Kontakt zur Autorin: Tamara Fichte
Der deutsche Autor, Redakteur, Dramaturg, Regisseur, Moderator, Producer, Kurator sowie Promoter Klaus Schöning (*1936 in Rastenburg) ist Vater der sogenannten „Ars Acustica“. Diese ist eine Genregrenzen erweiternde hörbare Kunstform, deren Ursprung im Radio und insbesondere im Hörspiel liegt. Das Dissertationsvorhaben soll seinen Einfluss auf die moderne Hörspielkunst anhand von drei ausgewählten Werken untersuchen, welche einen Überblick über die verschiedene Weise der Geräusch- bzw. Sound-Kunst geben.
Das von Schöning realisierte Hörspiel „Der Krieg der Welten“ ist eine deutsche Überarbeitung des amerikanischen Klassikers „The War of the Worlds“ von Orson Welles, das an Halloween 1938 eine Massenpanik in New York auslöste und sich speziell der manipulativen Macht des Radios widmet. Der gekonnte Einsatz von Musik und Geräusch war dabei der ausschlaggebende Auslöser der Panik.
John Cage ist nicht nur einer der größten Komponisten des 20. Jahrhunderts, der insbesondere die Happening-Bewegung sowie den Fluxus vorangetrieben hat, sondern auch Klangkünstler, der in enger Zusammenarbeit mit Schöning sein „Roaratorio. Ein irischer Circus über Finnegans Wake“ schuf. Dieses Werk wurde 1979 im Radio ausgestrahlt und verbindet James Joyces Roman „Finnegans Wake“ mit unterschiedlichen akustischen Mitteln aus Musik und Alltagsgeräuschen sowie mit einem eigens dafür choreografierten Ballett. Cages Stimme leitet kontinuierlich durch das Hörspiel.
Das dritte Werk ist eine Momentaufnahme von zwei über Kontinente getrennten Orten. Bill Fontana, der wohl bedeutendste Klangkünstler unserer Zeit, erschuf zusammen mit Klaus Schöning die „Soundbridge Köln-San Francisco“, also eine Klang-Brücke aus akustischen Momentaufnahmen der beiden Städte. Diese Aufnahmen wurden von Klaus Schöning live zusammengeführt und waren in beiden Städten im Radio zu hören.
Diese drei Hörspiele sind in ihrer Grundstruktur unterschiedlich, aber durch gemeinsame Fragestellungen verbunden, nämlich nach dem Verhältnis des Klangs (der Musik, welche Geräusch und Sprache umfasst) zur Narration und dem Potential der akustischen Kunst zur artifiziellen Erfassung von Wirklichkeit.
Betreuung: Prof. Dr. Wolfgang Rathert