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Barrierefreiheit an der LMU

31.07.2026

Inspirierende Geschichten und herausragende Forschung - Barrierefreiheit hat an der LMU viele Gesichter.

Deaf Week: Cornelia Ruppert über den Wert von Barrierefreiheit

"Rund um den 23.September, den Internationalen Tag der Gebärdensprachen, findet weltweit die Deaf Week statt. Zur Deaf Week wird am Hauptgebäude der LMU die Deaf Flag gehisst. Die Deaf Flag ist ein internationales Symbol der Deaf Community. Ihre Türkis- und Blautöne stehen für Gebärdensprachen, kulturelle Vielfalt sowie den weltweiten Zusammenhalt Tauber Menschen. Gelb symbolisiert Licht, Hoffnung, Sichtbarkeit und Barrierefreiheit. Die Flagge bringt so die Identität, den Stolz und die Verbundenheit der internationalen Deaf Community zum Ausdruck.

Für mich stellt das Hissen der Flagge am Hauptgebäude ein wichtiges Zeichen dar: Die Flagge macht Taube und Taubblinde Menschen, unsere Gebärdensprachen und unsere Kultur sichtbar – an einem Ort, an dem Bildung, Wissenschaft und gesellschaftliche Verantwortung zusammenkommen.

Mein Name ist Cornelia Ruppert. Seit 2023 arbeite ich als Taube wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sonderpädagogik mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation an der LMU. In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Bildung und Entwicklung von Kindern mit Taubheit / Hörbehinderung. Außerdem unterrichte ich angehende Lehrkräfte in Deutscher Gebärdensprache und bringe meine Perspektive als Taube Wissenschaftlerin in Forschung und Lehre ein.

In Deutschland leben rund 80.000 Menschen mit Taubheit, etwa 200.000 Menschen nutzen die Deutsche Gebärdensprache. In ihrem Alltag erleben sie bis heute Audismus – also Diskriminierung aufgrund ihrer Taubheit und die Abwertung von Gebärdensprache – und stoßen insbesondere in Bildung und Arbeitswelt auf strukturelle Barrieren.

Taube und Taubblinde Menschen sind ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft. Dennoch bleiben ihre Erfahrungen, Perspektiven und ihr Wissen häufig unsichtbar. In Entscheidungs- und Machtpositionen sowie bei der Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse sind sie nach wie vor unterrepräsentiert. Noch immer wird vielfach über sie gesprochen und geforscht, anstatt gemeinsam mit ihnen zu arbeiten und ihre Expertise gleichberechtigt einbeziehen.

Von der LMU und von der Arbeitswelt insgesamt wünsche ich mir deshalb, dass Barrierefreiheit nicht erst dann thematisiert wird, wenn konkrete Schwierigkeiten entstehen. Sie muss von Anfang an mitgedacht werden. Dazu gehören visuell zugängliche Informationen und Arbeitsbedingungen, die eine gleichberechtigte Kommunikation ermöglichen. Zur Sicherstellung der Kommunikation können zudem Gebärdensprachdolmetschende hinzugezogen werden. Ebenso wichtig ist es, Taube Menschen selbstverständlich an Entscheidungen, die sie betreffen, zu beteiligen und ihnen dabei als Expert:innen auch die Führung zu überlassen.

Denn gelingende Kommunikation ist die Grundlage für Bildung, beruflichen Erfolg, gesellschaftliche Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben. Wo Informationen und Gespräche nicht barrierefrei zugänglich sind, entsteht Ausgrenzung, die für hörende Menschen oft unsichtbar bleibt.

Dass die Deaf Flag am Hauptgebäude der LMU gehisst wird, schafft Sichtbarkeit und setzt ein wichtiges Zeichen. Sie macht deutlich, dass Taube und Taubblinde Menschen mit ihrer Sprache, ihrer Kultur, ihren Erfahrungen und ihrer Expertise fest zu unserer Universität und unserer Gesellschaft gehören.

Sichtbarkeit allein reicht jedoch nicht aus. Entscheidend ist, dass daraus langfristig echte Teilhabe entsteht: durch barrierefreie Kommunikation, gleichberechtigte Mitgestaltung und eine Hochschulkultur, in der Perspektiven von Tauben Menschen nicht nur wahrgenommen, sondern selbstverständlich einbezogen werden."

Anmerkung zur Schreibweise: In diesem Text werden Begriffe wie Taub, Taube Menschen und Taubblind bewusst großgeschrieben. Die Großschreibung bringt zum Ausdruck, dass sie nicht ausschließlich eine audiologisch-medizinische Beschreibung darstellen, sondern auch eine sprachliche, kulturelle und soziale Identität der Deaf Community.

Inklusion: Mit geistiger Behinderung studieren und lehren

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Inklusion: Mit geistiger Behinderung studieren und lehren
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Ende Juli 2026 ist LMU-Forscher Peter Zentel Gastgeber des IASSIDD-Kongress, der Inklusion voranbringen und Sichtbarkeit für die Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung schaffen möchte. IASSIDD ist eine der weltweit führenden wissenschaftlichen Organisationen auf dem Gebiet der geistigen und entwicklungsbedingten Behinderungen. Sie beschäftigt sich nicht nur mit Gesundheit, Bildung, Lebensqualität, sondern auch mit den Chancen und Risiken moderner Technologien.

Gerade für Menschen mit komplexen Behinderungen haben diese besondere Relevanz: Weil ihre Kommunikationsmöglichkeiten häufig eingeschränkt sind, profitieren sie besonders von digitalen Tools und Künstlicher Intelligenz.

Gebärdensprache: Bildung darf nicht an Sprache scheitern

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Gebärdensprache: Bildung darf nicht an Sprache scheitern
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Wo hinschauen? Wie kommunizieren? Cornelia Ruppert, taube wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sonderpädagogik – Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation einschließlich inklusiver Pädagogik, kennt die Unsicherheit hörender Personen beim ersten Kontakt. Bei der Begrüßung zum Interview erklärt sie deshalb freundlich, wie Kommunikation gelingt, wenn eine Gebärdensprachdolmetscherin anwesend ist: Man schaut die gebärdende Person an – nicht die Dolmetscherin, die simultan in Laut- bzw. Gebärdensprache übersetzt. Eigentlich selbstverständlich. Und für viele Hörende dennoch ungewohnt.

Eine Dozierende in Gebärdensprache und drei Seminarteilnehmerinnen
© privat

„Man ist nicht allein“: Neue Peer Group für Studierende mit Long Covid und ME/CFS

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„Man ist nicht allein“: Neue Peer Group für Studierende mit Long Covid und ME/CFS
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"Es braucht einen Raum, in dem sich Betroffene untereinander austauschen und gegenseitig unterstützen können."

Studierende mit Long Covid oder ME/CFS stehen im Studienalltag oft vor besonderen Herausforderungen und haben zugleich nur wenige Möglichkeiten zum Austausch. An der LMU ist deshalb eine Peer Group entstanden, die genau hier ansetzt: Sie bietet einen niedrigschwelligen Raum für Vernetzung, gegenseitige Unterstützung und Erfahrungsaustausch. Zwei Inklusionstutorinnen berichten, wie das Angebot entstanden ist, wie die Treffen ablaufen – und warum es sich lohnt, dazuzukommen.

Barrieren gemeinsam überwinden

Inklusionstutorinnen und -tutoren unterstützen Studierende mit Beeinträchtigung.

Einen neuen Hörsaal zu finden, ist für viele Studierende knifflig. Für Studierende mit Beeinträchtigung aber kann es zum Großprojekt werden: Gibt es einen Aufzug? Wie lange dauert der Umweg über die Rampe? Wie sind die Lichtverhältnisse im Seminarraum? Und wird man sich nach all dem Stress noch auf die Vorlesung konzentrieren können? In solchen Situationen kann es helfen, jemanden an seiner Seite zu haben – wie die Inklusionstutorinnen und -tutoren der LMU.





Lernen, wie es mir liegt

Das Schreibzentrum der LMU bietet erstmals einen Workshop an für Studierende, die mit traditionellen Lernmethoden schwer klarkommen. Ronja Habeck, die Germanistische Literaturwissenschaft im Master studiert und als Tutorin am Schreibzentrum arbeitet, leitet die Veranstaltung – und erklärt im Interview, wie ein individueller Lernplan dabei hilft, erfolgreich zu studieren.

So rät sie: „Unser Ratschlag ist es, sich grundsätzlich von vorgegebenen Lern- und Arbeitsmustern frei zu machen und zu überlegen: Wie kann ich persönlich besser lernen und arbeiten?“

Forschungsmagazin EINSICHTEN: „Den Schatz der Sprache heben“ und „Gebärdensprache stiftet Identität“

Sprache ist Treibstoff für menschliches Miteinander, für Gesellschaft und Kultur. Doch was, wenn sie Einzelnen nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung steht? Sprachheilpädagoge Prof. Dr. Andreas Mayer erforscht Ursachen und Möglichkeiten der Förderung.

Professorin Dr. Laura Avemarie ist Inhaberin des Lehrstuhls für Sonderpädagogik – Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation einschließlich inklusiver Pädagogik an der LMU. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Entwicklung, Förderung und dem Unterrichten von jungen Menschen mit Taubheit/Hörbehinderung. Im Gespräch spricht sie darüber, wie gesellschaftliche Barrieren überwunden werden können.

Belonging@LMU

Vizepräsidentin Francesca Biagini: „In einer Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit gedeihen Inspiration und Innovation“

Zugehörigkeit ist das Thema der Diversity-Initiative 2024. Aber was bedeutet es, wirklich Teil einer Gemeinschaft zu sein? Wie prägt dieses Gefühl das tägliche Leben und akademisches Wirken? Die Antworten sind so vielfältig wie die LMU-Community. Vizepräsidentin Prof. Francesca Biagini, Wissenschaftler, Studierende und Beschäftigte teilen ihre persönlichen Erfahrungen und Einsichten, um zu zeigen, was Vielfalt und Inklusivität an der LMU für sie bedeuten.

„Eine frische Perspektive!“

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Barrierefreiheit: „Eine frische Perspektive!“
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Ein Engagement, von dem alle Seiten profitieren: Die Inklusionstutorinnen und -tutoren an der LMU. Bis zu vierzig von ihnen fast aller Fakultäten sind gerade an der LMU aktiv. In ihrer dreiwöchigen Ausbildung haben sie eine Menge gelernt. Etwa, dass es gar nicht so einfach ist, im Rollstuhl zum Seminarraum zu gelangen. Mal wird ein Bordstein zum Problem, mal eine Ecke. Und wenn die Rampe zu steil ist, muss eine andere Route gefunden werden.

„Zwischen der Welt der Sehenden und der Welt der Blinden“

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Barrierefreiheit: „Zwischen der Welt der Sehenden und der Welt der Blinden“
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Menahil Tahir hat eine schwere Sehbeeinträchtigung und ist eine von 9000 LMU-Studierenden mit gesundheitlichen Einschränkungen. Zum Promovieren im Fach Ethnologie kam sie mit einem DAAD-Stipendium aus Pakistan nach München.

Statt von möglichen Schwierigkeiten zu sprechen, betont sie das „kreative Potenzial“, das ihre Beeinträchtigung freisetzt. Denn immer wieder macht sie die Erfahrung, dank ihrer schwachen Sehkraft auch in der Feldforschung besonders leicht Zugang zu anderen Menschen zu finden. „Ich gebe zu, dass meine Behinderung mir hin und wieder geholfen hat, um zu meinen Gesprächspartnern eine gute Beziehung herzustellen“, erzählt sie lächelnd.







Promotionsstudentin Menahil Tahir

LMU-Doktorandin Menahil Tahir

© Stephan Höck/LMU

Eine Mischung aus KI und Empathie

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Barrierefreiheit: Eine Mischung aus KI und Empathie
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Professor Peter Zentel ist Lehrstuhlinhaber für Pädagogik bei geistiger Behinderung und Beauftragter für die Belange Studierender mit Beeinträchtigung. Im Interview spricht er über den Stellenwert von Barrierefreiheit und Inklusion in der Lehre.

So sagt Zentel: „Der Bedarf [nach barrierefreien Lehr- und Prüfungsmöglichkeiten] ist erheblich. Die neuesten Studien zeigen, dass 16% der Studierenden deutschlandweit eine Beeinträchtigung haben; mehr als die Hälfte von ihnen, etwa 65%,leidet unter einer psychischen Erkrankung."“

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