Barrierefreiheit an der LMU
31.07.2026
Inspirierende Geschichten und herausragende Forschung - Barrierefreiheit hat an der LMU viele Gesichter.
31.07.2026
Inspirierende Geschichten und herausragende Forschung - Barrierefreiheit hat an der LMU viele Gesichter.
Ende Juli 2026 ist LMU-Forscher Peter Zentel Gastgeber des IASSIDD-Kongress, der Inklusion voranbringen und Sichtbarkeit für die Bedürfnisse von Menschen mit geistiger Behinderung schaffen möchte. IASSIDD ist eine der weltweit führenden wissenschaftlichen Organisationen auf dem Gebiet der geistigen und entwicklungsbedingten Behinderungen. Sie beschäftigt sich nicht nur mit Gesundheit, Bildung, Lebensqualität, sondern auch mit den Chancen und Risiken moderner Technologien.
Gerade für Menschen mit komplexen Behinderungen haben diese besondere Relevanz: Weil ihre Kommunikationsmöglichkeiten häufig eingeschränkt sind, profitieren sie besonders von digitalen Tools und Künstlicher Intelligenz.
Wo hinschauen? Wie kommunizieren? Cornelia Ruppert, taube wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sonderpädagogik – Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation einschließlich inklusiver Pädagogik, kennt die Unsicherheit hörender Personen beim ersten Kontakt. Bei der Begrüßung zum Interview erklärt sie deshalb freundlich, wie Kommunikation gelingt, wenn eine Gebärdensprachdolmetscherin anwesend ist: Man schaut die gebärdende Person an – nicht die Dolmetscherin, die simultan in Laut- bzw. Gebärdensprache übersetzt. Eigentlich selbstverständlich. Und für viele Hörende dennoch ungewohnt.
"Es braucht einen Raum, in dem sich Betroffene untereinander austauschen und gegenseitig unterstützen können."
Studierende mit Long Covid oder ME/CFS stehen im Studienalltag oft vor besonderen Herausforderungen und haben zugleich nur wenige Möglichkeiten zum Austausch. An der LMU ist deshalb eine Peer Group entstanden, die genau hier ansetzt: Sie bietet einen niedrigschwelligen Raum für Vernetzung, gegenseitige Unterstützung und Erfahrungsaustausch. Zwei Inklusionstutorinnen berichten, wie das Angebot entstanden ist, wie die Treffen ablaufen – und warum es sich lohnt, dazuzukommen.
Inklusionstutorinnen und -tutoren unterstützen Studierende mit Beeinträchtigung.
Einen neuen Hörsaal zu finden, ist für viele Studierende knifflig. Für Studierende mit Beeinträchtigung aber kann es zum Großprojekt werden: Gibt es einen Aufzug? Wie lange dauert der Umweg über die Rampe? Wie sind die Lichtverhältnisse im Seminarraum? Und wird man sich nach all dem Stress noch auf die Vorlesung konzentrieren können? In solchen Situationen kann es helfen, jemanden an seiner Seite zu haben – wie die Inklusionstutorinnen und -tutoren der LMU.
Das Schreibzentrum der LMU bietet erstmals einen Workshop an für Studierende, die mit traditionellen Lernmethoden schwer klarkommen. Ronja Habeck, die Germanistische Literaturwissenschaft im Master studiert und als Tutorin am Schreibzentrum arbeitet, leitet die Veranstaltung – und erklärt im Interview, wie ein individueller Lernplan dabei hilft, erfolgreich zu studieren.
So rät sie: „Unser Ratschlag ist es, sich grundsätzlich von vorgegebenen Lern- und Arbeitsmustern frei zu machen und zu überlegen: Wie kann ich persönlich besser lernen und arbeiten?“
Sprache ist Treibstoff für menschliches Miteinander, für Gesellschaft und Kultur. Doch was, wenn sie Einzelnen nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung steht? Sprachheilpädagoge Prof. Dr. Andreas Mayer erforscht Ursachen und Möglichkeiten der Förderung.
Professorin Dr. Laura Avemarie ist Inhaberin des Lehrstuhls für Sonderpädagogik – Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation einschließlich inklusiver Pädagogik an der LMU. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Entwicklung, Förderung und dem Unterrichten von jungen Menschen mit Taubheit/Hörbehinderung. Im Gespräch spricht sie darüber, wie gesellschaftliche Barrieren überwunden werden können.
Vizepräsidentin Francesca Biagini: „In einer Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit gedeihen Inspiration und Innovation“
Zugehörigkeit ist das Thema der Diversity-Initiative 2024. Aber was bedeutet es, wirklich Teil einer Gemeinschaft zu sein? Wie prägt dieses Gefühl das tägliche Leben und akademisches Wirken? Die Antworten sind so vielfältig wie die LMU-Community. Vizepräsidentin Prof. Francesca Biagini, Wissenschaftler, Studierende und Beschäftigte teilen ihre persönlichen Erfahrungen und Einsichten, um zu zeigen, was Vielfalt und Inklusivität an der LMU für sie bedeuten.
Ein Engagement, von dem alle Seiten profitieren: Die Inklusionstutorinnen und -tutoren an der LMU. Bis zu vierzig von ihnen fast aller Fakultäten sind gerade an der LMU aktiv. In ihrer dreiwöchigen Ausbildung haben sie eine Menge gelernt. Etwa, dass es gar nicht so einfach ist, im Rollstuhl zum Seminarraum zu gelangen. Mal wird ein Bordstein zum Problem, mal eine Ecke. Und wenn die Rampe zu steil ist, muss eine andere Route gefunden werden.
Menahil Tahir hat eine schwere Sehbeeinträchtigung und ist eine von 9000 LMU-Studierenden mit gesundheitlichen Einschränkungen. Zum Promovieren im Fach Ethnologie kam sie mit einem DAAD-Stipendium aus Pakistan nach München.
Statt von möglichen Schwierigkeiten zu sprechen, betont sie das „kreative Potenzial“, das ihre Beeinträchtigung freisetzt. Denn immer wieder macht sie die Erfahrung, dank ihrer schwachen Sehkraft auch in der Feldforschung besonders leicht Zugang zu anderen Menschen zu finden. „Ich gebe zu, dass meine Behinderung mir hin und wieder geholfen hat, um zu meinen Gesprächspartnern eine gute Beziehung herzustellen“, erzählt sie lächelnd.
Professor Peter Zentel ist Lehrstuhlinhaber für Pädagogik bei geistiger Behinderung und Beauftragter für die Belange Studierender mit Beeinträchtigung. Im Interview spricht er über den Stellenwert von Barrierefreiheit und Inklusion in der Lehre.
So sagt Zentel: „Der Bedarf [nach barrierefreien Lehr- und Prüfungsmöglichkeiten] ist erheblich. Die neuesten Studien zeigen, dass 16% der Studierenden deutschlandweit eine Beeinträchtigung haben; mehr als die Hälfte von ihnen, etwa 65%,leidet unter einer psychischen Erkrankung."“
Mehr zu den Unterstützungsangeboten für Studierende mit Beeinträchtigung:
- Beratung und Austausch für Studierende mit Beeinträchtigung
- Inklusionstutorinnen und Inklusionstutoren
- Beauftragte für die Belange Studierender mit Beeinträchtigung
- Nachteilsausgleich bei Prüfungen