News

Deaf Week: Barrierefreiheit und Gebärdensprache an der LMU

21.09.2026

Anlässlich der Deaf Week zeigt die LMU, wie Barrierefreiheit im Studium gelingt, und rückt Gebärdensprache und Gehörlosigkeit in den Fokus.

Rund um den 23. September, den Internationalen Tag der Gebärdensprachen, findet weltweit die Deaf Week statt. Sie macht auf die kulturelle Vielfalt der internationalen Deaf Community, doch auch auf die Herausforderungen aufmerksam, vor denen ihre Mitglieder in Alltag und Beruf immer noch stehen. Unter anderem deswegen arbeitet die LMU im Rahmen der Initiative „Inklusive Hochschule“ gezielt daran, Barrierefreiheit in Forschung, Lehre und Verwaltung weiter auszubauen. Dr. Margit Weber, Vizepräsidentin für Chancengerechtigkeit, Talentförderung und Diversität, ordnet die aktuellen Maßnahmen ein: „Die LMU ist auf dem Weg zu einer inklusiven Hochschule. Wir setzen an unserer Universität gemeinsam mit allen relevanten und verantwortlichen Stakeholdern einen Aktionsplan ‚Inklusive Hochschule‘ auf, der das Ziel hat, Inklusion als zentralen Bestandteil der Organisationskultur und -strategie der LMU zu implementieren.“

Die konkreten Maßnahmen im ersten Jahr reichen von baulichen Verbesserungen, etwa der Installation eines Rollstuhllifts zur Studentenkanzlei, bis hin zur Durchführung eines Forschungsprojekts im Themengebiet Inklusive Bildung, Arbeit und partizipative KI-Forschung. Dieses Vorhaben am Lehrstuhl von Prof. Zentel, unter Schirmherrschaft von Vizepräsidentin Weber, arbeitet daran, wie Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen einen Zugang zu Hochschulbildung erhalten können. Anlässlich der Deaf Week weht nun auch die Deaf Flag am LMU-Hauptgebäude.

Die Flagge der Deaf Community am Hauptgebäude der LMU.

Anlässlich der Deaf Week weht die Deaf Flag am LMU-Hauptgebäude. Sie symbolisiert die Identität, den Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt der internationalen Deaf Community.

© LMU

Cornelia Ruppert kennt die Herausforderungen der Deaf Community ganz genau. Sie arbeitet seit 2023 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sonderpädagogik mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation an der LMU. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sie sich intensiv mit der Bildung und Entwicklung von Kindern mit Taubheit oder Hörbehinderung. Darüber hinaus unterrichtet sie angehende Lehrkräfte in Deutscher Gebärdensprache (DGS) und bringt so ihre Perspektive als taube Wissenschaftlerin unmittelbar in Forschung und Lehre ein. Sie sagt:

„Für mich stellt das Hissen der Flagge am Hauptgebäude ein wichtiges Zeichen dar: Die Flagge macht Taube* und Taubblinde Menschen, unsere Gebärdensprachen und unsere Kultur sichtbar – an einem Ort, an dem Bildung, Wissenschaft und gesellschaftliche Verantwortung zusammenkommen. Von der LMU und von der Arbeitswelt insgesamt wünsche ich mir deshalb, dass Barrierefreiheit nicht erst dann thematisiert wird, wenn konkrete Schwierigkeiten entstehen. Sie muss von Anfang an mitgedacht werden. Dazu gehören visuell zugängliche Informationen und Arbeitsbedingungen, die eine gleichberechtigte Kommunikation ermöglichen. Ebenso wichtig ist es, Taube Menschen selbstverständlich an Entscheidungen, die sie betreffen, zu beteiligen und ihnen dabei als Expertinnen auch die Führung zu überlassen.“

Zum kompletten Beitrag von Cornelia Ruppert

Mehr zum Thema Barrierefreiheit: Wie Gebärdensprache Brücken baut

News
Zum Beitrag: „Bildung darf nicht an Sprache scheitern“
Weiterlesen

Wie kann Bildung gelingen, wenn der grundlegende Austausch an sprachliche Barrieren stößt? Wenn die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Lernenden nur eingeschränkt möglich ist, beeinträchtigt das die Bildungschancen tauber Kinder erheblich. Einblicke in die universitäre Situation gehörloser und schwerhöriger Studierender sowie die Rolle der Deutschen Gebärdensprache (DGS) gibt der Artikel „Gebärdensprache: Bildung darf nicht an Sprache scheitern“ . Er beleuchtet die Arbeit am Lehrstuhl von Prof. Dr. Laura Avemarie. Dort beschäftigt sich das Team, unter anderem auch Cornelia Ruppert, mit der Bildung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit Taubheit oder Hörbehinderung.

„Lange ging man davon aus, dass die Gebärdensprache den Erwerb der Lautsprache behindere. Um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, sollten Kinder mit Taubheit/Schwerhörigkeit daher die Lautsprache erlernen. Inzwischen ist durch Forschung belegt, dass die Gebärdensprache den Lautspracherwerb nicht hemmt, sondern vielmehr fördert. Seit 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache zudem als eigenständige Sprache in Deutschland anerkannt.“

Mehr zum Thema Barrierefreiheit: Studierende unterstützen Studierende

News
Zum Beitrag:„Barrieren gemeinsam überwinden“
Weiterlesen

Neben den wissenschaftlichen und strukturellen Aspekten spielt die persönliche Unterstützung im Studienalltag eine wichtige Rolle. Im Artikel „Barrieren gemeinsam überwinden“ stellen sich die Inklusionstutorinnen und -tutoren an der LMU sowie ihre Arbeit vor. Ein zentrales Element dieses Angebots ist das Peer-Mentoring: Studierende mit eigenen Erfahrungen stehen ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen beratend zur Seite und helfen bei organisatorischen Fragen rund um den Campus.

„Studierende mit Beeinträchtigung berichten selbst aus ihrem Alltag und beantworten Fragen. Zudem ertasten die Teilnehmenden Brailleschrift, planen den Weg vom Marienplatz zu einem Hörsaal im Rollstuhl und hören, wie eine Vorlesung mit Cochlea-Implantat klingt. ,Dabei wollen wir keine Schablonen vermitteln´, sagt Hoche. Entscheidend sei vielmehr, den tatsächlichen, individuellen Bedarf im Blick zu haben: ,Was braucht eine Person konkret, damit sie gut studieren kann?´“

Weitere Informationen zum Peer-Mentoring sowie Beratungsangebote finden Sie auf der Seite der Zentralen Studienberatung (ZSB) zum Thema Studieren mit Beeinträchtigung.

Themenseite: Barrierefreiheit an der LMU

Von persönlichen Porträts über den Studien- und Arbeitsalltag bis hin zu aktuellen Meldungen aus der Forschung - hier sind facettenreiche Geschichten rund um Inklusion und Teilhabe am Campus gesammelt und zeigen, wie der Weg zu einer inklusiven Hochschule in der Praxis aussieht.

„Inspirierende Geschichten und herausragende Forschung - Barrierefreiheit hat an der LMU viele Gesichter.“

Zur Themenseite: Barrierefreiheit an der LMU

Beratungs- und Unterstützungsangebote an der LMU

Für Studierende und Studieninteressierte mit Behinderung, chronischer oder psychischer Erkrankung gibt es an der LMU verschiedene Anlaufstellen:

- Beratungsstelle für Studierende mit Beeinträchtigung (Zentrale Studienberatung): Individuelle Beratung zu Themen wie Nachteilsausgleich, Studienorganisation und technischen Hilfsmitteln.
- Inklusionstutoren: Unterstützung auf Augenhöhe durch das Peer-Mentoring-Programm.
- Beauftragter für die Belange von Studierenden mit Behinderung und chronischer Erkrankung: Vertretung der studentischen Interessen in den universitären Gremien.
- Zentrales Diversity Management: Das Diversity Management der LMU nimmt die Dimensionen Konfliktberatung und Antidiskriminierung, Familienfreundlichkeit, Gender und sexuelle Identität, Gesunde Hochschule, Inklusion und Teilhabe, und Kulturelle Vielfalt in den Blick.

*Anmerkung zur Schreibweise: In diesem Text werden Begriffe wie Taub, Taube Menschen und Taubblind bewusst großgeschrieben. Die Großschreibung bringt zum Ausdruck, dass sie nicht ausschließlich eine audiologisch-medizinische Beschreibung darstellen, sondern auch eine sprachliche, kulturelle und soziale Identität der Deaf Community.

Wonach suchen Sie?