskia Kersten, Professorin für Englische Mediendidaktik und Angewandte Sprachwissenschaft, Department Anglistik und Amerikanistik; leitet das Sprachenzentrum der LMU


Text von Nicole Lamers


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