Masterstudiengang Kunstgeschichte
Informationen zu Aufbau, Inhalten und Lehrangebot
Informationen zu Aufbau, Inhalten und Lehrangebot
Beschreibung des Studiengangs
Der Masterstudiengang Kunstgeschichte bietet die Möglichkeit, umfassende Kenntnisse in der Kunstgeschichte zu erwerben. Innerhalb eines breit gefächerten kunsthistorischen Angebots können individuelle Schwerpunkte gesetzt werden. Der Studiengang baut konsekutiv auf dem Bachelorstudiengang Kunstgeschichte auf, ist forschungsorientiert angelegt und schließt mit einer Masterarbeit ab. Die intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Epochen, Medien und Methoden geschieht schwerpunktmäßig in frei wählbaren Seminaren, die von Vorlesungen und Oberseminaren inhaltlich begleitet werden. Ergänzend können berufspraktische Übungen, Sprachkurse oder Angebote aus dem gemeinsamen Geistes- und sozialwissenschaftlichen Profilbereich besucht werden.
Ziele des Studiengangs:
Abschluss: Master of Arts
Regelstudienzeit inkl. Masterarbeit: 4 Semester (Höchststudiendauer: 6 Semester)
Umfang: 120 ECTS-Punkte, davon ggfs. 30 ECTS-Punkte aus dem geistes- und sozialwissenschaftlichen Profilbereich; Gewichtung der Masterarbeit mit 27 ECTS-Punkten.
Mit der Zulassung zum Masterstudiengang Kunstgeschichte haben Sie einen Einschreibeschlüssel zum Moodle-Kurs "Master KG Studieninformationen" erhalten. Dort finden Sie alle wichtigen Informationen zu Studienverlauf, Belegung, Prüfungsanmeldung und Masterarbeit. Sollte die Selbsteinschreibung nicht funktioniert haben, kontaktieren Sie Frau Dr. Daniela Stöppel unbedingt in der Sprechzeit.
Das Lehrangebot im Master
Das Lehrangebot des Fachbereichs für Kunstgeschichte der LMU umfasst die Kunst vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart sowie die verschiedenen klassischen Gattungen (Architektur, Skulptur, Malerei). Die europäische Kunstgeschichte wird in ihrer ganzen Breite angeboten und vor dem Horizont globaler Entwicklungen reflektiert. Großes Augenmerk liegt auf methodischen Fragestellungen, „global arts“, Kulturtransfer, „digital humanities" sowie transdisziplinären Perspektiven.
Besondere Schwerpunktsetzungen und ausgewiesene Forschungskompetenzen ergeben sich aufgrund der bestehenden Lehrstühle und Professuren, die das Lehrangebot im Master hauptsächlich bestreiten. Bitte informieren Sie sich auf der Website (Personen > Professorinnen und Professoren) über die derzeit am Fachbereich lehrenden und forschenden Dozentinnen und Dozenten. Bitte beachten Sie auch das konkrete Lehrveranstaltungsangebot auf LSF sowie Vertretungen und Forschungsfreisemester. Außerdem unterrichten und prüfen im Master eine Reihe von außerplanmäßigen Professorinnen und Professoren sowie Privatdozentinnen und Privatdozenten. (Personen > PDs/Apl. und Honorarprofessorinnen/Honorarprofessoren). Ergänzt wird das Lehrangebot im Master-Studiengang durch Gast- und Honorarprofessoren sowie externen Lehrbeauftragten.
Selbstständig Forschungsschwerpunkte setzen
Der Hauptteil des Lehrangebots im Master beruht auf Hauptseminaren (P 1.2 und P 2.2 sowie ggfs. WP 1.2 und WP 2.2), die in Kombination mit einer Vorlesung besucht werden. Diese Hauptseminare sind für fortgeschrittene BA-Studierende und Master-Studierende geöffnet. So kann ein möglichst großes Themenspektrum, das die ganze Bandbreite der Kunstgeschichte abdeckt, angeboten werden. In den Hauptseminaren lehren ausschließlich die habilitierten Dozentinnen und Dozenten des Fachbereichs. Das konkrete Veranstaltungsangebot ist jeweils ab Ende des Vorsemesters in LSF einsehbar.
Master-Forschungsmodul
Das Master-Forschungsmodul (P 3) besteht aus einem Forschungsseminar und einer Vorlesung. Das Forschungsseminar ist ausschließlich für Master-Studierende geöffnet und widmet sich aktuellen Forschungsfragen. Je Semester stehen zwei Forschungsseminare zur Wahl, von denen im Studienverlauf eines belegt werden kann. In den Forschungsseminaren lehren die ordentlichen Professorinnen und Professoren, teils auch Vertretungen, des Fachbereichs. Folgende Themenkomplexe werden im semesterweisen Wechsel angeboten:
Forschungsschwerpunkte Sommersemester
Forschungsschwerpunkte Wintersemester
Im Folgenden finden Sie die Forschungsseminare des laufenden Semesters und eine Vorausschau auf das jeweils kommende Semester.
Joanna Olchawa: Im Garten des Wissens. Zur Kunsthistorikerin und Botanikerin Lottlisa Behling
(mit gemeinsamer Konzeption und Realisierung einer Ausstellung)
Angesichts globaler Umweltkatastrophen, und damit zusammenhängend auch einer wachsenden Sensibilität für Beziehungen zwischen Körper, Bild und Welt sowie neuer materialökologischer Ansätze in den Geistes- und Kulturwissenschaften, erscheint die Nähe der Kunstgeschichte zu Themen um Natur, Ökologie und Biologie heute aktueller und dringlicher denn je. Dabei wird des Öfteren übersehen, dass diese schon länger in der kunsthistorischen Forschung präsent sind, unter anderem in den Arbeiten der Kunsthistorikerin und Botanikerin Lottlisa Behling (1909–1989). Sie zählt zu den bislang kaum rezipierten Akteur*innen der deutschsprachigen Kunstgeschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts. Seit den 1930er Jahren und verstärkt nach ihrer Berufung auf eine Professur am Institut für Kunstgeschichte der Universität München 1960 beschäftigte sich Behling beispielsweise mit Naturdarstellungen und ihren Bedeutungszuschreibungen im Mittelalter, wie dem berühmten „Paradiesgärtlein“ im Frankfurter Städel Museum (siehe Abb.), mit Wechselwirkungen zwischen Kunst und Botanik, aber auch mit der – aus heutiger Perspektive kritisch zu reflektierenden – kunsthistorischen Methode der „Morphologie“.
Das Forschungsseminar widmet sich Behling als Forscherin und Dozentin, ihren Schriften und institutionellen Netzwerken, wie auch dementsprechend ihrer Rolle in der Kunstgeschichte während des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit. Zugleich werden kontextualisierende Fragen wie nach der Position von Frauen in der kunsthistorischen Forschungs- und Museumslandschaft des 20. Jahrhunderts diskutiert. Auf der Grundlage ihres umfangreichen, wissenschaftlichen Nachlasses, der sich heute in der Münchener Universitätsbibliothek befindet, konzipieren, erarbeiten und realisieren die Teilnehmenden gemeinsam eine Ausstellung. Diese soll Behling erstmals in einem größeren Zusammenhang öffentlich sichtbar machen und dazu einladen, Kunst (des Mittelalters), Natur und Wissen in einer historiografischen Perspektive neu zu reflektieren.
Stephan Hoppe (LMU, Kunstgeschichte) / Ilse Sturkenboom (LMU, Islamische Kunstgeschichte): Städtebau, Architektur sowie bildende und angewandte Künste in Usbekistan in der frühen Neuzeit
Mitwirkung an der Exkursion: Mustafa Tupev (Deutsches Archäologisches Institut Kairo), Ute Verstegen (FAU Erlangen, Christliche Archäologie)
Mit Exkursion nach Usbekistan: März/April 2027
Im Zentrum dieses Forschungsseminars stehen Usbekistan und die historische Kulturlandschaft Chorasans in der Frühen Neuzeit (d.h. unter den Regierungen der Timuriden und der Schaibaniden/ Abu‘l-Chayriden) als Raum urbaner, architektonischer und künstlerischer Produktion. Untersucht werden Städtebau und Stadträume, Monumentalarchitektur und Bauornamentik sowie bildende und angewandte Künste in ihren materiellen, funktionalen, sozialen, wissenschaftlichen und religiösen Zusammenhängen. Leitend ist die Frage, wie sich frühneuzeitliche Formen von Repräsentation, Wissens- und Stiftungskulturen sowie Werkstatt- und Materialpraktiken in konkreten Orten, Baukomplexen und Objektgruppen fassen lassen und wie diese Befunde in größere Dynamiken von Transfer, Konkurrenz, Aneignung, Innovation und Transmedialität eingebettet sind. Zugleich sollen Ausblicke auf angrenzende Epochen einbezogen werden: mittelalterliche Voraussetzungen des Mongolischen Reiches sowie Sowjet und gegenwartsbezogene Umformungen (aktuelle Stadtplanung, Restaurierung, Rekonstruktion, und Tourismus).
Das Seminar ist als Forschungsformat angelegt. Neben der gemeinsamen Lektüre und Diskussion zentraler Forschungstexte wird an fallbezogenen Fragestellungen gearbeitet, die auf konkrete Orte, Bauaufgaben und Objektgruppen zielen. Ein methodischer Schwerpunkt liegt auf digitalen Verfahren: Grundlagen und Workflows der Photogrammetrie, Visualisierung, Datenmodellierung sowie Fragen der Publikation und Nachnutzbarkeit können bei Interesse behandelt werden. Diese Methoden sollen nicht nur technisch eingeführt, sondern auch kritisch reflektiert werden: Welche Grenzen, Standards, Qualitätskriterien und ethischen Fragen sind zu beachten, insbesondere im Kontext sensibler Heritage-Debatten?
Ein weiterer Schwerpunkt liegt, bei Interesse, auf die Erforschung von (illustrierten und illuminierten) Handschriften in Sammlungen wie im al-Biruni Institut für Orientalische Studien in Taschkent und in der Universitätsbibliothek der staatlichen Universität in Samarkand. Wie können diese Handschriften erfasst, oder sogar zum ersten Mal katalogisiert und digitalisiert werden? Welche Rollen können einfache naturwissenschaftliche Methoden oder auch KI für das Verständnis der Handschriften bieten?
Ein wichtiger Kernbereich ist die Auseinandersetzung mit politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Umgangs mit kulturellem Erbe in Usbekistan. Diskutiert werden Institutionen und Akteurskonstellationen (etwa das neue Center for Islamic Civilization in Taschkent und The World Society for the Study, Preservation and Popularization of the Cultural Legacy of Uzbekistan), Denkmalpflegepraxis, Narrative kultureller Identitätsbildung, Zugänglichkeit von Orten und Archiven, sowie Spannungsfelder zwischen wissenschaftlicher Erschließung, Schutz, Nutzung und Präsentation. Die Exkursion im März/April 2027 fungiert als intensives „Feldlabor“, in dem Beobachtung, Dokumentation und Forschungsfragen zusammengeführt werden.
Das Seminar richtet sich besonders an Studierende mit Interesse an einer Masterarbeit (Schwerpunkte im Rahmen der Kunstgeschichte: Architekturgeschichte /Islamische Kunstgeschichte / Digital Humanities). Das Seminar soll eine vertiefte Kommunikation zwischen fortgeschrittenen Studierenden und den beteiligten Lehrenden fördern.
Sophie Junge: Jenseits der Meistererzählung? Die Monografie zwischen Tradition und Kritik
Monografisches Schreiben zählt zu den ältesten Textformen der Kunstgeschichte: Es verspricht Zugang zum „Werk als Ganzem“ und steht doch im Verdacht, Genie-Mythen fortzuschreiben, Ausschlüsse zu zementieren und Leben und Werk von Künstler*innen vorschnell miteinander kurzzuschließen. Im Forschungsseminar steht die Monografie als kunsthistorische Textgattung kritisch im Fokus.
Wir fragen nach ihren historischen Bedingungen im Kontext der sich formierenden akademischen Kunstgeschichte sowie nach prägenden Erzähl- und Argumentationsmustern wie Werkentwicklung, Stilbiografie, Anekdote oder „Meistererzählung“. Zudem diskutieren wir, wie methodisch-theoretische Ansätze – die Sozialgeschichte der Kunst, Netzwerk- und Rezeptionsforschung, feministische und postkoloniale Kritik – die Monografie als Textformat verändert haben und wie sie heute im Schreiben über Künstler*innen aus dem sogenannte Globalen Süden (erneut) eine zentrale Rolle einnimmt.
Das Seminar verfolgt dabei zwei Ziele: Gemeinsam setzen wir uns kritisch mit dem Format der Monografie anhand von Fallbeispielen zu Künstler*innen aus den Münchner Sammlungen zum 20. und 21. Jahrhundert auseinander. Begleitend reflektieren wir anhand unterschiedlicher Schreibformate den eigene Schreibprozess. Zum Abschluss des Seminars findet eine gemeinsame zweitägige Schreibretraite in der LMU Akademie Fraueninsel statt.
Zum Rückblick auf die vergangenen Forschungsseminare