Station 15 Zwischen den Welten: Mit August Everding von der Universität in die Praxis
Ludwigstraße 25, 80539 München
Ludwigstraße 25, 80539 München
von Adele Bernhard
Diese Station thematisiert August Everding als Lehrenden an der TWM und als Bindeglied zwischen dem Institut und der Theaterpraxis.
05.06.2026
Lehrende aus der Praxis an der TWM
Nicht nur August Everding lehrte an der Münchner Theaterwissenschaft. Spätestens seit Beginn der 1960er Jahre suchte das Institut zunehmend die Anbindung an die Praxis, vor allem durch die Verpflichtung von Lehrenden außerhalb der Universität.
Der erste externe Lehrende am Institut für Theatergeschichte – bis zur Umbenennung in „Institut für Theaterwissenschaft“ noch einige Jahre dauern – war Peter Stanchina, der zum ersten Mal im Sommersemester 1962 im Vorlesungsverzeichnis der LMU aufgeführt wird. (1) Der 1899 geborene Stanchina hatte seine Karriere als Schauspieler begonnen, bezog aber sehr bald auch Regie- und Leitungspositionen. In den 1930er-Jahren wurde er Oberspielleiter in München, von 1951 bis 1957 war er der Intendant des Salzburger Landestheaters. (2) An der LMU unterrichtete Stanchina vor allem Regie. Der Titel seiner Lehrveranstaltung im Sommer 1962 lautete „Regieübungen in Gruppen nach Vereinbarung“. (3)
Ab 1964 lehrte Stanchina außerdem das Fach Dramaturgie. (4) Diese Disziplin hatte an der LMU bereits vor Stanchinas Verpflichtung eine Rolle gespielt: Im Wintersemester 1961/62 taucht die Veranstaltung „Dramaturgische Übungen“ im Vorlesungsverzeichnis auf. (5) Allerdings war Edgar Hederer, der Dozent dieser Veranstaltung, kein Theaterpraktiker, sondern außerplanmäßiger Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte. (6) Einen Praxisbezug hatten seine Kurse dennoch: Laut dem Stadtlexikon FürthWiki lud Hederer regelmäßig Persönlichkeiten aus dem Theater sowie dem Fernsehen in seine Veranstaltungen ein. (7) Im Wintersemester 1968/69 – August Everding lehrte in diesem Semester Regie (8) – übernahm Ernst Wendt, der Chefdramaturg des Residenztheaters, den Lehrauftrag für Dramaturgie und unterrichtete ein Seminar über die „Aufgaben und Möglichkeiten des Dramaturgen“. (9) So wurde auch die Dramaturgie als praktische und eigenständige Disziplin in der Theaterwissenschaft verankert.
Auch der Chefdramaturg der von Everding geleiteten Münchner Kammerspiele lehrte im Wintersemester 1968/69 an der LMU. Wie Ernst Wendt hatte auch Ivan Nagel einen Lehrauftrag für Dramaturgie inne, (10) legte den Fokus seiner Lehrveranstaltung aber auf einen anderen, wichtigen Teil der Theaterszene: Die Theaterkritik. (11) Zu diesem Fach hatte es an der LMU ebenfalls bereits Kurse gegeben, diese waren allerdings primär der Zeitungswissenschaft zugeordnet gewesen. (12) Die Theaterkritik konnte sich als Teil der Theaterwissenschaft etablieren und wurde fast zehn Jahre später immer noch am Institut gelehrt: Im Wintersemester 1976/77 erhielt mit Armin Eichholz ein freiberuflicher Theaterkritiker den Lehrauftrag. (13)
Regie, Dramaturgie, Theaterkritik: Das praktische Lehrangebot der 60er und 70er-Jahre blieb weitgehend auf diese Bereiche beschränkt. Mit einer Ausnahme: 1969 wurde am Institut eine Übung zu Beleuchtung und Tontechnik angeboten. (14) Der Fokus der praktischen Ausbildung der Studierenden war die von Peter Stanchina ans Institut gebrachte Regie. Mit Jan Biczycki, David Esrig und Reinhard Steidle boten im Wintersemester 1976/77 sogar gleich drei Regisseure Kurse in ihrer Disziplin an. (15)
Auch heute noch ist die Theaterwissenschaft der LMU eng an die Theaterpraxis angebunden, nicht zuletzt durch den Masterstudiengang Dramaturgie, der in Kooperation mit der Theaterakademie August Everding angeboten wird. Viele Lehrende haben außerdem einen Praxisbezug, und waren oder sind als Dramaturg:innen, Regisseur:innen oder Journalist:innen tätig. Und auch Kooperationen mit Kulturinstitutionen in München und außerhalb sind fester Bestandteil des Studiums. Denn was wäre die Theaterwissenschaft ohne die Theaterpraxis?
Interview mit August Everding in voller Länge
„August Everding.“ Professor August Everding im Gespräch mit Studierenden der Theaterwissenschaft München, ©twm rjk 1994, 31.08.2009, YouTube-Kanal der TWM, 6:48,
https://www.youtube.com/watch?v=vfe4ED-hLoo
Studentische Perspektiven: ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Wolfgang Ruf
Im Rahmen des Seminars hat uns Wolfgang Ruf besucht. Ruf war als Dramaturg, als Direktor der Westdeutschen Kurzfilmtage und Chefredakteur der Deutschen Bühne tätig. Im April 1966 inskribierte er an der LMU München für ein Studium der Germanistik und Theatergeschichte. Im Gespräch mit unserer Gruppe gab Wolfgang Ruf Einblick in seine Studienzeit. Rufs Erinnerungen können begleitend zu den Audios der Stationen 3,8 und 15 gehört werden.
Hier erinnert sich Wolfgang Ruf an verschiedene Lehrende des Instituts, zu denen auch der Praktiker Ivan Nagel gehörte.
Lehrende
22.06.2026
Ivan Nagel
22.06.2026
„August Everding.“ Professor August Everding im Gespräch mit Studierenden der Theaterwissenschaft München, ©twm rjk 1994, 31.08.2009, YouTube-Kanal der TWM, 6:48, https://www.youtube.com/watch?v=vfe4ED-hLoo
Brief Eduard Hlawitschka an Klaus Lazarowicz, München, den 18.07.1978, Universitätsarchiv der LMU, Akte FakGuK-IX-88.
Brief Eduard Hlawitschka an Nikolaus Lobkowicz, München, den 02.08.1978, Universitätsarchiv der LMU, Akte FakGuK-IX-88.
Reissinger, Marianne. August Everding. Die Biografie. München: Langen Müller, 1999.
Vorlesungsverzeichnisse der LMU: